Bürgerinitiativen

Anwohner kämpfen für das Pantoffelgrün vor ihrer Haustür

Anwohner in Hiltrop haben sich „Interessengemeinschaft für den Erhalt der landwirtschaftlich genutzten Fläche Schulte-Hiltrop-Straße“ zusammengetan. Der Spazierweg und die Ackerfläche sind dort sehr beliebt. Foto:Dietmar Wäsche

Anwohner in Hiltrop haben sich „Interessengemeinschaft für den Erhalt der landwirtschaftlich genutzten Fläche Schulte-Hiltrop-Straße“ zusammengetan. Der Spazierweg und die Ackerfläche sind dort sehr beliebt. Foto:Dietmar Wäsche

Bochum.   In Bochum-Hiltrop haben sich Bürger formiert, um die Wohnbebauung von Ackerflächen zu verhindern. Sie wollen mit anderen Initiativen kooperieren.

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Auf dem Acker an der Schulte-Hiltrop-Straße wurde zuletzt Mais angebaut, demnächst könnte Weizen folgen. Die Anwohner haben aber Sorge, dass die Fruchtfolge bald so lauten wird: Mais-Weizen-Bauland.

„Hände weg von Hiltrops Grüner Lunge!“ hieß es am Freitag auf dem Spazierweg um die drei Hektar große Ackerfläche im Privatbesitz. „Im Alltag sehe ich hier viele Spaziergänger und Radfahrer. Das Gebiet wird stärker genutzt als der Hiltroper Park“, sagt Anwohner André Schmidt. Er ist Mitgründer der neuen „Interessengemeinschaft für den Erhalt der landwirtschaftlich genutzten Fläche Schulte-Hiltrop-Straße“.

Sie will sich jetzt mit anderen Bürgerinitiativen mit jeweils genau dem gleichen Anliegen zu einem Bündnis zusammentun, um die Natur- und Erholungsflächen vor der eigenen Haustür zu retten. Auch sie wollen verhindern, dass neue Wohnprojekte das so genannte „Pantoffelgrün“ plattmachen.

800 neue Wohneinheiten im ganzen Stadtgebiet

Es geht um die Initiativen „Im Haarmannsbusch“, „Pro Reimerts Feld“ in Steinkuhl, „Werner Feld“ und Baumhofstraße in Wiemelhausen. Bereits im Oktober will sich die IG Hiltrop mit den anderen zusammensetzen und beraten, wie man geneinsam und dann mit stärkerer Bürgerstimme vorgeht. Dazu könnte auch Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke eingeladen werden, wird überlegt. Die IG Schulte-Hiltrop-Straße hat schon 200 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt und will spezielle T-Shirts entwerfen.

Aus der WAZ haben die Anwohner im Juli erfahren, dass die Bezirksvertretung Nord dem städtischen „Wohnbauflächenprogramm“ zugestimmt hat. Das Programm sieht jährlich 800 neue Wohneinheiten im ganzen Stadtgebiet vor, auf insgesamt 95,8 Hektar. Der Acker in Hiltrop ist eine von 30 „mittelfristigen Potenzialflächen“, die die Stadt im Auge hat. Ab 2021 könnten die Bagger anrücken.

Das aber würde für Walter Fischer von der IG in Hiltrop ein schwerer Einschnitt auch für die Tiere sein: „Wir haben hier Vogelarten von A bis Z. Von Amsel bis Zaunkönig. Die Lebensräume werden alle zerstört.“

Gefahr von Überschwemmungen

Ein weiteres Mitglied der IG befürchtet eine wachsende „Überschwemmungsproblematik“, wenn noch mehr versiegelt würde. „Obwohl wir am Berg liegen, haben wir die Keller voll.“

Auch der Dorfcharakter sei bedroht, die Identität. Ebenso das rein Zwischenmenschliche ist ein Thema: Es gebe, sagt Nadja Zein-Draeger, auch eine „soziale Wertigkeit“ der Freifläche. Die Bevölkerung hänge einfach an ihr. Nadja Zein-Draeger kommt von der Initiative „Werner Feld“, die dieselben Befürchtungen hat wie in Hiltrop. Neue Wohnungen könnten auch im bereits vorhandenen Bestand entwickelt werden, sagte sie.

Bereits am Donnerstag (27.) könnte der Rat das Wohnbauflächen-Programm beschließen. Anwohner Hermann Schulte-Hiltrop: „Wir appellieren an die Ratsmitglieder, die Öffentlichkeit zu informieren und zu beteiligen.“

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