Gebühren

Alle blechen für wenige: Ärger um Straßenreinigung in Bochum

Die Cramerstraße wird seit 2018 dreimal pro Woche gereinigt. Das ärgert einen Vermieter. Den Müll verursachten nur wenige, aber alle müssten zahlen.

Die Cramerstraße wird seit 2018 dreimal pro Woche gereinigt. Das ärgert einen Vermieter. Den Müll verursachten nur wenige, aber alle müssten zahlen.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   In Bochum gibt’s Ärger um die Reinigungsgebühren. Eine Straße wird nun dreimal wöchentlich gereinigt. Dabei gebe es nur wenige Müllverursacher.

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Gewohnt gepflegt sieht’s eingangs der Cramerstraße aus. Halbwegs sauber ist es auch an ihrem Ende, wo der Müll lange Zeit zum Himmel stank. Damit ist es weitgehend vorbei. Doch den Preis zahlten alle Anlieger, sagt Michael Andrae und klagt: „Wegen einiger weniger Verursacher wird eine komplette Straße zur Kasse gebeten.“

Der 64-Jährige vermietet sechs Wohnungen im Haus Nummer 3. Dreck und Unrat waren anfangs kein Problem. „Wir waren der untersten Reinigungsstufe 1 zugeordnet“, berichtet Michael Andrae. Heißt: Die Putztrupps des USB rückten einmal pro Woche an.

Beschwerden zogen Gebührenerhöhung nach sich

Doch alsbald wurde die Cramerstraße zur „Problemstraße“, wie es beim USB heißt. Beschwerden über Verunreinigungen häuften sich. Aus Reinigungsstufe 1 wurde 2 – mit entsprechend höheren Straßenreinigungsgebühren, die die Mieter mit ihren Nebenkosten zu berappen haben.

2018 erfolgte die nächste Höherstufung. Seither steuert der USB dreimal pro Woche die Cramerstraße an. Statt 278,54 stellte die Stadt für das Haus Nummer 3 dafür 432,63 Euro in Rechnung. „Ein Anstieg um 55,8 Prozent“, zürnt Michael Andrae. „Und das wegen Müll, der allein am anderen Ende der Straße entsteht und mitunter aus den Fenstern geworfen wird.“

Schwerpunkte beim Müllaufkommen

Tatsächlich seien an der Cramerstraße „Schwerpunkte“ beim Müllaufkommen auszumachen, bestätigt Stadtsprecher Peter van Dyk auf Anfrage. Immer wieder habe es – wie im gesamten Wohngebiet im Stadtteil Kruppwerke – Beschwerden gegeben, sodass zunächst die Bezirksvertretung, dann der Rat die Höherstufung nicht nur für die Cramerstraße, sondern auch für die Eugen- und Normannenstraße beschlossen haben.

Laut Stadt gibt es jährlich rund 20 Umwidmungen, „in der Mehrzahl als Rückstufungen“. Eine Aufteilung der Cramerstraße in verschiedene Reinigungsstufen sei dabei nicht möglich. Das könne weder der USB logistisch, noch die Stadt bei den Abrechnungen stemmen. Ausnahmen gebe es nur bei kilometerlangen Hauptverkehrsstraßen, etwa der Hattinger Straße.

23,55 Euro pro laufendem Meter

Michael Andrae fehlt dafür jedes Verständnis. „Ungerecht“ findet er die Vereinheitlichung. „Es gibt doch städtische Müllinspektoren, die ganz einfach und auch offiziell ermitteln könnten, woher hier der Abfall stammt. So aber müssen alle bluten“: aktuell mit 23,55 Euro Reinigungsgebühren pro laufendem Meter. Bei zwei Einsätzen wöchentlich wären es 15,70 Euro.

Wenig tröstlich dürfte für Michael Andrae ein Hinweis des Umwelt- und Grünflächenamtes sein. Auch für ihn als Vermieter biete die regelmäßige Straßenreinigung einen Vorteil. Ein verschmutztes Viertel könnte ansonsten „gute Mieter abhalten, dorthin zu ziehen oder veranlassen, wegzuziehen“.

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