Religion

200 Gläubige sehen Heiligsprechung im Bochumer UCI-Kino

„Mit Gott auf Schalke“: 200 Gläubige schauten sich die Heiligsprechung in Rom 3D im Bochumer UCI-Kino an.

„Mit Gott auf Schalke“: 200 Gläubige schauten sich die Heiligsprechung in Rom 3D im Bochumer UCI-Kino an.

Foto: Ingo Otto

Bochum.   Heiligsprechung mit Nachos, Popcorn und 3D-Brille: Als Erfolg wertet das UCI-Kino in Bochum die Live-Übertragung der historischen Doppel-Heiligsprechung der Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. auf dem Petersplatz in Rom. 200 Gläubige füllten am Sonntag andächtig einen Kinosaal.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Seit 23 Jahren gibt es das UCI im Ruhrpark. Regelmäßig werden neben den aktuellen Filmen auch Höhepunkte aus Rock und Pop, Sport und Klassik (u.a. aus der Met in New York) gezeigt. Doch was sich am Sonntagmorgen ereignete, gab’s noch nie. Eine Direktübertragung vom Petersplatz. Ein Kinosaal gefüllt mit 200 Gläubigen. Allesamt mit schwarzer 3D-Brille auf der Nase. Jugendliche kichernd mit Knabberei und Getränken. Senioren im stillen Gebet versunken.

Drei Generationen vertreten

Um 11 Uhr starten „Rio 2“, „Lego Movie“ und „Vaterfreuden“. „Bibi und Tina“ fällt aus: Das UCI braucht den Saal um 10 Uhr für die Sonderveranstaltung „Vatikan Heiligsprechung“, wie auf der Programmtafel an der Kasse geschrieben steht. „Für uns ist ein Experiment“, sagt Theaterleiter Stefan Hennen. Das UCI hat die deutschen Kino-Rechte an der historischen Doppel-Heiligsprechung der Päpste Johannes Paul II. und Johannes XXIII. erworben. In fünf Lichtspielhäusern wird der feierliche Gottesdienst bei freiem Eintritt dreidimensional auf Großbildleinwand übertragen. Bochum ist das einzige Kino im Ruhrgebiet.

Liturgische Lesungen, Gesänge, Gebete: Der Kinosessel wird zur Kirchenbank. Der Saal ist gut gefüllt. Drei Generationen sind vertreten. „Diesen Zuspruch hatten wir erhofft, aber nicht erwartet“, sagt Stefan Hennen, während in Rom Papst Franziskus vor die Hunderttausenden Gläubigen tritt.

Piotr Wenzel ist eigens aus Haltern angereist. Seit acht Jahren lebt der aus Danzig stammende Schlosser mit seiner Familie im Kreis Recklinghausen. „Für uns, für ganz Polen ist heute ein großer Tag. Dass unser Karol Wojtyla heiliggesprochen wird, erfüllt uns mit großem Stolz“, sagt der 47-Jährige. Seine 15-jährige Tochter Nadja hatte ihm erzählt, dass die Zeremonie im Kino zu sehen ist. „Da gab’s keine Diskussionen mehr. Das ist doch in der Gemeinschaft viel schöner als vor dem Fernseher daheim! Es sind auch noch andere Polen hier.“

Staunen über den 3-D-Effekt

Isetta Monning aus Riemke sitzt mit ihrem zwölfjährigen Neffen Kevin im UCI-Kino: „zum ersten Mal in meinem Leben“. Auch sie sucht das Gemeinschaftsgefühl – und staunt über den 3-D-Effekt. „So’ne Brille kenn ich noch von ganz früher. Aber ist ja kein Vergleich.“

Dass auch Fußball, gerade hier im Revier, eine Religion sein kann, demonstriert Anke Ballhausen. Die Theologin verfolgt die Übertragung im königsblauen Trikot. Aufschrift: „Mit Gott auf Schalke“. Bis zur Heiligsprechung der Knappen dürfte allerdings noch dauern.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben