Urteil

Abrechnungsbetrug: Ärztin erneut zu Haftstrafe verurteilt

Zahlreiche Pflegeleistungen hat die Angeklagte den Krankenkassen ın Rechnung gestellt, die in Wirklichkeit gar nicht geleistet worden sind. Hier ein Symbolfoto. Foto:Angelika Warmuth/dpa

Zahlreiche Pflegeleistungen hat die Angeklagte den Krankenkassen ın Rechnung gestellt, die in Wirklichkeit gar nicht geleistet worden sind. Hier ein Symbolfoto. Foto:Angelika Warmuth/dpa

Bochum.  Eine vorbestrafte Ärztin (51) ist wegen Abrechnungsbetruges zu Haft verurteilt worden. Sie hatte als Pflegedienstleiterin falsch abgerechnet.

Diese Medizinerin scheint völlig unbelehrbar zu sein. Bereits zweimal wurde sie wegen Abrechnungsbetruges verurteilt, trotzdem trieb sie ihr Unwesen offenbar völlig unbeeindruckt weiter. Am Dienstag wurde die 51-jährige Bochumerin vom Amtsgericht erneut verurteilt, diesmal zu einem Jahr Haft.

Die Angeklagte hatte ihr medizinisches Staatsexamen mit der Note 1,0 absolviert. Im Bochumer Osten arbeitete sie später als Mitbetreiberin einer Praxis. Weil sie dort aber massenhaft durch falsche Abrechnungen die Krankenkassen und Sozialämter betrog, indem sie gar nicht erbrachte Leistungen abrechnete, wurde sie vom Landgericht im August 2015 zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Gericht bestrafte sie für 146 Fälle mit 105 000 Euro Schaden. Der damalige Richter attestierte ihr ein Maß an krimineller Energie, das nur den Schluss zulasse, dass sie eine rechtsfeindliche Gesinnung habe.

Beide Vorstrafen schlug die Angeklagte in den Wind

Selbst als sie wegen der laufenden Ermittlungen ihre kassenärztliche Zulassung und ihre Approbation verloren hatte, arbeitete sie als Ärztin weiter. Bereits 2010 war sie wegen Gaunereien mit Abrechnungen zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Schaden damals: 287 000 Euro.

Doch beide Strafen schlug die Frau in den Wind. Die Zeit zwischen der Verkündung des Urteils 2015 und der Ladung zum Haftantritt nutzte die Frau, um schon wieder die Krankenkassen zu betrügen. Diesmal arbeitete sie als Pflegedienstleiterin im Bochumer Osten. In den Frühjahrsmonaten 2016 rechnete sie erneut Leistungen an zahlreichen Pflege-Patienten ab, die gar nicht oder nur teilweise erbracht worden sind. Den Krankenkassen entstand diesmal ein Schaden in Höhe von insgesamt 12 215 Euro. Aufgeflogen waren diese Machenschaften, nachdem sich eigene Mitarbeiter wegen Unregelmäßigkeiten an die Kassen gewendet hatten.

Die Taten waren „absoluter Mist“

„Es tut mir wirklich ganz, ganz leid“, sagte die Angeklagte am Dienstag vor Gericht, wo sie – in Strafprozessen völlig unüblich – mit auffallend rotem Lippenstift erschien. Sie ist komplett geständig.

Seit elf Monaten sitzt sie mittlerweile in Haft, weil zurzeit die dreijährige Haftstrafe von 2015 vollstreckt wird. Im Gefängnis, sagte ihr Verteidiger, sei es für sie „absolut ätzend“. Trotzdem werfe sie sich „in den Staub“, weil es „absoluter Mist“ gewesen sei, was sie getan habe.

Ermittelt wird auch gegen ihren Ehemann, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Auch er ist Arzt und steht unter dem Verdacht des Abrechnungsbetruges. Bereits im Prozess 2015 saß er mit auf der Anklagebank. Sein Verfahren wurde damals aber gegen die Zahlung von 50 000 Euro eingestellt.

>>> AOK-Spezialisten kämpfen gegen Abrechnungsbetrug

Krankenkassen gehen systematisch gegen Abrechnungsbetrug vor. Etwa die AOK Nordwest.

Seit 2010 hat sie einen S tabsbereich mit sieben Mitarbeitern „zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen“.

Aktuell verfolgt das Team mehr als 800 Fälle. Allein seit 2014 holten die Spezialisten mehrere Millionen Euro zurück. Dabei handele es sich um Einzelfälle, so die AOK. Ein genereller Rückschluss auf Fehlverhalten in einzelnen Bereichen lasse sich nicht ableiten

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