Genuss beim Essen

Sinnesreise am Kochtopf mit Gewürz-Sommelière

Ines Wirth ist Gewürz-Sommelière (hier mit Mann Christian).

Ines Wirth ist Gewürz-Sommelière (hier mit Mann Christian).

Foto: Martin Haselhorst

Arnsberg.  Ines Wirth aus Oeventrop ist seit wenigen Wochen eine anerkannte Gewürz-Sommelière. Sie wirbt für Genuss beim Essen und Kochen.

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Ihr Handwerkskoffer geht mächtig durch die Nase. „Schmecken ist immer auch Riechen“, sagt Ines Wirth und zeigt auf eine Kiste voll mit Reagenzgläsern, in denen sich, fein säuberlich sortiert, Gewürze aus aller Welt befinden.

Die 50-jährige Oeventroperin ist seit Mitte des Jahres eine anerkannte Gewürz-Sommelière. Ihre Prüfung legte sie nach mehrmonatiger Vorbereitung an der Genussakademie Bayern in Kulmbach ab.

„Ich habe noch nie in meinem Leben so viel für eine Prüfung ge­büffelt“, sagt sie. Und gelernt hat sie schon viel: Die 1992 aus Chemnitz nach Oeventrop gekommene Frau arbeitete zunächst im kaufmännischen Bereich, bildete sich dann zur Fleischereifachverkäuferin aus und arbeitete im Betrieb ihres Mannes im Arnsberger Ortsteil, wurde Ernährungsberaterin und Ayurveda-Köchin. Nun kam das neue Zertifikat hinzu.

„Genießen statt Schlingen“

Für Ines Wirth passt es in die Reihe und ist eine logische Ergänzung ihrer bisherigen Qualifikationen. Immer nämlich geht es um die Wertschätzung des Essens. „Wenn ich von Lebensmitteln spreche, muss ich doch wissen, wo sie herkommen“, sagt die Oeventroperin, „ich will den Menschen wieder beibringen, zu genießen, anstatt alles nur runter zu schlingen.“ Und so versteht sie sich selber als Genussbotschafterin.

Das Rüstzeug für den Umgang mit den Gewürzen holte sie sich an der Genussakademie – in einer ganzheitlichen Betrachtung. Es geht um mehr als nur um das Kochen mit Gewürzen.

Ganzheitlicher Ansatz

Die Biologie der Gewürze und Kräuter, deren Mischung und Heilwirkung, Grundprinzipien der Molekularküche und der Geschmacksforschung standen auf dem Lehrplan. „Es ging nicht allein um das Essen!“, so Ines Wirth. Drei bis fünf Tage pro Monat weilte sie zwischen Februar und Juni in Kulmbach. Am Ende standen eine dreistündige schriftliche Prüfung mit 186 Fragen sowie eine mündliche Prüfung, bei der ihre Hausarbeit über den Einsatz von Oregano das Thema war.

Die Gewürz-Sommelière will sensibilisieren für den oft fahrlässigen Umgang mit der Würze. Wenn’s schön scharf ist, hat das mit Genuss für Ines Wirth wenig zu tun: „Scharf ist kein Geschmack, sondern nur ein Reiz.“ Tatsächlich werden Geschmäcker weniger im Mund er­tastet als vielmehr gerochen.

Impulse und Anregungen

So wie ein Wein-Sommelier über das Land zieht und Weinfreunden die Feinheiten des Genusses der guten Tropfen lehrt, will auch Ines Wirth die Kochfreunde auf den Geschmack bringen. Sie hält Vorträge, bietet Workshops und Seminare an und will sich auch in der geplanten Grill- und Kochschule des familieneigenen Fleischereibetriebs maßgeblich in das Programm einbringen. „Mich kann man buchen“, sagt sie. Profi-Köche und Gastronomen sind ebenso angesprochen wie leidenschaftliche Hobby-Kochlöffelschwinger. „Ich möchte Impulse und Anregungen geben“, betont Ines Wirth.

„Wirths Haus: Grill- und Kochschule“

Das wird bald auch direkt in Oeventrop passieren. Mit ihrem Mann Christian Wirth – er war übrigens vor einiger Zeit der erste anerkannte Meister Fleischsommelier in Nordrhein-Westfalen – eröffnet sie ab März eine rund 120 Quadratmeter große Koch- und Grillschule.

Das „Wirths Haus“ wird hinter dem Fleischereibetrieb an der Kirchstraße gerade ausgebaut und wird auch über einen Außenbereich verfügen. In den eigenen Räumlichkeiten wird „Atmosphäre geschaffen“ – und ab März 2020 ein Programm für verschiedene Zielgruppen wie Hersteller, Gruppen, Fachpublikum und Hobbyköche angeboten.

Auch das ist ein nur konsequentes Vorgehen: „Unser Betrieb bemüht sich, am Puls der Zeit zu bleiben!“, sagt Christian Wirth, „wir wollen uns breit aufstellen“. Das Thema Fleisch allein sei nicht mehr isoliert zu betrachten, um auf dem Markt bestehen zu können. Themen wie Qualität und Nachhaltigkeit spielen eine ebenso große Rolle wie Erlebnis und Genuss.

Bewusstsein wecken

Und da kommt Ines Wirth schnell wieder ins Spiel. Sie will Bewusstsein für Gewürze und Geschmack wecken. „In der Küche sollte man mal wieder experimentierfreudiger werden“, sagt die Sommelière, „und dafür nehme ich die Leute mit auf eine Sinnesreise.“

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