Feuerwehreinsatz Voßwinkel

Holzhackschnitzel-Brand: Rauchbelastung bleibt wohl länger

Einsatz in Voßwinkel: Die Feuerwehr kämpft sich am Montag noch zum Brandherd im Holzhackschnitzellager vor.

Einsatz in Voßwinkel: Die Feuerwehr kämpft sich am Montag noch zum Brandherd im Holzhackschnitzellager vor.

Foto: Martin Haselhorst

Voßwinkel.  Am Montagmorgen qualmt wieder das Hackschnitzellager des Unternehmens Hauschulte-Oberdick nahe dem Voßwinkeler Gewerbegebiet Gut Nierhof

Am Montagmorgen gegen 6 Uhr ist Feueralarm in Neheim ausgelöst worden. Die Feuerwehr musste abermals zum Holzhackschnitzel-Lager auf dem Unternehmen Hauschulte-Oberdick auf Gut Nierhof ausrücken, in der sich am vergangenen Wochenende ein schwer zu löschender Brand entwickelt hatte. Das Unternehmen rechnet mit einem wirtschaftlichen Schaden von schätzungsweise 300.000 Euro. Ursache des Brandes war offenbar, so Feuerwehrchef Bernd Löhr, eine Selbstentzündung in der ungewöhnlich großen und auch bereits im Kern verdichteten Holzhackschnitzelhalde.

Nachlöscharbeiten erforderlich

Da am Montagmorgen aus dem Lager wieder Rauch aufstieg, wurden Einsatzkräfte per Melder alarmiert. Nachlöscharbeiten sind erforderlich.

Bereits die ersten Löscharbeiten nahmen am Wochenende viel Zeit und Aufwand in Anspruch. Bis zur Neualarmierung am Montagmorgen war die Feuerwehr schon rund 32 Stunden im Einsatz gewesen. „Gefahr für Personen oder Gebäude bestand zu keinem Zeitpunkt“, erklärt Einsatzleiter Björn Bertram aus der Feuerwehreinheit Voßwinkel. Der entstandene Rauch durch das schwelende Feuer, das sich in den Holzhackschnitzelhalden entwickelte, zog am Wochenende noch stärker durch das Ruhrtal ab. In der Nacht zu Montag aber drehte der Wind und ließ den Qualm in Richtung Dorf ziehen. Feuerwehrchef Bernd Löhr stellt klar, dass es sich bei dem Einsatz nicht um Gefahrenabwehr, sondern eine unterstützende Maßnahme handelt. Ziel sei, dass die Kräfte am Montagabend abrücken könnten. Alle weiteren Schritte müsse der Unternehmer einleiten.

Unternehmer hilft mit

Es musste am Wochenende unter anderem der Inhalt eines Feuerlöschteichs leer gepumpt werden, um genügend Wasser für die Löscharbeiten zu haben. Inzwischen wurde eine Wasserversorgung über die Ruhr sichergestellt, aus der der Löschteich immer wieder aufgefüllt wird. Im Einsatz sind derzeit rund 25 Feuerwehrkräfte aus Einheiten aus Voßwinkel und Bachum sowie Neheim und Arnsberg. Die Neheimer wurden hinzu alarmiert, um den Voßwinkler Kameraden nach dem Wochenendeinsatz eine Atempause zu gönnen. „Das ist ein komplexer und aufwendiger Einsatz“, sagt Björn Bertram. „Wir sind auf die Hilfe des Unternehmers angewiesen“, sagt er. Mit Radlagern und Baggern hilft er der Feuerwehr, an den Brandherd heranzukommen. Begleitend wird das Lager von mehreren Seiten mit Löschfontänen nassgehalten, um eine Ausbreitung zu verhindern. Schon am Samstag musste der Haufen mit Hilfe des Betreibers schichtweise zur Ablöschung abgetragen werden. Immer wieder mussten Unterstützungskräfte angefordert werden.

An der Lagerstelle herrscht derzeit viel Transportverkehr. Das Unternehmen fährt nahezu im Minutentakt nicht vom Feuer angegriffenes Material ab, um es an anderer Stelle - wohl auch auf einer Fläche in der Nähe des Flughafens und des Motorsportgeländes in Voßwinkel/Echthausen - zwischenzulagern. „Der ganze Einsatz wird sicher noch ein paar Tage dauern“, glaubt Björn Bertram. „Wir versuchen jetzt zu retten, was geht“, sagt ein spürbar berührter Christian Hauschulte-Oberdick. Einiges an Material sei verbrannt, eine große Menge durch den Löschschaum nicht mehr zu verwenden.

Auf der Fläche lagerten nach Angaben von Christian Hauschulte-Oberdick zwischen 20.000 und 25.000 Kubikmeter Holzhackschnitzel. Die Feuerwehr spricht von „schätzungsweise 28.000 Kubikmeter“ auf einer Fläche von 75 mal 50 Meter und in einer Höhe von bis zu 10 Metern. Zu den Ursachen wollte sich der Unternehmer nicht abschließend äußern. Problematisch sei aber, dass große Mengen Material gelagert worden seien, weil der Absatz durch viel Käferholz auf dem Markt und dem vorübergehenden Ausfall eines großen Kraftwerkes als Abnehmer derzeit verlangsamt sei.

Unternehmen suchte vergeblich neue Flächen

Wie die Familie Hauschulte-Oberdick betont, habe sie sich seit längere Zeit bei der Stadt Arnsberg bemüht, mehr Fläche für die Holzhackschnitzellagerung zu erhalten. „Wir sind seit fast zwei Jahren auf der Suche nach einer neuen Fläche gewesen“, so heißt es. Die jetzige Holzhackschnitzellagerstätte - sie ist nicht die einzige des Unternehmens - befand sich auf städtischem Grundstück. Eine große Lagerfläche ist dem Unternehmen vor zwei Jahren im Wickeder Stadtwald weggefallen, als dort die Abrissarbeiten des alten kanadischen Militärcamps begannen. Jetzt dürfte der Betrieb neben dem direkten Schaden andere Sorgen haben: Es liegt Nahe, dass er sich nun mit Behörden und Versicherungen auseinandersetzen muss. Gut denkbar ist auch, dass es sich bei dem Feuerwehreinsatz um ein „kostenpflichtiges Ausrücken“ handelt, für das der Betreiber zur Kasse gebeten werden könnte.

Behördliche Auflagen

Der Betreiber, so Feuerwehr-Chef Bernd Löhr in einer Mitteilung, habe nun die behördliche Auflage, die Hackschnitzel binnen der nächsten Tage abzulöschen und auf eine Ausgleichsfläche zu transportieren. „Die erforderlichen Brandwachen sind ebenfalls durch den Betreiber zu gewährleisten“, so Löhr. Die Feuerwehr betont, dass es aufgrund der umfangreichen Arbeiten weiterhin zu Geruchs- und Rauchbelästigungen in der Umgebung kommen könne. Polizei, der Hochsauerlandkreis und das städtische Ordnungsamt seien über diese laufenden Maßnahmen informiert.

Zusammenspiel der Einheiten

Der Einsatz war ein Zusammenspiel verschiedener Einheiten: Am Freitag gegen 16.30 Uhr wurden zunächst die Hauptwache Neheim und die Löschgruppe Voßwinkel in Gang gesetzt. Später kam Verstärkung vom Löschzug Neheim mit einem Tanklöschfahrzeug und von der Löschgruppe Müschede mit einem Gerätewagen Licht. Schon am Samstagabend rückte die Wehr erneut aus, um den Betreiber zu unterstützen - zusätzlich kamen Kräfte aus Bachum und von der Hauptwache Arnsberg zum Einsatz über Nacht. „Das war ein großer Aufwand“, so Bernd Löhr, „ich muss jetzt sehen, dass ich unsere Leute auch schnell abziehen kann!“. Die Belastungsgrenze sei erreicht: „Es ist eine Fleißarbeit, den Haufen auseinanderzufahren und immer wieder abzulöschen“, so Löhr. Das müsse nun auch der Unternehmer mit seinen Möglichkeiten bewerkstelligen können.

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