Sicherheit: Folge 2

Als Türsteher im Club sind Ruhe und Besonnenheit gefragt

Lars Eisermann (hier bei der Ü-40-Party zu Ostern) ist seit neun Jahren Türsteher in der Zeche.

Foto: Dietmar Wäsche

Lars Eisermann (hier bei der Ü-40-Party zu Ostern) ist seit neun Jahren Türsteher in der Zeche. Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Auf Straßen und im Nachtleben dürfen sich die Bochumer weitgehend sicher fühlen, betont die Polizei. In der Zeche sorgen dafür auch Türsteher.

Zeche. Kurz vor acht. Lars Eisermann postiert sich am Stehtisch zwischen Eingang und Kasse. „Wird entspannt heute“, sagt der 47-Jährige und blickt gelassen auf die Besucher, die draußen auf den Einlass warten. Ü-40-Party. Angenehmes Publikum. Da sind die Türsteher meist nur als Begrüßungskomitee gefragt. Das ist nicht immer so. In der Zeche ebenso wie in den anderen Clubs der Stadt.

„Wie sicher ist Bochum?“, fragt die WAZ. Verhältnismäßig sicher, antwortet die Polizei. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank 2016 um ein Drittel. Beim Straßenraub gab es zwar eine Steigerung (siehe „Fakten“ unten). Die Kripo spricht aber von normalen Schwankungen. Auch wenn die Wahrnehmung mitunter eine andere ist: „Das Risiko, dass einem Bürger in der Öffentlichkeit etwas zustößt, war und ist in unserer Stadt denkbar gering“, sagte Hans-Jürgen Hahne (60), Leiter des Innenstadt-Kommissariats, unserer Zeitung.

Vielerorts laufen Bemühungen, den Schutz zu verstärken. Stadt, Polizei, Rettungsdienste und Handel diskutieren aktuell über ein erweitertes Anti-Terror-Konzept für Großveranstaltungen in der City mit Blockaden gegen Lkw-Anschläge, Sperrung von Parkhäusern und der Verbannung des Busverkehrs vom Boulevard während des Weihnachtsmarktes.

Überwachung per Video

Die Video-Überwachung schreitet weiter voran. Zwar noch nicht auf öffentlichen Plätzen: Hier sieht die Polizei derzeit „keine Kriminalitätsbrennpunkte von hinreichender Intensität“. Wohl aber in U-Bahnhöfen, Bussen und Bahnen (Hahne: „Die Bogestra liefert gute Bilder“) sowie im Handel, der seine Geschäftsräume und Fassaden mit Kameras ausgestattet hat.

Für die Sicherheit im Nachtleben sind neben den uniformierten auch zivile Aufpasser im Einsatz. So wie Yasin Süer. „Jede Gaststätte, jeder Club, jede Disco ist darauf bedacht, dass alles friedlich abgeht. Angst, Ausschreitungen und Gewalt sind Gift für das Geschäft“, weiß der 40-Jährige, der sich vor fünf Jahren mit der Securityfirma „Concept S“ selbstständig gemacht hat. Mit seinen Mitarbeitern – allesamt Mini-Nebenjobber – besetzt er u.a. die Tür der Zeche.

Neben einer IHK-Prüfung und einem astreinen Führungszeugnis brauche es als Türsteher Erfahrung und Souveränität, sagt Yasin Süer. Weniger freitags, wenn das ältere Party-Publikum an der Prinz-Regent-Straße feiert. Dafür umso mehr samstags, wenn bis zu 1000 Teenager den Club fluten. Sechs breitschultrige Sicherheitskräfte sind dann im Einsatz. Schlägertypen kann der Chef nicht gebrauchen. Deeskalation ist angesagt, wenn „seekranke“ (sprich: nach dem „Vorglühen“ sturzbetrunkene) Jugendliche auf dicke Hose machen und so gar kein Verständnis für den Tür-Klassiker aufbringen: „Du kommst hier nicht rein.“

Mitunter fliegen auch die Fäuste

„Üble Beschimpfungen, gern als ,Hurensohn’, und Drohungen sind normal“, sagt Yasin Süer. Gerade dann müsse ein Profi ruhig bleiben, besänftigen, „auch mal trösten“. Erst wenn alles Zureden nichts nutzt, seien Taten gefordert. „Dabei bekommt man ab und zu auch mal eine Faust ab. Das muss man in dem Job wegstecken können.“

Lars Eisermann muss sich bei der Ü-40-Osterparty um die Sicherheit nicht sorgen. Die Gäste wollen mit der Classic Night Band feiern, sich nicht fetzen. Eine ruhige Schicht für den Türsteher (Kampfgewicht 115 Kilo). Angst? „Ja klar“, lacht sein Kleiderschrank-Kollege. „Aber nur vor meinem eigenen Spiegelbild.“

>>>>> Straßenraub: die Fakten

Auf Straßen und Plätzen, bei Großveranstaltungen, im Nachtleben: Wer in Bochum unterwegs ist, dürfe sich „weitgehend sicher“ fühlen, betont die Polizei. 200 Raubüberfälle weist die Statistik 2016 aus: 42 mehr als im Vorjahr, aber 54 weniger als noch vor drei Jahren. Heißt: Einen anhaltenden Anstieg von Gewalttaten gibt es nicht.

Weitere Fakten laut Polizei: – Die Räuber sind zwar nicht brutaler und skrupelloser als früher, treten aber immer häufiger in Zweier- oder Dreiergruppen auf. – Senioren und Betrunkene sind die häufigsten Opfer: meist am Wochenende und mittwochs, oft im Schutz der Dunkelheit. – Schwerpunkte sind U-Bahnhöfe, der Bereich um das Bermuda-Dreieck und der Hauptbahnhof. (js)

>>>>> Diese drei Überfälle waren besonders kaltblütig

Die großen Raubüberfälle konnten im vorigen Jahren alle geklärt werden, doch nicht minder kriminell sind die Raubtaten auf Straßen, Wegen oder Plätzen. Die Fallzahlen stiegen zuletzt an. „Da müssen wir aufpassen“, sagte Kripo-Chef Andreas Dickel, als er neulich die Kriminalstatistik 2016 vorstellte.

Auch in diesem Jahr gab es bereits äußerst kaltblütige Überfälle auf Bochumer Straßen und Wegen. Hier drei Beispiele:

– Am Mittag des 17. Februar wurde eine 82-jährige Bochumerin im Hiltroper Park ausgeraubt. Zwei Täter, ihre Mützen tief ins Gesicht gezogen, stießen sie zu Boden. Ein Räuber trat mit dem Fuß auf ihren Oberkörper und drückte sie so zu Boden. Beute: ein bisschen Bares.

– Am 10. März um 5.40 Uhr früh wurde eine Fußgängerin (53) in Altenbochum überfallen. Die Bochumerin ging über die Straße Am Siepen. An der Kreuzung zur Ulmenallee tauchte ein Räuber auf und wollte ihre Tasche wegreißen. Als sich die Frau wehrte, schlug er ihr mehrfach mit der Faust auf den Kopf. Das Opfer musste stationär ins Krankenhaus. Beute: Geld und Handy.

– Am 1. April wurde ebenfalls in Altenbochum eine 58-jährige Bochumerin Opfer eines Straßenraubes. Um 6.15 Uhr ging sie über die Straße Goyer Busch zur Arbeit, als sie von einem Täter auf einen Grünstreifen gezogen wurde. Dort drückte er sie auf die Wiese und raubte eine kleine Summe Geld. Die Frau musste ins Krankenhaus.

Die beiden letzten Taten sind geklärt. Vor einigen Tagen kam ein polizeibekannter Bochumer (19) in U-Haft. Er ist geständig. Die Kripo wirft ihm auch einen Straßenraub am 6. April in Altenbochum vor. Den gibt er nicht zu. (B.Ki.)

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