Klima-Demo

8000 Menschen gehen in Bochum für das Klima auf die Straße

Selten war der Dr.-Ruer-Platz bei einer Demonstration derart voller Menschen.

Selten war der Dr.-Ruer-Platz bei einer Demonstration derart voller Menschen.

Foto: Sabine Raupach-Strohmann

Bochum.  8000 Menschen sind in Bochum auf der Straße um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Die größte von Schülern organisierte Demo jemals in Bochum.

Es war die größte von Schülern organisierte Demo, die es jemals in Bochum gab. Rund 8000 Menschen waren nach Schätzungen der Polizei auf der Straße. Die letzte Demo mit ähnlichem Ausmaß fand bei den Protesten gegen die Schließung des Opelwerks statt.

Die junge Bochumer Bewegung von „Fridays for Future“ hat am Freitagmittag mehrere tausend Menschen zum „Klimastreik“ mobilisiert. Und keineswegs kamen nur Gleichaltrige. Vier Generationen versammelten sich auf dem Dr.Ruer-Platz.

„Wie sind hier! Wir sind laut. Weil ihr uns die Zukunft klaut!“ skandieren Teilnehmer, als sie gegen 12.30 Uhr zu einem Demo-Zug rund um die Innenstadt ziehen. Es ist einer der Leitsätze der ganzen nationalen Bewegung. Es sind so viele Menschen, dass es eine halbe Stunde dauerte, bis der Dr. Ruer-Platz leer ist.

Schüler bauen Galgen mit der Erde und einem Eisbären am Strick

Schüler, Geschäftsleute, Banker, Lehrer, Rechtsanwälte, Privatleute, ganze Familien – alle sind gekommen, um der Öffentlichkeit machtvoll zu demonstrieren, dass das Klima auf der Erde in größter Gefahr ist. Mitten in der Menge stehen auch die Matthias-Claudius-Schüler der Stufe 11 Benjamin Schulte, Lasse Winter und Jakob Robrecht. Sie haben im Erdkunde-Unterricht einen Galgen aus Holz mit der Erdkugel am Strick gebastelt. An einem weiteren Galgen baumelt ein hilfloser Eisbär.

Vom Alice-Salomon-Berufskolleg sind 600 Schüler zur Demo erschienen. Mit Erlaubnis der Schulleitung.

Gekommen ist auch Regina Junge mit ihrer ganzen Familie. Die Großmutter zur WAZ: „Wir finden das unheimlich toll, dass junge Leute auf die Straße gehen für den Umweltschutz.“ Ihre Tochter Lisa Kaszik: „Unsere Kinder gehen heute nicht zur Schule, weil Umweltschutz wichtiger ist als ein Tag Unterricht. Wenn jeder so denken würde, würde sich auch etwas bewegen. Je mehr kommen, desto größer ist die Hoffnung, dass sich etwas verändert.“

Der Großvater der Familie, Peter Junge, sagt: „Es ist ein Unding. Die Politik sagt: Wir kümmern uns um die Umwelt, verbietet es aber, dass die Kinder hier hingehen.“ Demo-Zeit ist gleichzeitig Schulzeit.

„Make the Planet Greta again“

Während einige Schulen ihren Schülern Fehlstunden für die Teilnahme an der Demo notieren, wird sie für den Bio-Leistungskurs der Hildegardisschule zur Pflichtveranstaltung. Der 16-jährige Schüler David kritisiert dies: „Ich bin gerne hier, aber dass Schüler verpflichtend an einer Demonstration teilnehmen sollen, verstößt gegen die Meinungsfreiheit. So etwas schwächt die Bewegung doch nur.“

Viele Schüler haben Transparente für den Klimastreik gebaut. Drei Schülerinnen der Matthias-Claudius-Schule zum Beispiel haben neben einer unter Klimaerwärmung leidenden Erdkugel geschrieben: „Das Wetter ist unregelmäßiger als meine Tage.“

„Die Dinos dachten auch, sie hätten noch Zeit“

Auf anderen, selbst gebauten Transparenten und Pappschildern steht: „Make the Planet Greta again.“ Auf einer anderen Demo-Tafel, die von Senioren in die Höhe gereckt werden, steht: „Omas gegen rechts. Alles fürs Klima. 20.09.2019.“ Wieder woanders ist zu lesen: „Die Dinos dachten auch, sie hätten noch Zeit.“ Oder: „Oma, was ist ein Schneemann?“ Oder: „Für die Zukunft unserer Enkel: Omas für future“.

Der Umzug macht erst am Rathaus, dann an den Stadtwerken einen Rede-Stopp. Dort spricht gegen 14 Uhr die 16-jährige Johanna Hercher von FFF: „Wir sind hier, um mit allen Generationen zu streiken. Nur gemeinsam sind wir stark“, sagte sie in die Menge am Ostring. „Damit Kinder auch in 20 Jahren noch wissen, was eine Biene oder ein Schmetterling ist.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben