Bühne

Anselm Weber gibt im Schauspielhaus Bochum die Schlüssel ab

Das war’s: Intendant Anselm Weber am Samstagabend im Kreise seiner Schauspieler, die gemeinsam mit ihm nach Frankfurt wechseln.

Foto: Dietmar Wäsche

Das war’s: Intendant Anselm Weber am Samstagabend im Kreise seiner Schauspieler, die gemeinsam mit ihm nach Frankfurt wechseln. Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Nach sieben Jahren wird der Intendant mit stehenden Ovationen verabschiedet. Rosen, Tränen und eine rauschende Party im Innenhof des Theaters.

Jetzt hat sich Joe Keller also ein letztes Mal erschossen: Mit der finalen Vorstellung des Arthur-Miller-Dramas „Alle meine Söhne“ ist die Intendanz von Anselm Weber am Samstagabend im Schauspielhaus zu Ende gegangen. Zum Abschied gibt es rührende Szenen: Stehende Ovationen im ausverkauften Haus, Rosen, viele Tränen auf der Bühne und ein sichtlich bewegter Theaterchef, dem sein Weggang nach Frankfurt offensichtlich nicht leicht fällt.

„Es war eine intensive Zeit im schönsten Theater, in dem ich jemals gearbeitet habe“, sagt Weber zu seinen Mitarbeitern auf der großen Abschiedsparty im Innenhof des Schauspielhauses. „Passt gut auf euch auf. Und wenn ihr Hilfe braucht, dann ruft mich an.“

Fast alle Aufführungen sind ausverkauft

Bereits seit einige Tagen ist das nahende Ende von Weber siebenjähriger Amtszeit an der Königsallee deutlich zu spüren. Fast jede Vorstellung auf dem Spielplan ist mit „Zum letzten Mal“ ausgeflaggt. Das ist der Zauber der Einmaligkeit, den es so wohl nur im Theater gibt. Und das Bochumer Publikum zieht mit: Nahezu sämtliche Aufführungen kurz vor Spielzeitende sind ausverkauft.

Die Sommerferien besonders verdient hat sich dabei der Schauspieler Nils Kreutinger. Vor zehn Tagen mit dem Theaterpreis in der Kategorie „Nachwuchs“ ausgezeichnet, spielt der 31-Jährige seither Abend für Abend auf allen Bühnen des Hauses. Ob in „Romeo und Julia“, im „Zerbrochnen Krug“, in „Waisen“ oder in „Alle meine Söhne“: Er ist immer mittendrin.

Drei-Personen-Drama „Waisen“ gefeiert

Die letzte Vorstellung von „Waisen“ am Mittwoch im Theater unten gerät zu einem nachdrücklichen Erlebnis. Das Drei-Personen-Drama gehört zu den stärksten Abenden, die in dem kleinen Theaterkeller seit langem zu sehen waren. Riesiger Jubel und Rosen für die Darsteller, die der Freundeskreis des Theaters bei jeder letzten Vorstellung spendiert.

So auch bei „Romeo und Julia“: Auf die riesige Wand, die im Mittelpunkt der gewitzten Shakespeare-Aneignung steht, malen die Schauspieler „Danke, Bochum!“. Besonders emotional gerät tags drauf der Abschied von „Der zerbrochne Krug“: Nach über 40 Vorstellungen „Tschüss“ zu sagen, fällt nicht leicht. „Es haben wirklich alle geweint“, erzählt Olaf Kröck, der die Geschicke des Schauspielhauses in der kommenden Spielzeit als Interims-Intendant leiten wird. „Auf der Bühne und im Saal auch.“

Beim Schlussapplaus für „Alle meine Söhne“ am Samstag liegen sich dann all jene Schauspieler in den Armen, die Bochum Richtung Frankfurt verlassen werden. Darunter auch Luana Velis und Matthias Redlhammer, die in dem Stück gar nicht mitspielen, aber extra auf die Bühne geholt werden.

Eine Fahne als Abschiedsgeschenk

Im Anschluss wird tüchtig gefeiert: Im Innenhof findet eine Party für die Mitarbeiter des Hauses statt, öffentlich zugänglich ist die Feier nicht. Bei Bier, Würstchen und viel Musik gibt es auch Abschiedsgeschenke. Eine Fahne vom Dach, ein Bild des Schauspielhauses für Webers neues Büro – und ein indisches Sitzkissen aus „Weekend im Paradies“ für seine Tochter. Und Weber gibt seine Schlüssel ab: „Hier ist der Generalschlüssel, der andere ist fürs Büro“, sagt er zu Olaf Kröck. „Mach was draus!“

>>> Wenn die Theaterchefs gehen...

Die Abschiede der Intendanten gerieten oft emotional. Legendär: Leander Haußmann ließ im Jahr 2000 den „Alabama Song“ von den Doors mit der Textzeile „Show me the way to the next whisky bar“ spielen.

Fünf Jahre später ließ Matthias Hartmann beim Schlussapplaus den eisernen Vorhang nieder. Danach: Feuerwerk!

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