Arbeitsmarkt

Arbeitslosigkeit sinkt – und Bochums Boom-Jahre kommen noch

Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) das Gewerbegebiet Mark 51/7. Dort werden tausende Arbeitsplätze entstehen.

Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) das Gewerbegebiet Mark 51/7. Dort werden tausende Arbeitsplätze entstehen.

Foto: Hans Blossey

Bochum.  Durchschnittlich 8,9 Prozent betrug die Arbeitslosigkeit in Bochum 2018. Im Dezember sank sie gar auf 8,1 Prozent. Es soll noch besser kommen.

So gut wie lange nicht ist die Lage auf dem Bochumer Arbeitsmarkt. 2018 lag die Arbeitslosenquote im Schnitt bei 8,9 Prozent. Ende des Jahres fiel sie auf 8,1 Prozent (Dezember ‘17: 9,1 Prozent), obwohl in der Regel im Dezember die Arbeitslosigkeit zunimmt. „Das hat uns selbst überrascht“, sagt Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bochum.

Von der Entwicklung profitieren viele Gruppen, unter anderem sind die Quoten für Jugendliche und Langzeitarbeitslose gesunken. Die Beschäftigungszahlen sind seit 2016 um fünf Prozent gestiegen. Arbeitslos waren Ende 2018 etwa 15.500 Personen – so wenige wie seit Jahrzehnten nicht. „Wir haben die Opel-Delle aufgeholt. Und die Arbeitsplätze, die auf Mark 51/7 entstehen, sind noch gar nicht enthalten“, frohlockt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD). Er wie auch Agentur-Chefin Schmalhorst sagen eine Fortsetzung des Trends voraus.

Weiterbildung spielt eine große Rolle

Bleibt es bei der guten konjunkturellen Lage, „dann wird die Beschäftigung noch zunehmen und die Arbeitslosigkeit weiter sinken“, so Schmalhorst. Eine große Herausforderung sei es, die Qualifikation von Arbeitskräften voranzutreiben. „Sechs von zehn Arbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung.“ Auch die Weiterbildung in den Betrieben spiele eine große Rolle. Und: „Wir brauchen die Zugewanderten – die Migranten und Flüchtlinge. Und zwar auf dem ersten Arbeitsmarkt“ so Schmalhorst.

Die Beschäftigung von Geflüchteten entwickelt sich positiv. 1100 Personen haben auf unterschiedlichen Qualifizierungsebenen in den vergangenen Monaten sozialversicherungspflichtige Arbeiten aufgenommen. Auch aus Sicht von Jobcenter-Geschäftsführer Frank Böttcher sind Geflüchtete „ein Gewinn für den Arbeitsmarkt“. Zunächst müsse dafür aber in die Qualifikation investiert werden.

Das Qualifizierungszentrum Quaz-Ruhr, die ehemalige Opel-Ausbildungswerkstatt in Langendreer, sei dafür ein starkes Instrument, so Böttcher und Schmalhorst. Agentur und Jobcenter als Hauptgeldgeber werden voraussichtlich auch 2020 die Mittel für die Einrichtung bereit stellen.

Hindernis in der Berufsaufnahme

Aus Sicht des Jobcenter-Chefs gibt es neben der Integration eine zweite große Herausforderung: die Langzeitarbeitslosigkeit. Auch sie ist gesunken, „um 7,4 Prozent gegenüber 2017“. Aber während die Zahl der Betroffenen sinke, bleibe das Problem, dass zahlreiche Betroffenen mehrfache Hindernisse in Sachen Berufsaufnahme mitbringen: angefangen von mangelnder Qualifikation über Erkrankung bis zur Überschuldung. Sorge hat er, dass immer mehr Arbeitnehmer zusätzliche Leistungen vom Jobcenter beziehen müssen, um ihr Leben zu bestreiten – die so genannten „Ergänzer“. Böttcher: „Es gibt nichts Erniedrigenderes, als den ganzen Tag zu arbeiten und trotzdem nicht davon leben zu können.“

Verlässliches Instrument

Immerhin biete der Soziale Arbeitsmarkt nun neue Möglichkeiten für Langzeitarbeitslose. „Seit Jahresbeginn haben wir endlich ein verlässliches Regelinstrument zur Hand, mit dem wir Menschen, die lange nicht integriert werden konnten, in echte Beschäftigung bringen können.“ 8,5 Millionen Euro Bundesmittel stehen dafür allein in diesem Jahr zur Verfügung. 390 Hartz IV-Empfänger, die seit mindestens sechs Jahren arbeitslos sind, könnten schon bald eine Stelle annehmen,133 konkrete Angebote von Firmen (ohne Stadt und Stadt-Töchter) liegen bereits vor. Insgesamt 590 haben Interesse gezeigt, Langzeitarbeitslose einzustellen.

Alles in allem ziehen Schmalhorst, Böttcher und Eiskirch (SPD) ein positives Fazit. Und der Oberbürgermeister glaubt, sofern die Konjunktur mitspiele, fest an eine Fortsetzung. Und nicht nur das. „Die Jahre 2019 und 20 werden ordentlich. Aber die Boom-Jahre kommen erst noch 2021 bis 24.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben