Bochum. Eine Schüssel heißes Wasser verbrühte Bauch, Schoß und Beine von Hanna (9). Sie kam in die Bochumer Kinderklinik. Wie es ihr heute geht.

An nur zwei Tagen haben Lara Termeer und Hanna Becker stolze 1500 Euro für die Universitätskinderklinik Bochum eingesammelt. Die beiden Freundinnen, elf und zwölf Jahre alt, verkauften für jeweils eine Ein-Euro-Spende mit großem Erfolg Kuchen, Crêpes und frische Waffeln. Dabei kommen sie gar nicht aus Bochum, sondern aus dem niedersächsischen Nordhorn. Die Verbindung in die Ruhrstadt hat mit einem schlimmen Unfall zu tun.

Es passierte vor drei Jahren, im Sommer 2020, an einem Sonntagabend. „Eine Schüssel ist umgekippt und heißes Wasser auf Hannas Bauch, Schoß und den Beinen gelandet“, schildert Papa Dirk Becker den Moment, der das Leben der Familie in der Folge verändert hat. Sofort ging es in die Notfallambulanz, wo schnell klar wurde, dass bei diesem Grad der Verbrühungen echte Fachleute ran müssen.

Spezialisten in Bochum behandelten Hanna mit ihren Verbrühungen

Ein paar Stunden später lag Hanna schon in einem Hubschrauber und wurde ins Ruhrgebiet geflogen. Ziel: die Unikinderklinik in Bochum. Dort wurde das Mädchen von Spezialisten behandelt. „Hanna lag zunächst fünf Tage in Spezialverbände gewickelt auf der Intensivstation, bis man entschieden hatte, wie man vorgehen will“, erinnert sich der Papa. Dann war klar: In einer OP sollte Hanna Haut von einem Bein an die betroffenen Stellen transplantiert werden.

Hanna Becker (2.v.r.) und Freundin Lara Termeer spendeten der Unikinderklinik in Bochum 1500 Euro. Sehr zur Freude von Kinderklinik-Direktor Prof. Thomas Lücke und Intensiv-Kinderkrankenschwester Stina Proy, die mit Hanna während ihrer Behandlung eine besonders enge Verbindung geknüpft hatte.
Hanna Becker (2.v.r.) und Freundin Lara Termeer spendeten der Unikinderklinik in Bochum 1500 Euro. Sehr zur Freude von Kinderklinik-Direktor Prof. Thomas Lücke und Intensiv-Kinderkrankenschwester Stina Proy, die mit Hanna während ihrer Behandlung eine besonders enge Verbindung geknüpft hatte. © Universitätskinderklinik

Danach sei vor allem der regelmäßige Verbandswechsel eine Tortur gewesen, erinnert sich Hanna. „Dafür wurde ich immer sediert.“ Einen Monat verbrachte das Mädchen in der Bochumer Kinderklinik. Auch für die Eltern eine schwere Zeit. Denn es war ja Corona. „Wir hatten nur über ein Besuchsfenster Kontakt zu Hanna. Wir haben da wirklich alle gelitten“, berichtet Dirk Becker. Er war jeden zweiten Tag in Bochum, Mama Britta die ganze Zeit über. Und auch Hannas jüngerer Bruder Max kam natürlich immer wieder mal mit.

Alle zwei, drei Tage zum Verbandswechsel nach Bochum

Auch als Hanna wieder nach Hause durfte, war das Kapitel Bochum für sie nicht beendet. „Wir mussten dann alle zwei, drei Tage zum Verbandswechsel hin, und später in größeren Abständen zur Kontrolle durch die Hauptspezialisten in der Klinik“, so Becker. Heute sei alles wieder gut, sagt Hanna. „Ich muss mich halt regelmäßig eincremen“, so die Sechstklässlerin. Und sie hat noch Narben, die bleiben. Ihre Hoffnung ist, dass sich ihr Wachstum da noch positiv auswirken kann.

Auch wenn man sicherlich schönere Erinnerungen an eine Stadt haben kann: „Bochum wird eine bedeutende Episode unseres Lebens bleiben“, sagt Dirk Becker. Und man habe ja Glück im Unglück gehabt, in der Unikinderklinik einen Platz bekommen und eine so tolle Behandlung erfahren zu haben.

Hanna Becker (rechts) und Freundin Lara Termeer in Nordhorn bei der Spendenaktion für die Unikinderklinik in Bochum
Hanna Becker (rechts) und Freundin Lara Termeer in Nordhorn bei der Spendenaktion für die Unikinderklinik in Bochum © Becker

Spendenaktion bringt 1500 Euro für die Kinderklinik in Bochum

Da Hanna und ihre Freundin Lara allgemein etwas Gutes tun wollten, lag es für sie nahe, eine Spendenaktion für die Kinderklinik in Bochum zu starten. Zwei Tage lang haben sie unter Mithilfe von Freunden und Familie in einem Industriegebiet bei einer Vorstellung der dort beheimateten Firmen Kuchen, Crêpes und Waffeln verkauft und dabei knapp 900 Euro eingenommen. Ein beteiligtes Unternehmen, in dem Laras Vater als Geschäftsführer tätig ist, rundete den Betrag mit Blick auf das große Engagement am Ende großzügig auf 1500 Euro auf.

Das führte dazu, dass Hanna jetzt doch noch einmal den Weg nach Bochum antrat – diesmal jedoch aus einem freudigen Anlass. Klinikdirektor Prof. Thomas Lücke bedankte sich bei den beiden Schülerinnen im Namen des gesamten Teams mit je einem beliebten Klinik-Maskottchen-Esel „Jupp“ und einer leckeren Torte in Herzform. Und er sicherte zu, die Geldspende wunschgemäß für kind- und klinikgerechte Bücher und Spielsachen zu verwenden.