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Spannender Auftakt zum Balver Bücher Talk in der SoKoLaDe

Buchhändler Andreas Wallentin, die Autorinnen Lisa Keil und Uta Baumeister sowie WP-Redakteur Jürgen Overkott beim Balver Bücher Talk. Für die Gäste gab es allerhand Wissenswertes von den Autoren über ihre Bücher zu erfahren.

Buchhändler Andreas Wallentin, die Autorinnen Lisa Keil und Uta Baumeister sowie WP-Redakteur Jürgen Overkott beim Balver Bücher Talk. Für die Gäste gab es allerhand Wissenswertes von den Autoren über ihre Bücher zu erfahren.

Foto: Thomas Hagemann

Balve.  Nachdenkliches, Witziges, Tragisches: Es gab nichts, was es nicht gab beim Bücher Talk. Heimische Autorinnen plauderten aus dem Nähkästchen.

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Er habe „die Stille hören können“, sagte Moderator Jürgen Overkott zum Abschluss des Balver Bücher-Talks am Samstagabend vor rund 50 Gästen in der bestens besuchten Aula der SoKoLaDe in Langenholthausen. Was der Balver WP-Journalist meinte, war den Anwesenden sofort klar: die Momente atemloser Spannung im Publikum, für die vor allem die beiden heimischen Autorinnen Lisa Keil und Uta Baumeister mit ihren Erzählungen gesorgt hatten. Nachdenkliches, Witziges, Tragisches: Es gab nichts, was es nicht gab an diesem Literatur-Abend.

Alles auf eine Karte gesetzt

Im ersten Teil ging es um die Herzensbücher der Protagonisten, zu denen auch der Mendener Buchhändler Andreas Wallentin zählte. Doch richtig Fahrt nahm der Abend auf, als Lisa Keil ihren Erfolgs-Erstling „Bleib doch, wo ich bin“ vorstellte. Das Werk aus dem großen S. Fischer-Verlag schrammte nur haarscharf an der Spiegel-Bestsellerliste vorbei, wie Overkott bei der Vorstellung erklärte. Es handelt davon, wie die Heldin als überzeugtes Landei ihren Kölner Großstadt-Lover dazu bringt, seinerseits das Landleben zu lieben. Eine ganz wichtige Rolle darin spielt die Eisborner Scheunenparty.

Entwaffnend ehrlich und sehr witzig beschrieb Lisa Keil, was sie überhaupt ans Schreiben dieses Buches gebracht habe: Ihre Arbeit in der Tierarztpraxis sei wenig kreativ, „es sei denn, man näht einen Hundebauch nach der OP herzförmig zu“. Zugleich wollte sie sich „nicht im Haushalt austoben müssen“. Also schrieb sie und setzte danach alles auf eine Karte: „Ich schickte Auszüge an die beste Literatur-Agentin, die überhaupt zu finden war. Und für mich war klar: Entweder nehmen die das, oder ich behalte die Geschichte für alle Zeiten in meiner Schublade.“ Als dann nur zwei Tage später die E-Mail mit der Zusage eintraf, „da hörte ich gerade ein Pferd ab“. Sie sah nach, „und dann musste ich erstmal selbst meinen Puls messen“, schmunzelte Keil. Die Agentin hatte geschrieben, sie sei begeistert und wolle auf der Stelle das gesamte Manuskript.

Greifbare Stille

Uta Baumeister, die ihrerseits jahrelang für die Westfalenpost in Balve geschrieben hat, um danach die VHS in Balve zu leiten, stellte ihren neuen Roman „So weit der Himmel Dich trägt“ vor. Baumeister, die im kommenden Jahr nach Schweden auswandern will, berichtet darin aus Notizen, in denen sie als Jugendliche die Erzählungen ihrer Oma aus Lendringsen aus der NS-Zeit festgehalten hatte. Je älter sie wurde, so erinnert sich die aus Volkringhausen stammende Autorin, desto mehr habe ihr die Oma zugemutet, indem sie schließlich auch sehr drastisch von der Verfolgung jüdischer Mitbürger berichtete. Hier sagte Lisa Keil: „Es ist eine enorm wichtige Arbeit, die verstummten Stimmen der Zeitzeugen von damals lebendig zu halten!“ Überlebende berichteten, dass die NS-Zeit einst mit ähnlichen Äußerungen begonnen habe, wie sie in Deutschland heute wieder zu hören seien.

Baumeister reicherte die Geschichte(n) indes literarisch an – und schuf damit ein Werk, das nicht nur den Leserreaktionen nach tief unter die Haut geht. Auch ihr selbst sei das Weiterschreiben an der Familiengeschichte zeitweilig kaum möglich gewesen: „Ich schreibe sonst eher amüsante Bücher“, sagte die Autorin. „Hier musste ich zwischenzeitlich aber Pausen einlegen, weil mich das so mitgenommen hat.“ Als Uta Baumeister, fast entschuldigend mit Blick auf den Holocaust-Gedenktag, eine Passage über die Erschießung zweier jüdischer Widerständler in Menden vorträgt, ist die besagte Stille im Raum wirklich unüberhörbar.

Leichtere Kost

Zum Abschluss gab es noch leichtere Kost: Andreas Wallentin von der Buchhandlung Daub stellte den Romas „Blackbird“ von Matthias Brandt, dem Sohn von Willy Brandt, vor, und Lisa Keil lud alle Familien zum Lachen mit dem Nichtnurkinderbuch „Das Neinhorn“ ein.

Insgesamt ein erstaunlich kurzweiliger Abend für alle Besucher, wie etwa Anja und Sven Häsemeyer fanden. Sie waren eigens aus Menden zum Bücher Talk angereist. „Uns hat der Mix aus Büchern mit lokalen und allgemeinen Inhalte besonders gut gefallen.“

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