Stadtgeschichte

Kumpanei: Als der Bochumer SPD-Filz riesige Löcher bekam

Kurt Sontheimer übergibt im Frankfurter Römer WAZ-Redakteur Rolf Hartmann den Wächterpreis für dessen Berichterstattung über den Bochumer Filz.

Kurt Sontheimer übergibt im Frankfurter Römer WAZ-Redakteur Rolf Hartmann den Wächterpreis für dessen Berichterstattung über den Bochumer Filz.

Foto: Michael Korte

Bochum.  Für seine Berichte rund um Kumpanei und Vetternwirtschaft in Bochum erhielt WAZ-Redakteur Rolf Hartmann 1992 den Wächterpreis. Ein Rückblick.

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Die Zeiten waren andere. Die Kommunalwahl von 1989 brachte der Bochumer SPD erneut die absolute Mehrheit. Zwar gab es mit 54,1 Prozent einen Rückgang um genau ein Prozent, was die Genossen wenig juckte. Oberbürgermeister Heinz Eikelbeck stand seit 1975 an der Spitze der Stadt – und das sollte so bleiben.

Eigentlich hatte sich die CDU als zweite Kraft eingerichtet in diesem System. Ein wenig fiel stets ab vom Kuchen, seien es Pöstchen oder lukrative Aufträge. Aber die „Sahneteilchen“, ja die schoben sich gern die Sozialdemokraten gegenseitig zu. So mauschelte manch Frustrierter seit Jahren, nur beweisen ließ es sich nicht, zu dicht schien der Filz.

Beispiellose Bochumer Polit-Affäre

Eines Tages erhielt WAZ-Redakteur Rolf Hartmann einen Anruf. Der heute 70-Jährige erinnert sich gut. Es ging da um den Hotelneubau am Hauptbahnhof. Die große Pressekonferenz lag schon ein paar Tage zurück.

Was Hartmann erfuhr, ließ ihn aufhorchen: „Der Anrufer berichtete, der damalige SPD-Ratsherr und Architekt Louis Buderus habe auf einem Fest öffentlich damit geprahlt, er hätte den Auftrag für den Hotelbau weit vor der Entscheidung in der Tasche gehabt.“ Das war der Stein, der eine in der Bochumer Nachkriegsgeschichte beispiellose Polit-Affäre ins Rollen brachte. Hartmann bekam fast täglich neue Hinweise.

Schließlich spielte noch ein Notar eine wichtige Rolle, der Einblicke nahm in mehrere Grundstückgeschäfte. Irgendwie landeten lukrative Baugrundstücke immer wieder bei bestimmten Leuten. Hinzu kamen Handwerksaufträge. Am Ende berichtete der Spiegel: „Finger in allen Töpfen“.

Bochum 1992

"Bochumer Themen" 1992: Bochums „Filzaffäre“, die DüBoDo im Stadtrat, Kruppianer und Stadt demonstrieren gegen Arbeitsplatzabbau bei Krupp-Hoesch.
Bochum 1992

Louis Buderus trat zurück andere kamen mit blauem Auge davon. Beschädigt wurde vor allem die SPD. Bei der übernächsten Ratswahl war die absolute Mehrheit futsch. Für die Entflechtung des Bochumer Filzes erhielt Rolf Hartmann 1992 den renommierten Wächterpreis der Tagespresse.

>> Multimedia-Chronik: Bochum von 1948 bis 2018

Dieser Artikel ist Teil der Serie „70 Jahre WAZ – 70 Jahre Bochum“. Der Zeitstrahl Bochum70.waz.de bietet zu Nachrichten und Ereignissen, die für Bochum(er) zwischen 1948 und 2018 wichtig waren, historische Filmaufnahmen, Fotos und alte WAZ-Zeitungsseiten zum Durchblättern. Auf der Seite können Sie auch eigene Bochumer Stadtgeschichten und Fotos hochladen. Das erste Jahresthema der Multimedia-Chronik: die Gründung der WAZ in Bochum im Jahr 1948.

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