Neubaugebiet

Anwohner kritisieren Neubaugebiet am Ruhrort in Dahlhausen

Den Pächtern des Grabelandes neben Dr. C. Otto (Schornstein) wurde bereits gekündigt

Den Pächtern des Grabelandes neben Dr. C. Otto (Schornstein) wurde bereits gekündigt

Foto: Gernot Noelle

Dahlhausen.   Anwohner nutzen Bürgerversammlung, um ihren Unmut über das geplante Neubaugebiet vor ihrer Tür kund zu tun. Stadt und Politik wollen reagieren.

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Am Ruhrort in Dahlhausen herrscht Redebedarf. Das wird bei der Bürgerversammlung im Amtshaus Weitmar schnell deutlich. Rund 60 Anwohner sind gekommen, um sich zu informieren, aber auch, um Stellung zu beziehen. Zweieinhalb Stunden wird über das geplante Neubaugebiet auf dem Grabeland nördlich der Dr.-C.-Otto-Straße diskutiert, teils sehr emotional. Denn die Anwohner vom Ruhrort sehen mit der Wohnbebauung vor ihrer Haustür Probleme auf sich zukommen.

Worum geht es?

Die Wilma Immobilien AG will am Ruhrort auf einer Fläche von 2,6 Hektar 64 Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser bauen. Der Kauf des Grabelandes von Dr. C. Otto ist laut Andreas Häcker (Wilma-Bau) nur noch Formsache. Für dieses Bauvorhaben wurde der Bebauungsplan 997 aufgestellt. In diesem planungsrechtlichen Verfahren ist auch eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit vorgeschrieben. Hier werden alle Anregungen der Bürger protokolliert und anschließend geprüft. Viele Anwohner nutzen die Bürgerversammlung, um Kritik zu üben:

1. Zu viel Verkehr

Die Zufahrt zum Neubaugebiet soll – Stand jetzt – über den Ruhrort erfolgen. Dafür sei die Straße nach Meinung vieler Anwohner aber nicht ausgelegt. Es herrsche schon jetzt gerade zu Stoßzeiten Chaos und allgemein hoher Parkdruck. Auch der Bus habe oft Schwierigkeiten, durchzukommen. Mit den neuen Nachbarn, so die Prognose der Anwohner, werde sich die Verkehrssituation noch verschärfen. Andreas Häcker hält der Kritik ein Verkehrsgutachten entgegen. Laut Verkehrszählung und -prognose könne die Straße demnach den Verkehr bewältigen.

Dem Vorschlag der Anwohner, das Neubaugebiet über die Dr.-C.-Otto-Straße anzubinden, erteilt Häcker eine Absage: Ginge theoretisch, sei aber technisch nicht sinnvoll. Zudem müssten weitere Flächen von Dr. C. Otto gekauft werden. Rückendeckung erhält Häcker von Stadtplaner Gerhard Schulz: „Dann gäbe es mit der Kreuzung Dr.-C.-Otto-Straße/Am Ruhrort, der Zufahrt zum Wohngebiet und der Firmenzufahrt Dr. C. Otto drei Knotenpunkte kurz hintereinander – das sehe ich kritisch.“

2. Kreuzung reicht nicht aus

Zweifel haben viele Anwohner, ob die Kreuzung Dr.-C.-Otto-Straße/Am Ruhrort dem Verkehr gewachsen ist. Dieser käme ja inklusive dem gegenüber liegenden Ruhrauenpark (auch Wilma-Bau) aus vier Richtungen. Die Bezirksvertretung Südwest setzt sich für eine Ampel dort ein. Häcker bringt wieder das Verkehrsgutachten ins Spiel, demnach „sollte der Knotenpunkt den Verkehr bewältigen können“. Viele zweifeln dies an. Stadtplaner Klaus Kleine verspricht: „Es werden noch sehr viele Fachleute auf die Planungen gucken, auch auf das Verkehrsgutachten.“

3. Gefahr bei Starkregen

Weil für das Neubaugebiet zwei Meter hoch Boden aufgeschüttet wird und das Gelände dadurch höher liegt als die umliegenden Grundstücke, fürchten Anwohner Probleme bei Starkregen, weil die Wassermassen in ihre Richtung abfließen könnten. Häcker versichert, dass das Wasser auf dem Areal versickert und verweist auf viele eingeplante Grünflächen. 60 Prozent der Fläche seien nicht versiegelt.

4. Gesamtbild erhalten

Viele Nachbarn befürchten, dass sich die neuen Häuser nicht in das Gesamtbild der unter Denkmalschutz stehenden Siedlung einschmiegen. Auch der Lichteinfall auf eigene Grundstücke könne sich verändern. Klaus Kleine vom Stadtplanungsamt betont, dass die Gestaltung noch nicht festgelegt ist. Ohnehin sei man ganz am Anfang des Bebauungsplan-Verfahrens und habe noch keine komplett ausgefertigte Planung. „Umso wichtiger sind die Hinweise hier, die wir mitnehmen und prüfen.“

Darauf will auch Bezirksbürgermeister Marc Gräf (SPD) im weiteren Planungsverlauf achten. „Einige Kritikpunkte der Anwohner kann ich gut verstehen, wie die Zufahrt vom Ruhrort aus. Das ist ein Knackpunkt. Aber es ist ja noch nichts in Stein gemeißelt. Da müssen die Stadtplaner noch richtig viel arbeiten.“

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