Bochum. . Die Bogestra muss in den nächsten Jahren Hunderte Millionen Euro in die Ertüchtigung der Strecken investieren. Dafür gibt es keine Zuschüsse.

  • In den kommenden zehn Jahren benötigt das Verkehrsunternehmen eigentlich 350 Millionen Euro für Investitionen
  • Neues Stellwerk kann daher nur „auf Pump“ angeschafft werden – es sichert Betrieb der Campuslinie U 35
  • Verkehrsunternehmen setzen sich für Förderung auch bei Erhaltungsmaßnahmen ein

Die Bogestra schlägt Alarm. Eigentlich müsste das Verkehrsunternehmen Jahr für Jahr bis zu 35 Millionen Euro in seine Verkehrsinfrastruktur stecken. Doch stehen dem Unternehmen mit 16 Millionen Euro pro Jahr noch nicht einmal die Hälfte davon zur Verfügung. Auf die nächsten zehn Jahre gerechnet, wirkt diese Finanzierungslücke weitaus dramatischer: Benötigten 350 Millionen Euro stehen magere 160 Millionen real gegenüber.

Dabei verweist das Verkehrsunternehmen nachdrücklich auf die Situation, die zu der jetzigen prekären Lage geführt hat: „Das waren die politischen Beschlüsse der 80er und 90er Jahre, die mit großem Förderaufwand den Bau von Stadtbahnen vorangetrieben haben“, erklärt Jörg Filter, Leiter des Bereiches Infrastruktur und designiertes stellvertretendes Vorstandsmitglied der Bogestra.

Ehemals mit 90 Prozent gefördert

90 Prozent der Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro für die U-Bahn-Tunnel allein auf Bochumer Stadtgebiet, schoss die öffentliche Hand zu. „Jetzt, wo es um Erhalt und Erneuerung der Technik geht, die zum Teil noch aus den 80er Jahren stammt, gibt es keinen Cent an Fördermitteln“, so Filter. Zur Zeit laufen Gespräche mit dem Land, um andere Förderrichtlinien durchzudrücken. Insbesondere der Zusammenschluss „Spurwerk“, mit zehn NRW-Nahverkehrsunternehmen, drängt auf eine rasche Lösung.

Noch mit analoger Relais-Technik wie auf diesem Bild ist das alte Stellwerk für die U 35 ausgestattet.
Noch mit analoger Relais-Technik wie auf diesem Bild ist das alte Stellwerk für die U 35 ausgestattet. © Dietmar Wäsche

Ein Beispiel verdeutlicht das Dilemma. Nach der großzügigen Bezuschussung in den „Gründerjahren“ des Stadtbahnbetriebs in Bochum, der einst gar als Megaprojekt eine komplett unterirdische Bahnverbindung zwischen Bochum Hauptbahnhof und Gelsenkirchen Hauptbahnhof vorsah, steht das Unternehmen nun für den Erhalt allein auf weiter Flur. Knapp 30 Kilometer der rund 200 Schienenkilometer verlaufen unter der Erde.

Neues Stellwerk für die U 35

Die komplette Infrastruktur, mit Weichen, Rolltreppen, Aufzügen und Signaltechnik gehört der Bogestra. Die Tunnel selbst, mit Ausnahme des drei Kilometer langen Bauwerks für die Linie 308/318, sind im Besitz der Stadt. Eine Tatsache, die das Unternehmen heute aufatmen lässt.

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Als Beispiel führt die Bogestra das gerade in der Ausschreibung befindliche neue Stellwerk für die Linie U 35 an. 25 Millionen Euro kostet die Anlage. Derzeit läuft noch das mit mechanischen Relais betriebene Stellwerk aus den 80er Jahren. Es lohne einfach nicht mehr, darin zu investieren, zumal es immer schwerer werde, Ersatzteile zu bekommen.

Ein Ausfall würde den Mega-Gau bedeuten: Mittlerweile fahren 90 000 Menschen auf der Strecke, und das täglich. Knapp ein Fünftel aller Fahrgäste der Bogestra sind das. Da bei einem jährlich festgeschriebenen Investitionsvolumen von – wie eingangs erwähnt – gerade mal 16 Millionen Euro von der Neuanschaffung keine Rede sein könnte, muss sich die Bogestra das Geld am Kapitalmarkt borgen. Und das Unternehmen, das in diesem Jahr sein 120-jähriges Jubiläum feiern konnte, hat noch Glück. Ohne das derzeit niedrige Zinsniveau gäbe es wohl kaum ein neues Stellwerk.