Hinter der Kiste

Anwohner lehnen Neubauprojekt in Bochum-Linden ab

Die Bürgerinitiative „Hinter der Kiste“ lehnt das gleichnamige Wohnbauprojekt in ihrer Nachbarschaft ab.

Die Bürgerinitiative „Hinter der Kiste“ lehnt das gleichnamige Wohnbauprojekt in ihrer Nachbarschaft ab.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum-Linden.  Der Widerstand der Bürgerinitiative gegen Wohnungsbau „Hattinger Straße / Hinter der Kiste“ wächst. Offener Brief an Bochums Oberbürgermeister.

Im Stadtteil wächst der Widerstand gegen das Neubauprojekt „Hattinger Straße/Hinter der Kiste“. Auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche will der Investor Wilma Immobilien GmbH Häuser für junge Familien bauen. Nicht nur in der Politik wird das Projekt kontrovers diskutiert. Anfang des Jahres haben sich Anwohner zur Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Ihre Forderung: Verzicht auf jegliche Bebauung – aus ökologischen Gründen.

Der Ratinger Konzern Wilma Immobilien hat das Gelände im vergangenen Jahr von einer Eigentümergemeinschaft erworben. Der Bauer als Pächter hat in diesen Tagen seine Ernte eingefahren. Vorgesehen sind dort 47 Ein- und zwei Mehrfamilienhäuser im gehobenen Preissegment. Baubeginn soll 2023 sein.

Bochum hat genug versiegelte Flächen

Raimund Kröger von der Bürgerinitiative erklärt: „„Wir bestehen überwiegend aus Lindener Anwohnern der unmittelbaren Nachbarschaft. Es gibt in Bochum genug versiegelte Flächen, auf denen gebaut werden könnte. Da muss man keine Freiflächen nutzen.“ An der Bebauungsfläche Hattinger Straße/Hinter der Kiste befänden sich Luftschneiden, die dringend erhalten bleiben sollten gegen Hitzeinseln, die in diesem Bereich in Linden vorkämen.

Durch die geplante Baumaßnahme des Investors werde es zu ökologischen und klimatischen Auswirkungen und Belastungen für Mensch, Tier und Natur kommen. Zur Anbindung an die Hattinger Straße müssten zahlreiche Bäume gefällt werden, die Vögel und Fledermäuse beheimateten. Nach Fertigstellung der Wohnbebauung sei zusätzlich zum erhöhten Lärm- und Emissionsaufkommen auch die verkehrstechnische Anbindung für den weiteren Umkreis äußerst problematisch.

Offener Brief an den Oberbürgermeister

In einem Offenen Brief an den Oberbürgermeister, an die Bezirksvetretung Südwest und an die Fraktionen beklagt sich die Initiative auch über fehlende Bürgerbeteiligung. Die bislang einzige Bürgerversammlung, die zu diesem Bauvorhaben im März stattfand, hatten die Baugegner selbst organisiert. Im Juni wurden ihnen indes Akteneinsicht gewährt. Wilma-Projektmanager Andreas Häcker und Bezirksbürgermeister Marc Gräf trafen sich im Mai letzten Jahres mit den Initiativvertretern.

Reimund Kröger und Ralf Kleinmax von der BI: „Sodann möchten wir darauf hinweisen, dass die Stadtverwaltung die Öffentlichkeit vor Ort zu keinem Zeitpunkt über die Pläne informiert hat. Von dem zugrundeliegenden Wohnbauflächenprogramm haben wir durch Zufall erfahren und uns unmittelbar danach mit der Thematik auseinandergesetzt.“

Verwaltung und Investor führten im Juni 2019 einen gemeinsamen Workshop zur städtebaulichen Entwicklung des Vorhabens durch. Die Initiative erfuhr aus dem Planungsamt, dass der Vorentwurf als erste Grundlage für die Vorlage an die politischen Gremien und für die Diskussion mit der Öffentlichkeit diene. Im Rahmen einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung solle das so erarbeitete städtebauliche Konzept vorgestellt und erläutert werden. Aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie wurde entschieden, die Öffentlichkeitsbeteiligung zu verschieben. Vor Oktober 2020 sei nicht damit zu rechnen.

Rat soll Bürgerversammlung fordern

Der Rat sollte nach Ansicht der Nachbarn bereits in der Sitzung am 27. August die Verwaltung auffordern, unverzüglich eine Bürgerversammlung in Linden durchzuführen, in der die Bürgerschaft über den Stand der Planung und über die Ausgestaltung einer über die gesetzlich vorgesehene Beteiligung hinausgehende Mitwirkung der Bürgerschaft informiert wird. „Auch unter Corona-Bedingungen kann Bürgerbeteiligung durchgeführt werden.“

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