Ehrenamt

Sundern: Syrerin hilft als Dolmetscherin im Sprach-Wirrwarr

Die passenden Vokabeln sind gefragt: Tamara Shhade (31) ist vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen und engagiert sich ehrenamtlich als Sprachmittlerin in Sundern und Umgebung.

Die passenden Vokabeln sind gefragt: Tamara Shhade (31) ist vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen und engagiert sich ehrenamtlich als Sprachmittlerin in Sundern und Umgebung.

Foto: Katrin Clemens

Arnsberg/Sundern.  Tamara Shhade (31) übersetzt bei wichtigen Gesprächen im Rathaus, in Schulen und Kitas. Unterstützung wird dringend gesucht.

Amtsdeutsch, komplizierte Fremdwörter, Fachbegriffe – schnell und unverständlich prasseln Sätze oft bei wichtigen Gesprächen auf Menschen mit Migrationshintergrund ein. Wie hilflos man sich in solchen Situationen fühlen kann, weiß die 31-jährige Tamara Shhade aus eigener Erfahrung.

Als sie vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, waren Termine bei Behörden auch für sie noch schwierig. Umso größer war ihr Ehrgeiz, möglichst schnell die deutsche Sprache zu beherrschen und selbstständig handeln zu können. Sie paukte Grammatik und Vokabeln, übte zuhause die richtige Aussprache. Ihre Kenntnisse nutzt die junge Mutter jetzt, um anderen zu helfen.

Unterstützung beim Elternsprechtag

Als ehrenamtliche Sprachmittlerin begleitet sie andere arabischsprachige Menschen zu Gesprächen beim Amt, in Kitas, beim Jobcenter oder zu Elternsprechtagen in der Schule. „Bei den Gesprächen in den Schulen geht es meist um Noten, das Verhalten der Schüler und so weiter“, erklärt sie. Als Laien-Dolmetscherin übersetzt sie Satz für Satz und versucht den Kontakt zwischen Menschen mit verschiedenen Muttersprachen zu erleichtern.

Als studierte Psychologin hat sie auch fachlich das entsprechende Rüstzeug dazu. Ein Muss für ihre Tätigkeit ist das allerdings nicht. Tamara Shhade gehört zu bislang 54 Sprachmittlern im Hochsauerlandkreis. Die Schulung beim kommunalen Integrationszentrum war kostenlos für sie, für die ehrenamtlichen Einsätze in Schulen, Kindergärten und Rathäusern bekommt sie eine Aufwandsentschädigung.

Qualifizierung als Chance

Diese Art der Unterstützung ist gefragt, deshalb werden für das Projekt des kommunalen Integrationszentrums im HSK, der Caritas und der Diakonie weitere Ehrenamtliche gesucht. „Wir brauchen immer noch Sprachmittler, weil weiterhin Geflüchtete nach Arnsberg und Sundern kommen“, erklärt Alexandra Nitschke von der Integrationsagentur des Caritasverbandes. Auch sie selbst ist bei Beratungen oft auf Dolmetscher angewiesen.

So lange Gespräche keine Rechtsfolge haben, zum Beispiel vor Gericht, können auch die Laien-Dolmetscher eingesetzt werden. Von der Idee der Sprachmittler ist Nitschke überzeugt, vor allem weil sie auch für diejenigen, die sich qualifizieren lassen, die Jobchancen steigern könnten.

Warten auf den Kita-Platz

„Ich habe mich für die Schulung zum Sprachmittler entschieden, weil ich anderen gerne helfen möchte und weil ich mich einbringen möchte“, erklärt Tamara Shhade. So lange ihr dreijähriger Sohn noch nicht in den Kindergarten geht, kann sie sich so engagieren. Denn den ganzen Tag nur zuhause zu sitzen, das sei nichts für sie.

Sobald es möglich ist, möchte sie selbst noch besser Deutsch lernen und ein Masterstudium in Psychologie absolvieren, um irgendwann als Therapeutin tätig zu werden. Wenn möglich in der Nähe ihres jetzigen Wohnortes Sundern. „Ich finde Sundern ist eine schöne Stadt und meine Familie ist auch hier im Sauerland“, sagt sie. „Deshalb möchte ich gerne hier bleiben.“

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