Inklusion

Auch Behinderten soll Kulturgenuss ermöglicht werden

Die  „Treppenraupe“ für Rolli-Fahrer wurde im Oktober 2015 in den Kammerspielen in Dienst gestellt.

Foto: Ingo Otto

Die „Treppenraupe“ für Rolli-Fahrer wurde im Oktober 2015 in den Kammerspielen in Dienst gestellt. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Im Bochumer Musikforum und im Theater sind barrierefreie Zugänge selbstverständlich. Auch für Hörgeschädigte soll der Service besser werden.

Kulturerlebnisse sollen allen ermöglicht werden – auch Menschen mit Behinderung. In den letzten Jahren ist dieser Hinsicht viel passiert, aber das Thema „behindertengerechte Kulturvermittlung“ bleibt ein Dauerbrenner. „Die Frage, ob an allen Orten dem Behindertengesetz genüge getan wird, würde ich nicht unbedingt mit Ja beantworten“, sagt Werner Hirschmann.

Gleichwohl räumt der langjährige Vertreter in der Bochumer AG Behinderter ein, dass einiges unternommen worden sei, um Behinderten den Zugang zur Kultur zu erleichtern. „Bei den Planungen für das Musikforum war die AG von Anfang an eingebunden“, so Hirschmann. Da habe der Austausch und die Umsetzung geklappt: „Das Musikforum ist aber auch ein Neubau, da können die Vorgaben aus dem Bundesbehindertengleichstellungsgesetz natürlich eher umgesetzt werden.“

Funk-Kopfhörer ausleihbar

Wie wichtig Details sind, kann Hirschmann als blinder Mitbürger aus Erfahrungen schildern: „Die hellen Mauern und die vielen Glaswände im Musikforum sind für Sehbehinderte schwierig.“ Eine farblich kontrastreichere Gestaltung wäre ihm lieber gewesen.

Anderes Beispiel: Schauspielhaus. Im Großen Haus haben barrierefreie Umbauten schon vor etwa 20 Jahren stattgefunden, die Kammerspiele waren erst später dran. „Hier haben wir von der AG sehr, sehr, sehr lange gebraucht, um die Verantwortlichen zu überzeugen“, erinnert sich Hirschmann. Vor eineinhalb Jahren wurde schließlich ein Treppenlift eingebaut, der Rolli-Fahrer in den Vorstellungsraum bringt; eine „Treppenreise“ dauert zehn Minuten. Auch eine Toilette in der Kammer ist seither behindertengerecht.

Per Funk werden Sprache und Musik übermittelt

Zumal beim Musikhören und beim Verfolgen von Theateraufführungen spielt naturgemäß die Verständlichkeit eine wichtige Rolle. Für Mitmenschen, die mit Hörgeräten ausgestattet sind, sind da Induktionsschleifen hilfreich. Sie übermitteln per Funk Musik & Sprache direkt ans Ohr. Im neuen Musikforum ist diese Technik eingebaut, im Schauspielhaus (Baujahr 1953) und in den Kammerspielen (Eröffnung 1966) nicht. Hier steht lediglich eine Funk-Anlage mit Kopfbügelhörern zur Verfügung, ein Ausleih-Service, der zwar praktisch, aber eher für Schwerhörige als für Ertaubte/Hörgeräteträger hilfreich ist.

In den nächsten zwei Jahren stehen im Schauspielhaus große Sanierungen an, neben den baulichen Maßnahmen soll die Optimierung der Verständlichkeit für Hörgeschädigte nicht vergessen werden. Im Kulturausschuss hat jüngst die SPD explizit bessere Bedingungen gefordert. SPD-Sprecher Dr. Hans Hanke erwartet vom Schauspielhaus, dass Induktionsschleifen eingebaut werden. „Das Theater investiert 2017/18 rund 4,5 Mio. Euro. Auf der Liste stehen auch die Zuschauerräume und die Tontechnik. Die Gelegenheit sollte genutzt werden, um Menschen mit Hörgeräten eine bessere Theatererfahrung zu ermöglichen“, so Hanke.

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