Hans-Böckler-Straße

Anwohner und Geschäftsleute lehnen Straßensperrung ab

Nicht nur Senioren sind unsicher beim Überqueren der Hans-Böckler-Straße in Höhe der City-Passage.

Nicht nur Senioren sind unsicher beim Überqueren der Hans-Böckler-Straße in Höhe der City-Passage.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum-Mitte.   SPD-Fraktion hat Bürger zum geplanten Verkehrsversuch auf der Hans-Böckler-Straße eingeladen. Ladeninhaber wollen mehr Parkplätze vor ihrer Tür.

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Eine Sperrung der Hans-Böckler-Straße, wie sie die Verwaltung vorschlägt, findet nicht ungeteilten Beifall. Die SPD-Ratsfraktion hatte zur Bürgerrunde eingeladen, und die, die dabei waren, lehnten die Maßnahme, die Fußgängern mehr Schutz bieten soll, einhellig ab. Der überwiegende Teil, so ergab eine Messung der Stadt, sei Durchgangsverkehr, der die Ampeln am Ring vermeiden wolle, und kaum jemand halte sich an die vorgeschriebenen 20 km/h. Deshalb plant die Stadt, den einjährigen Sperr-Versuch zu starten, bei dem nur noch Anwohner-, Lieferfahrzeuge und Busse hindurch fahren dürfen.

Geschäftsleute stellten am Montagabend das Gros der Teilnehmer. Ihnen lag vor allem daran, dass ihre Kunden vor den Läden parken können. Erdogan Karadag besitzt zwei Immobilien an der Hans-Böckler-Straße: „Wenn die Sperrung kommt, haben wir hier nach einem Jahr lauter Leerstände.“ Er wollte im Gegenteil sogar mehr Verkehr auf der Straße; schlug vor, den Radweg zu entfernen und Schrägparken zuzulassen, „dann passen mehr Autos hin“.

Ladenbesitzer wehren sich gegen die Pläne

Martina Schnell, Vorsitzende des Ausschusses für Infrastruktur und Mobilität, der am 10. Juli entscheiden wird, welche Verkehrsmaßnahme die Hans-Böckler-Straße entschärfen soll, entgegnete: „Radweg weg, mehr Parkplätze, das ist mit uns nicht zu machen.“

Gegen eine Einschränkung der Lieferzeiten, wie in der Innenstadt üblich, wehrten sich die Besitzer der türkischen Metzgerei, Supermärkte und Imbisse. Und sie fanden: Die Attraktivität einer Stadt sei nur zu erfassen, wenn man mit dem Auto hindurchfahren könne.

Martina Schnell gab zu bedenken, dass die Lieferfahrzeuge in zweiter Reihe parkten, „für Fußgänger nicht durchschaubar“. Anwohner Lothar Spork bestätigte: „Mir sind schon Leute fast vors Auto gerannt.“ Doch auch er sehe keinen Sinn, die Verkehrsregelungen zu ändern.

Vorschläge werden von der Verwaltung geprüft

Gesammelt wurden Vorschläge zur Verkehrsberuhigung, die die SPD in ihrer Fraktion beraten und von der Verwaltung prüfen lassen will. Anwohner Werner Klostermann etwa plädierte für Zebrastreifen, vor allem auf Höhe der City-Passage. Hermann Päuser, stellvertretender Fraktionschef: „Bei 20 km/h sind weder Zebrastreifen noch Ampeln erlaubt. Aber wir könnten eine 30er Zone einrichten, dann wären Zebrastreifen möglich.“

Zuspruch fand auch sein Vorschlag, die Einfahrt ab Willy-Brandt-Platz zu verbieten. Einig waren sich alle, dass die Poller demontiert werden sollten, um das Halten vor den Geschäften zu ermöglichen. Überlegt werden soll auch, den Taxistand zu verlagern.

Seniorenbeirat begrüßt geplante Sperrung

Der Seniorenbeirat hat die Pläne der Verwaltung, die Straße für zunächst ein Jahr für den Durchgangsverkehr zu schließen, sehr begrüßt.

Seit 2011 kritisiert der Beirat die nicht nur für Senioren gefährliche Überquerungssituation. Die Hans-Böckler-Straße wird vom Durchgangsverkehr zwischen Nord- und Westring genutzt.

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