Stadtgeschichte

Kraftakt nach dem Krieg: der Bau des Bochumer Hauptbahnhofs

Bochum.   Die Eröffnung des Hauptbahnhofs 1957 war ein historisches Ereignis für Bochum. Eberhard Brand erinnert sich. Er sang beim Festakt im Chor mit.

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Der 6. Juli 1957 war ein schöner Frühlingstag. Eberhard Brand, pensionierter Lehrer der Goethe-Schule und langjähriger Vorsitzender der Kortum-Gesellschaft, weiß es noch genau: „Es herrschte eine helle, sonnige Atmosphäre.“

An besagtem Samstag vor 61 Jahren wurde der Hauptbahnhof eröffnet. Und Brand war als Sänger mit dem Schulchor der Goethe-Schule dabei.

Umbau der Innenstadt abgeschlossen

Die Eröffnung war für Bochum eine große Sache, denn mit dem repräsentativen Hauptbahnhof endete die Neuplanung der zerbombten Innenstadt. Vorbei die Zeit, als die Bochumer von der Bongardstraße – allein die Gaststätte „Mutter Wittig“ war stehen geblieben – über eine plane Fläche bis zum alten Friedhof (heute Kortum-Park) blicken konnten.

Ab 1948 war das von breiten Verkehrsachsen durchzogene neue Bochum mit dem Stadtwerke-Haus, dem Stadtbad, den beiden Berufsschulen und dem Arbeitsamt am Ostring von Grund entstanden. Der hochmoderne Hauptbahnhof setzte das i-Tüpfelchen auf eine ambitionierte Stadtplanung, die bis heute mit dem Namen von Stadtbaurat Clemens Massenberg verbunden ist.

Ratsbeschluss wurde im Jahr 1953 gefasst

Vier Jahre hatte es gedauert, den Bahnhof zu verlegen; 1953 war der Ratsbeschluss gefasst, 1955 der Grundstein gelegt worden. Gebäude, Gleisanlagen, Stellwerke und Güterschuppen wurden vom angestammten Ort nahe dem heutigen Konrad-Adenauer-Platz 650 Meter Luftlinie in Richtung City verlegt. Ein baulicher und logistischer Aufwand, der 2018 kaum noch vorstellbar scheint.

Damals, im Wiederaufbau, ging das. Und die von Heinz Ruhl entworfene Zentralstation wurde als Schmuckstück gefeiert – das langgestreckte Gebäude kann als architektonischer Ausdruck eines sich in rasanter Fahrt befindenden Zuges gesehen werden.

Bahnhof Roma Termini soll Vorbild sein

Vorbild der Vorhalle soll der Bahnhof Roma Termini gewesen sein. Vor allem das 46,5 Meter breite und 24 Meter tiefe, geschwungene Portal mit dem 600 Tonnen schweren „Flügeldach“ aus Beton machte allerorts Eindruck, auch auf Quintaner (6. Klasse) Brand: „Den Eingang fanden wir alle bemerkenswert“, erinnert er sich, „es war ein gestalterischer Kontrapunkt zur einförmigen Neubebauung der Innenstadt.“

Der Chor der Goethe-Schule war damals viel unterwegs. „Unser Musiklehrer war Wilhelm Schürmann“, erzählt Brand, „eine Koryphäe, der auch Jazz-Konzerte in der Aula organisierte.“ Im Bahnhof erklang allerdings deutsches Volksliedgut. „Nun will der Lenz uns grüßen“, so steht’s im WAZ-Bericht von damals.

Brand kann sich gut erinnern, dass alle kleinen Sänger – Mädchen gab es am „Goethe“ noch nicht – zur Erinnerung einen Bildband bekamen: „Es war eine von der Eisenbahnverwaltung herausgegebene, illustrierte Geschichte der Deutschen Bundesbahn, mit persönlicher Widmung.“ Das Buch besitzt er nicht mehr, „leider!“ Er hat es später an einen befreundeten Eisenbahn-Fan weitergegeben.

>> Multimedia-Chronik: Bochum von 1948 bis 2018

Dieser Artikel ist Teil des ProBO-Projektes „70 Jahre WAZ – 70 Jahre Bochum“. Unser Zeitstrahl Bochum70.waz.de bietet zu Nachrichten und Ereignissen, die für Bochum(er) zwischen 1948 und 2018 wichtig waren oder wurden, historische Filmaufnahmen, Fotos und die alten WAZ-Zeitungsseiten zum Durchblättern. Auf dem Spezial können Sie auch eigene Bochumer Stadtgeschichten und Fotos hochladen. Das erste Jahresthema der Multimedia-Chronik: die Gründung der WAZ in Bochum im Jahr 1948.

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