Reinigung

5500 Euro für Teppichreinigung? Justiz sieht keinen Betrug

Immer wieder gibt es Klagen über Wucher bei Teppicheinigungen (hier eine WAZ-Leserin 2013). Nun spricht ein 81-Jähriger Bochumer von Betrug

Immer wieder gibt es Klagen über Wucher bei Teppicheinigungen (hier eine WAZ-Leserin 2013). Nun spricht ein 81-Jähriger Bochumer von Betrug

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Bochum.  81-Jähriger aus Bochum soll 5500 Euro für eine Teppichreinigung zahlen. Das ist Wucher, meint er. Doch der Staatsanwaltschaft sieht keine „Opferlage“.

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„Dummheit muss bestraft werden. Aber ich möchte wenigstens verhindern, dass weitere Menschen Lehrgeld bezahlen.“ Der 81-jährige will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Zu tiefen sitzen Scham und Wut, „offensichtlich über den Tisch gezogen worden zu sein“. Mit der Geschichte seiner Teppichreinigung will der Akademiker gleichwohl warnen. „Denn ich bin sicher: Ich bin kein Einzelfall.“

Teppichreinigungen für mehrere tausend Euro: Immer wieder prangerten WAZ-Leser in den vergangenen Jahren vermeintliche Wucherpreise u.a. von bundesweit agierenden Teppichhändlern an. Die meisten Kunden zahlen und schweigen. Wenige klagen – wie 2013 ein Rentner, der 3200 Euro für die Reinigung von vier Teppichen berappt hatte. Im Zuge eines Vergleichs vor dem Amtsgericht erhielt er 1750 Euro zurück.

Mit Rabattangeboten geworben

Um 5500 Euro ärmer ist seit Juni der 81-jährige Leser: ein belesener, weltweit gefragter Honorarprofessor, der – wie er zugesteht – „in Fragen des Alltags mitunter etwas weltfremd ist“. Nur so sei zu erklären, dass er auf die Offerte eines seinerzeit in Wattenscheid ansässigen „Fachbetriebs für Orientteppiche“ einging. In einem Prospekt hatte der Inhaber für seine „Sommeraktion“ mit Rabattangeboten geworben. „Ich hatte gerade eine Rentennachzahlung bekommen und dachte mir, das Geld sei in der Reinigung meiner zehn Jahre alten, immer top gepflegten Teppiche gut angelegt“, schildert der Leser in seinem Haus in bester 1a-Wohnlage.

2000 Euro bezahlte er in bar für die Reinigung von drei Teppichen, alsbald 3500 Euro für die „Spezialwäsche“ weiterer sechs Teppiche. „Ich hab’ den Leuten vertraut, dachte, die Preise seien angemessen. Erst als ich zufällig einen WAZ-Artikel über Betrügereien bei Teppichreinigungen sah, der in der Teppich-Galerie David am Südring aushängt, erkannte ich, dass ich zu viel bezahlt hatte“ – 3051,79 Euro zuviel, wie er nach Nachfrage bei Experten ausrechnete.

Staatsanwaltschaft lehnt Anzeige ab

Der 81-Jährige schritt zur Tat. Doch: Das Geschäftslokal in Wattenscheid existiert nicht mehr. Seiner Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde nicht stattgegeben. „Eine Opferlage kann ich (...) nicht entnehmen.“ Es sei „keine Schwäche ausgebeutet worden“ und „kein strafrechtlich relevantes Verhalten“ erkennbar, teilen ihm die Ermittler mit.

Der Bochumer hat Beschwerde eingelegt. Er erwägt zudem, zivilrechtlich gegen den Händler vorzugehen. Der zeigt sich gegenüber der WAZ kompromisslos. Bei vier Teppichen habe es „extremen Mottenbefall“ gegeben (was der 81-Jährige energisch bestreitet). Die 5500 Euro seien „mehr als angemessen“, erklärt der Kaufmann. Eine Rückzahlung komme nicht in Betracht.

Kostenvoranschlag und mehrere Angebote einholen

Lassen Sie sich für eine Teppichreinigung einen schriftlichen Kostenvorschlag erstellen und holen sie mehrere Angebote ansässiger Betriebe ein“, empfiehlt Verbraucherberaterin Andrea Thume. Von Haustürgeschäften sei komplett abzuraten.

Weitere kostenpflichtige Reparaturen dürfen nach Abgabe der Teppiche nur nach Rücksprache vorgenommen werden. „Darauf sollte man als Auftraggeber unbedingt bestehen. Wird dennoch ein Zuschlag verlangt, kann man die Zahlung verweigern.“

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