Mittwochsinterview

„Vision eröffnet Frauen Chancen auf den Traumjob“

Stephanie Ross   

Stephanie Ross   

Foto: Dominique Seefeldt

Arnsberg.  Stephanie Ross und ihre Kollegin Annalena Neise beraten Frauen in Arnsberg bei der Suche nach ihrem Traumjob.

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Die Premiere kam gut an: Stephanie Ross und ihre Freundin Annalena Neise organisierten in Arnsberg eine Traumjob-Werkstatt für Frauen. Ein nächster Termin steht schon fest: In den Räumen des Tangram Instituts am Neumarkt in Arnsberg wird ein zweiter Workshop am 15. und 16. Februar angeboten.

Haben Sie den Traumjob gefunden?

Stephanie Ross: Ja, ich bin dem ziemlich nahe. Als Kind wollte ich Balletttänzerin und Astronautin werden. In der Schule entschied ich Lehrerin zu sein. Als Jugendliche Forstwissenschaftlerin, weil ich die Welt retten wollte. Heute bin ich Freiberuflerin und auf dem Weg meinen Job so zu gestalten, dass er wirklich zu mir passt: zu meiner Persönlichkeit mit meinen Fähigkeiten und meinen Vorlieben, zu meinen Qualifikationen und Erfahrungen. Außerdem passt es zu meiner Lebenssituation als Mutter von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter in einer Stadt in der Eifel.

Glauben Sie, dass viele Frauen berufliche Veränderungen scheuen?

Jede Veränderung birgt eine große Herausforderung im Leben sowie viele Unbekannte, die Angst machen. Nicht nur Frauen fällt es schwer, berufliche Veränderungen zu wagen. Es hat mit der Herausforderung zu tun, sich die Zeit und den Raum für sich selbst zu nehmen, sich zu priorisieren im ganz normalen Alltagswahnsinn. Dafür braucht es eine Entscheidung, etwas verändern zu wollen. Das kostet Energie und Zeit. Manchmal kann so eine Entscheidung auch unbequem werden, besonders für andere im eigenen Umfeld. Dafür ist eine Gruppe sehr hilfreich. Das inspiriert und gibt Mut nicht aufzuhören, den eigenen Weg zu suchen und tatsächlich zu gehen.

Was hemmt aus Ihrer Sicht Frauen, beruflich auf neue Pfade zu gehen?

Frauen, mit denen ich arbeite, hemmt oft nicht genau zu wissen, was sie möchten, was zu ihnen passt und wie sie dahin kommen. Die meisten haben vage Ideen und es fehlen die Zeit und der Raum, um sich damit zu beschäftigen. Es fehlen oft auch Personen im Umkreis, mit denen man darüber sprechen kann, offen und zielorientiert. Frauen, wenn sie Mütter werden, suchen eher als Männer nach familienverträglichen Jobs und vergessen sich selbst dabei. Daran arbeiten wir beim Workshop: an Klarheit, Orientierung und an Handlungsstrategien für die berufliche Veränderung. Und folgen dabei der Freude.

Ihr Angebot ist an Frauen gerichtet: Warum nicht offen für Männer?

Zu Beginn hatten wir vor, diese Premiere nur im Freundinnenkreis zu feiern, um uns als Team kennenzulernen und das gemeinsame Konzept zu erproben. Wir haben es dann doch geöffnet, wollten jedoch die Vertrautheit beibehalten, die entsteht, wenn Frauen unter Frauen bleiben, unabhängig vom Alter. Keine Sorge: Männer sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Wir werden bald eine Traumjob-Werkstatt für Männer anbieten.

Was sollten Frauen machen, die sich in ihrem Beruf nicht mehr 100-prozentig wohl fühlen?

Der erste Schritt ist, die Unzufriedenheit wahrzunehmen und zu akzeptieren anstatt sie zu verdrängen, und eine Entscheidung zu treffen in Richtung Veränderung. Die Frage ist dann: Können Aufgaben im aktuellen Job so geändert werden, so dass diese Passung eher gegeben ist? Ist es tatsächlich der Beruf, der jemanden unzufrieden macht oder nur der Job? Kann ein anderer Job im gleichen Beruf passender sein? In der Traumjob-Werkstatt arbeiten wir daran, einen Job zu finden, der im bevorzugten Tätigkeitsbereich und im Interessensgebiet liegt. Und es ist absolut notwendig, dass er mit den eigenen Werten im Einklang ist.

Was muss eine Frau mitbringen, wenn sie den Traumjob sucht?

Jeder Jobsuchende kann den notwendigen Mut bei sich selbst entdecken. Die Frauen, die bei der Traumjobwerkstatt waren, haben Mut aus der Erkenntnis geschöpft, dass sie nicht alleine sind. Wenn Jobsuchende eine Vision entwickeln, die im Einklang mit der Persönlichkeit ist, dann gibt das Kraft und öffnet die Sinne für Chancen, die man vorher nicht gesehen hat. Die meisten Menschen, die bei der Suche nach ihrem Traumjob scheitern, scheitern nicht an fehlenden Infos über den Arbeitsmarkt, sondern an fehlenden Informationen über sich selbst.

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