Mysteriöser Kriminalfall

Bochum: Vermisste Anita S.: Anwalt des Verdächtigen spricht

Mit einem Leichenspürhund (Rasse: Malinois) hatte die Polizei bereits am 20. Dezember 2019 von einem Boot aus. auf dem Kemnader See in Bochum nach Anita S. gesucht.

Mit einem Leichenspürhund (Rasse: Malinois) hatte die Polizei bereits am 20. Dezember 2019 von einem Boot aus. auf dem Kemnader See in Bochum nach Anita S. gesucht.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Bochum/Wattenscheid/Witten.  Seit Dezember 2019 ist Anita S. aus Bochum verschwunden. Ihr Bekannter soll sie getötet haben. Der bestreitet. Es gab weitere Suchaktionen.

Es ist der schwerwiegendste Fall der vergangenen Monate, den die Bochumer Polizei noch lösen muss. Stichwort: Totschlag ohne Leiche. Es geht um Anita S. aus Wattenscheid-Günnigfeld.

Seit 7. Dezember 2019 wird die 35-Jährige vermisst, aber bisher wurde sie nicht gefunden. Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann und die nach wie vor aktive Mord-Kommission „MK Stausee“ gehen davon, dass die kaufmännische Angestellte gewaltsam zu Tode gekommen und anschließend an einem unbekannten Ort beseitigt worden ist. Vielleicht in der Nähe des Kemnader Sees. Aber sicher ist das nicht. Wie offenbar so vieles nicht in diesem mysteriösen Vermissten- und Kriminalfall.

Beschuldigter aus Witten weist die Vorwürfe vehement zurück

Bachmann erklärte am Montag auf Anfrage, dass es nach zwei großen Suchaktionen im Dezember und im März am Kemnader See bereits weitere kleinere an gleicher Stelle und auch anderswo im Stadtgebiet Bochum gegeben habe, auch im Hunden. Weitere solche Aktionen würden folgen. Ohne den Fund einer Leiche fehlen den Ermittlern wesentliche Erkenntnisse.

Es gibt einen Beschuldigten: ein Bekannter oder Freund der Frau. Der 33-jährige Mann aus Witten bestreitet aber vehement, etwas mit dem rätselhaften Verschwinden zu tun zu haben. Elf Tage lang hatte der nicht vorbestrafte Facharbeiter im Februar in U-Haft gesessen, wurde dann aber vom Amtsgericht Bochum wieder freigelassen. Es gebe zwar einen “Anfangsverdacht“, aber keinen „dringenden Tatverdacht“. Dieser rechtliche Unterschied führte dazu, dass der Haftbefehl wieder aufgehoben wurde.

Zuletzt soll Anita S. aus Wattenscheid mit ihrer Mutter telefoniert haben, bevor sie verschwand

Zuletzt soll Anita S. von dem Beschuldigten in seiner damaligen Wohnung in Witten-Herbede lebend gesehen worden sein. Zuletzt telefoniert haben soll sie am 7. Dezember (Samstag) um 17.20 Uhr mit ihrer Mutter. Danach ist der Kripo kein Lebenszeichen mehr von ihr bekannt.

Dass Anita S. noch lebt, ist nicht auszuschließen. Doch das glaubt Bachmann nicht. Auf welche Weise sie umgekommen sei, sagt er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Verteidiger: Keine Spuren, die auf einen Kampf hindeuten

Verteidigt wird der 33-Jährige von Rechtsanwalt Egbert Schenkel aus Bochum. Anita S. sei schon mehrfach in der Wohnung seines Mandanten gewesen, und so auch über Nacht am 7. Dezember. Was mit der Frau passiert sei, wisse sein Mandant nicht.

„Er hat seine Wohnung eigener Aussage zufolge etwas früher als sie verlassen.“ Er habe draußen allein einen Spaziergang gemacht. Als er zurückgekommen sei, habe er seine Wohnung dunkel und verschlossen vorgefunden. Dass sie schon weg gewesen sei, habe ihn etwas gewundert. In der Wohnung habe die Polizei auch nichts gefunden, was auf einen Kampf oder Ähnliches hindeuten könne.

Die Ermittler werden nicht locker lassen. Und erst aufhören, wenn der Fall geklärt ist. Wann auch immer.

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