Stadtentwicklung

Andor Baltz spricht über die Gründe seines Engagements für Bochum

Firmeninhaber Andor Baltz im Gespräch. Im Hintergrund seine Vorfahren an der Spitze des Modehauses

Firmeninhaber Andor Baltz im Gespräch. Im Hintergrund seine Vorfahren an der Spitze des Modehauses

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.   Mit dem Kauf des Telekom-Blocks bewies das Traditions-Modehaus, dass es durchaus in der Lage ist, seine Interessen auch aktiv zu verfolgen. Im Gespräch erläutert der Firmeninhaber seine Beweggründe und die Perspektiven für die Innenstadt.

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Für viele Beobachter überraschend landete das 1827 gegründete Bochumer Traditionsunternehmen Baltz einen Coup: Mit Wirkung zum Jahresende kaufte Baltz den Telekom-Block im Herzen der City, ein Bestandteil des künftigen Viktoria-Quartiers. Stillschweigen vereinbarten die Vertragspartner über den Kaufpreis, doch über seine Beweggründe für diese Millioneninvestition und die künftige Entwicklung der Einkaufsstadt Bochum sprach Inhaber Andor Baltz (45) mit WAZ-Redakteur Michael Weeke.

Ist die Art und Weise, wie Stadt und Handel den Wettbewerb für dieses Innenstadtquartier organisiert haben, optimal, um zu verhindern, dass im Herzen Bochums ein Mega-Einkaufscenter – Stichwort „Staubsaugereffekt“ – entsteht?

Andor Baltz: Absolut. Die Stadt hat von Anfang an ein geordnetes Verfahren gesteuert. Auch haben IHK und Einzelhandelsverband stets mit einer Stimme gesprochen, es gab einen engen Zusammenschluss und wir wir haben gewarnt, ein großes 30 000-Quadratmeter-Einkaufscenter in die Innenstadt zu setzen.

Was war genau die Befürchtung?

Baltz: Das hätte zu einer starken Frequenzverschiebung geführt und natürlich mittelfristig auch zum Wegzug einzelner Geschäfte. Daher entstand im Moderationsprozess auch die Festlegung auf die Obergrenze von 20 000 m² Verkaufsfläche und eine offene Bauweise. Wir wollten keinen geschlossenen Block à la „Limbecker Platz“.

„Wir haben eine andere Verbindung zur Stadt als ein reiner Investor“

Teilen Sie die jetzt geäußerte Kritik, warum nur zwei Interessenten im Verfahren übrig geblieben sind?

Baltz: Nein, wir brauchen doch nur einen guten Entwurf. Das ist doch genau das Spannende, ob es am Freitag ein solches Konzept gibt, von dem alle sagen: Mensch, das ist es, das bringt die Innenstadt weiter.

Ist es da ein Faustpfand, dass Baltz nun mit dem Telekomblock ganz unmittelbar beteiligt ist. Wie schätzen sie das ein?

Baltz: Wir haben als Bochumer eine andere Verbindung zur Stadt als ein reiner Investor. Wir sehen diese Fläche nicht isoliert, wie das vielleicht ein auswärtiges Unternehmen tut, der nur auf die optimale Rendite schielt. Wir haben Verantwortung für die Stadt – und dass in der Summe etwas aus dem Grundstück wird. Wir sind nicht etwa an der letzten Rendite interessiert. Wir sind jemand, mit dem man sprechen kann. Ich stelle mir am Ende einen großen Runden Tisch vor. Alle dann vier Akteure müssen sich zusammensetzen. Nicht zu vergessen ist dabei, dass die ECE (der Teile des alten Schlegel-Geländes mit Bebauung etwa EGR-Haus gehören, Anm. d. Red.) als Eigentümer mit im Boot sitzt.

Sind Alleingänge vorstellbar?

Baltz: Nein, das geht nur mit der Stadt. Ich sage noch einmal ganz deutlich, wir wollen nicht blockieren. Aber wir brauchen natürlich Baurecht, um dort etwas zu ändern.

Was ist jetzt wünschenswert?

Baltz: Es sollte ja nicht nur Handel dort kommen. Für uns war das immer eine Mischfläche. Ich könnte mir etwa auch altengerechtes Wohnen dort vorstellen. Zudem darf man ja nicht vergessen, dass jetzt gerade der Ruhrpark erweitert wird. Das betrifft zwar nicht die Gesamtfläche, aber dafür gibt es ein größeres Spektrum dort vertretener Geschäfte, die innenstadtrelevant sind.

Was braucht die Innenstadt?

Schwer zu beantworten. Ich kann nur sagen, für mich müsste es eine Angebotsergänzung geben, keine Duplizierung. Denn wir wollen ja neue Leute nach Bochum bekommen. Der Markt verändert sich durch die demografische Entwicklung und durch den wachsenden Online-Handel. Wir werden immer weniger Anwohner haben (2015 sind für Bochum etwa 361.000 Bewohner prognostiziert, 2008 waren es noch rund 10.000 mehr., d. Red.).

„Investoren gehen heute anders vor, als noch vor einigen Jahren“ 

Stichwort Online-Handel – immer mehr Unternehmen entdecken diesen Markt für sich. Bislang hält das Haus Baltz sich zurück?

Baltz: Es stimmt, wir sind da zur Zeit nicht aktiv, das ist kein Thema. Wir beobachten diese Entwicklung natürlich genau konzentrieren uns aber auf den stationären Verkauf. Das Internet nutzen wir natürlich etwa mit unserer Homepage oder aber mit einem eigenen Facebook-Auftritt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass der Markt sich verändert hat. Verändert auch seit dem Beginn des Prozesses zum Einkaufszentrum. Investoren gehen heute anders vor, als noch vor einigen Jahren.

Sehen sie Probleme durch diesen Prozess?

Baltz: Es gibt halt keine Exklusivität mehr. Es ist ein neuer Wettbewerb aufgetaucht. Der Kunde fragt sich dann, kaufe ich dort oder dort.

Wo liegt in diesem Wettbewerb die Stärke eines Hauses wie Baltz?

Baltz: Unsere Stärke ist und bleibt die Beratung durch unsere Mitarbeiter, die Qualität unserer Waren und natürlich die Auswahl. Handel gibt es seit Tausenden von Jahren. Kurz: Sie haben eine Ware, sie tauschen die und da steht jemand, der freundlich ist. Dieses Prinzip gilt bis heute fort.

Es gibt Leute, die kritisieren, im aktuellen Prozess kämen die Interessen kleinerer Einzelhändler im Vergleich zu den Großen zu kurz?

Baltz: Ich bin froh, dass Einzelhandelsverband oder IHK dem Handel eine Stimme gibt. Ich finde es vielmehr schade, dass sich einige Händler nirgendwo engagieren, weder in einer Werbegemeinschaft noch sonst wo.

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