Arbeitsmarkt

1390 Bewerber für 84 Jobs: Stadt Bochum ist heiß begehrt

Katrin Müller arbeitet in der Pressestelle der Stadt Bochum. Die Jobs dort gehören zu den beliebtesten der Verwaltung.

Katrin Müller arbeitet in der Pressestelle der Stadt Bochum. Die Jobs dort gehören zu den beliebtesten der Verwaltung.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Als Arbeitgeberin ist die Stadt Bochum offensichtlich heiß begehrt. Für 84 Stellen gab es 1390 Bewerber. Nicht alle Jobs sind gleich beliebt.

Arbeitsplätze bei der Stadt Bochum sind gefragt. Auf 84 in diesem Jahr ausgeschriebene Stellen hatten sich bis Mitte August 1390 Personen beworben. In 200 unterschiedlichen Berufen arbeiten bei der Stadtverwaltung rund 6000 Menschen.

Jobs im öffentlichen Dienst gelten als sicher. „Wer keine goldenen Löffel klaut, ist nahezu unkündbar“, frotzelt der Stammtisch. Auch, wer sich im „Konzern“ Stadt, also im „Rathaus“ und bei den städtischen Gesellschaften, ausbilden lässt, hat gute Chancen, übernommen zu werden und Karriere zu machen. Die Verwaltung bildet in 35 Berufen aus.

Bochum Strategie legt Ziele fest

„Wir fördern als Arbeitgeberin Stadt Bochum verstärkt ein hohes Maß an Engagement, Kreativität und Kompetenz sowie Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, heißt es in der „Bochum Strategie“. In diesem Papier beschreibt die Stadt ihre Ziele für das Jahr 2030. Qualifizierte Mitarbeiter werden dringend benötigt, zumal in den kommenden Jahren viele in den Ruhestand gehen.

Im immer größer werdenden Wettbewerb um Mitarbeiter zwischen Städten, anderen Behörden und der Privatwirtschaft spielen längst nicht nur Gehalt und Altersvorsorge eine große Rolle, sondern auch Weiterbildungsangebote und Aufstiegschancen, flexible Arbeitszeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten.

Konzentriertes Arbeiten im Homeoffice

„Im Homeoffice bin ich zeitlich sehr flexibel und kann ganz in Ruhe nachdenken, das ist für mich sehr wichtig“, sagt zum Beispiel Merle May. Die 35-Jährige ist seit Mai 2018 Personalentwicklerin bei der Stadt und arbeitet einen oder auch mal mehrere Tage in der Woche zu Hause.

Schulungen für Nachwuchskräfte müssen konzipiert werden sowie Regeln zum Schreiben für E-Mails oder zum Umgang mit der Flut an Nachrichten, die die Verwaltung erreicht. Konzentration kann bei dieser Arbeit nicht schaden.

Für den Job in Bochum entschieden hat sich die gebürtige Bielefelderin, die zuletzt in Frankfurt arbeitete, „weil das Gesamtpaket stimmte“. Ihren Vertrag bei der Stadt, es gab auch andere Angebote, unterschrieb May erst nach gründlicher Recherche.

Jobs in Bürgerbüro und Presseamt sind begehrt

„Ich wollte zurück nach Nordrhein-Westfalen. Bochum hat mich als Stadt mit ihrem super-breiten Angebot angezogen und die Verwaltung, weil es kaum negative Kritiken im Netz zu lesen gab und die Bochum-Strategie mich überzeugt. Das hat mich richtig geflasht, dass eine Kommune so etwas auf den Weg bringt.“

Besonders begehrt bei der Stadt Bochum sind Jobs in den Bereichen Bürgerbüro, Buchhaltung, Service-Center und Pressearbeit. „Eine geringe Bewerberresonanz verzeichnen wir im Bereich der Informationstechnik sowie in den Berufsgruppen Bauingenieure und Ärzte“, sagt Stadtsprecherin Katrin Müller. Hauptgrund dafür sei der allgemeine Fachkräftemangel. „Ob sich potenzielle Bewerber durch das durch Tarifvertrag festgelegte Gehalt abschrecken lassen, kann gemutmaßt werden. Jedoch stellen wir fest, dass Bewerbern andere Faktoren, Stichwort: Work-Life-Balance, zunehmend wichtiger werden.“

Positive Nachrichten statt Negativschlagzeilen

Müller selbst hat nach einem Studium (Politikwissenschaft und Philosophie) ein Volontariat im Bochumer Presseamt absolviert und ist zum 1. März dieses Jahres übernommen worden. Nach journalistischen Erfahrungen beim Hochschulradio Düsseldorf und Funkhaus Europa gefällt ihr die Arbeit in Bochum, „weil ich hier positive Nachrichten schreiben kann und nicht immer Negativschlagzeilen hinterherlaufen muss“.

Müller beantwortet aber nicht nur Anfragen von Journalisten und schreibt Pressemitteilungen, sondern „verkauft“ die städtischen Nachrichten auch in den Sozialen Medien Twitter und Facebook. Und sie ist als Ansprechpartnerin der Stadt im Netz unterwegs. „Hier kann man Bürgern häufig schnell und unkompliziert helfen. Es kann aber auch belastend sein, weil durch die Anonymität nicht alle immer freundlich sind.“

Müller nutzt die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, bislang nicht. Es sei aber gut zu wissen, dass es möglich sei. „Und sollte ich einmal Kinder haben und es Engpässe bei der Betreuung geben, dann werde ich das sicherlich auch nutzen“, sagt sie.

Der Arbeitsplatz bei der Stadt Bochum macht das problemlos möglich.

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