Bochum. Ein 42-jähriger Mann hatte zu Hause Minderjährige heimlich im Bad gefilmt. Mehrfach. Nicht die einzige Tat. So urteilt das Gericht in Bochum.

Der Bochumer Staatsanwalt spricht von einem „ungeheuren Vertrauensbruch“. Ein 42-jähriger Mann hatte heimlich die Tochter und den Sohn seiner Lebensgefährtin mit einer Mini-Kamera im Badezimmer überwacht, während sie sich entkleidet, geduscht oder die Toilette benutzten. Dafür wurde er am Montag vom Schöffengericht verurteilt. Kinderpornografie besaß er ebenfalls.

Der Angeklagte hatte zur Tatzeit zwischen Juni 2018 und November 2021 mit der Frau und ihren beiden Kindern zusammen in Bochum-Linden gewohnt; er selbst ist nicht der leibliche Vater. Eines Tages bestellte er sich im Internet eine kleine Kamera und montierte sie im Bad – an einer versteckten Stelle. Die Aufnahmen von den Kindern speicherte er auf seinem Laptop.

17-jährige Bochumerin hatte den Angeklagten bei der Polizei angezeigt

Ende 2021 entdeckte die damals 17-jährige Tochter die Kamera. Sie zeigte ihren „Stiefvater“ bei der Polizei an. Diese durchsuchte dessen PC und fand die Videoaufnahmen. Darauf war nicht nur die entblößte Jugendliche zu sehen, sondern auch ihr damals 15-jähriger Bruder, ebenfalls unbekleidet.

Mindestens elf solcher Videos hatte der Angeklagte angefertigt. Als die Familie innerhalb der Tatzeit umgezogen war, hatte er die Kamera abmontiert und in der neuen Wohnung wieder im Bad installiert.

Bei der polizeilichen Durchsuchung fanden die Einsatzkräfte auch drei Dateien mit kinderpornografischen Inhalten. Als alles aufflog, wurde der Mann von der Familie vor die Tür gesetzt. Seitdem lebt er in einem Obdachlosenheim. Als Arbeitsloser lebt er von 506 Euro Bürgergeld.

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Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte war geständig. Sein Verteidiger: „Er ist zutiefst entsetzt über sich selbst. Sein Verhalten ist durch nichts zu entschuldigen.“ Der Täter selbst erklärte: „Ich habe mich entschuldigt bei der Familie. Ich habe es mir aber selbst nicht verziehen, dass ich so einen Blödsinn gemacht habe.“

Ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung und 80 Sozialstunden

Das Gericht verurteilte ihn wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen sowie wegen Erstellens und Besitzes von Kinderpornografie zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung. Zudem muss er 80 Sozialstunden binnen fünf Monaten ableisten, damit er sich wieder langsam an eine Art Arbeitsalltag gewöhnt, wie es hieß.

Die Mindeststrafe für den Besitz von Kinderpornografie ist vor zwei Jahren auf ein Jahr Mindeststrafe erhöht worden und gilt seitdem strafjuristisch als Verbrechen, nicht mehr nur als Vergehen.