Bochum. Mitten in Bochum an der A 40 soll eine Skulptur entstehen, die für alle Verkehrsteilnehmer sichtbar sein soll. An der Autobahnkirche Ruhr.

Die Bochumer Autobahnkirche steht unmittelbar an einem größten Verkehrsknotenpunkte in Bochum-Hamme: an der Kreuzung Dorstener Straße/A 40. Eine hektische, laute und extrem stark befahrene Stelle, an der sich in jeder Sekunde ein schwerer Unfall ereignen kann. Genau dort, unmittelbar an der Kirche, soll bald eine öffentlich zugängliche Gedenkstätte errichtet werden. Im kommenden Jahr, so das Ziel, soll das Projekt verwirklicht werden.

Dort soll jeder und zu jeder Zeit Blumen oder ein Grablicht ablegen können für alle Opfer des Straßenverkehrs. Denn Angehörigen von Unfallopfern ist es auf Autobahnen nicht möglich, zum Gedenken etwa ein Kreuz aufzustellen, Gestecke oder Blumen zu hinterlassen. Noch aber sind die Pläne im Anfangsstadium. Spenden werden gesucht. „Wir müssen die Idee weit streuen“, sagt Karl-Heinz Gehrt vom Trägerverein der Autobahnkirche RUHR an der A 40 e.V. im Gespräch mit der WAZ.

Bochumer Pfarrer: „Alle fahren wir unter Zeitdruck“

„Alle fahren wir unter Zeitdruck, gestresst von der Sorge, die geplante Ankunftszeit zu verpassen. Nach aktuellen Schätzungen sind es bis zu 120.000 Fahrzeuge, die auf der A 40 täglich unterwegs sind. Unvermeidbar, dass Unfälle eine ständige Gefahr darstellen, allein schon wegen der Dichte an Auf- und Abfahrten mit den dazugehörenden Spurwechseln“, erläutert der Pfarrer im Ruhestand.

Auf dieser Wiese vor der Kirche in Bochum-Hamme könnte die Gedenkstätte errichtet werden.
Auf dieser Wiese vor der Kirche in Bochum-Hamme könnte die Gedenkstätte errichtet werden. © FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

Die unter Denkmalschutz stehende Kirche ist Eigentum und das Zuhause der Epiphanias-Gemeinde Bochum. Seit 2010, aus Anlass des Europäischen Kulturhauptstadtjahres, dient sie auch als Autobahnkirche. Verkehrsteilnehmer aller Art können sie aus allen Richtungen leicht erreichen, um dort ein paar Momente der Stille inmitten der enormen Verkehrshektik zu erleben. „Komm mal zur Ruhe“, steht groß auf dem weithin sichtbaren Kirchturm.

Jährlich findet ein Gedenkgottesdienst statt

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Jedes Jahr am ersten Samstag im November wird dort ein Gedenkgottesdienst für alle Verkehrsopfer gehalten. Auch Vertreterinnen und Vertreter der Polizei, der Rettungsdienste, der Feuerwehr und der Notfallseelsorge nehmen daran teil.

„Ein Gottesdienst auch mit jenen, die zu Hilfe eilten und erfahren mussten, dass sie machtlos waren, Rettungskräfte, die in ihren Einsätzen oftmals traumatische Situationen erleben und dabei starken seelischen Belastungen ausgesetzt sind“, sagt Pfarrer Gehrt.

Aber auch über diesen einen Gedenktag hinaus sollen Menschen, die von einem schweren Verkehrsunglück betroffen sind, an der Kirche das ganze Jahr über einen öffentlich zugängigen Ort zum Erinnern und Trauern haben.

Trägerverein der Autobahnkirche bittet um Spenden

Erstes Treffen im Februar geplant

Ein erstes Treffen derjenigen, die sich bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Gedenkstätte für Opfer im Straßenverkehr einbringen wollen, ist für 20. Februar 2024 um 16.30 Uhr in der Autobahnkirche vorgesehen.

Bis dahin soll abgeklärt werden, welche Vorgaben die Behörden zu dem geplanten Projekt eventuell machen.

Die Autobahnkirche ist in der Winterzeit täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Der ökumenisch ausgerichtete Trägerverein der Autobahnkirche stellt sich vor, den Gedenkort an einer Stelle einzurichten, der für allen Verkehrsteilnehmenden – ob im Auto, im Lkw, auf dem Rad oder Krad oder Fußgänger – sichtbar ist, auch von denen, die nicht von einem Unfall betroffen sind. Ausgestaltet werden soll die Stelle mit einer künstlerisch gestalteten Skulptur. Eine in den Boden eingelassene Tafel soll die Gedenkstätte erläutern. Auf einer markierten Fläche können Besucherinnen und Besucher eine Blume oder Kerze hinterlegen.

Der Trägerverein bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe. Er sucht Spenden und hofft, dass Menschen an einer Projektgruppe mitwirken und sich aktiv an der Umsetzung der Idee beteiligen. Vor allem wird auch eine Künstlerin oder ein Künstler gesucht für einen Entwurf für die Skulptur.