Architektenwettbewerb

Rathaus kann Glasturm in Landschaftspark werden

Siegerentwurf für die Neugestaltung des Rathauses und dessen Umfeld: Ganz links ist ein neu angebauter Ratssaal zu sehen, eine Fußgängerbrücke über die Ruhr führt zum Rathaus, und es gibt Flussterrassen zum Verweilen.

Foto: v-architekten

Siegerentwurf für die Neugestaltung des Rathauses und dessen Umfeld: Ganz links ist ein neu angebauter Ratssaal zu sehen, eine Fußgängerbrücke über die Ruhr führt zum Rathaus, und es gibt Flussterrassen zum Verweilen. Foto: v-architekten

Arnsberg.   Kölner Büro gewinnt Architektenwettbewerb für Neugestaltung des Rathauses.Es wirkt alles offener und transparenter.

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Das Rathaus der Stadt Arnsberg könnte nach der Sanierung komplett verglast sein und das Rathaus-Umfeld wie ein Landschafts- und Freizeitpark wirken. Dies sieht der gemeinsame Entwurf des Kölner Büros „v-Achitekten“ und des Bonner Landschaftsarchitekturbüros „(f) Landschaftsarchitektur“ vor, die den von der Stadt Arnsberg ausgeschriebenen interdisziplinären Realisierungswettwerb für die Neugestaltung des Rathauses und dessen Umfeld gewannen.

Sieg im Wettbewerb heißt nicht unbedingt Realisierung

„Die Siegerprämierung bedeutet nicht zwingend, dass nun dieser Entwurf auch realisiert wird“, betonte am Montagabend der städtische Planungschef Thomas Vielhaber. Denn mit dem Sieger und mit den Büros, die mit ihren Entwürfen den 2. bis 4. Preis belegten, werde die Stadt jetzt noch konkrete Abstimmungsgespräche führen.

Detailkritik

Es gibt im Siegerentwurf Details, die aus Kostengründen Beratungsbedarf erzeugen. Der Entwurf sieht nämlich den Bau von Tiefgaragen vor, einmal unterhalb des Rathausvorplatzes und einmal unterhalb eines neuen Grüngürtels, der zwischen Autobahn und Rathaus entstehen soll. Hier sollen 180 Stellplätze entstehen, die laut Architekten 85 Prozent des Parkplatzbedarfs abdecken könnten. Die unter einer Parklandschaft versteckten Pkw-Stellplätze sind zwar eine geschickte architektonische Lösung, aber kostenträchtig.

„Wir werden das Büro fragen, ob die Plätze kostengünstiger angelegt werden könnten“, sagte Thomas Vielhaber. Zu diskutieren sei auch, ob der anvisierte Anbau eines sich über zwei Geschosse erstreckenden Ratssaals (unten ist der Saal, darüber ist viel Luft) so unbedingt zu realiseren sei oder ob es hier eine andere Lösung geben könnte.

Glaszellenbau sorgt für Isolierung

Trotz der Detailkritik konnte der Siegerentwurf das Preisgericht mit vielen Dingen überzeugen. „Im Entwurf besticht die konsequente Abwendung des Neubaus von der Autobahn“, betonte der Vorsitzende des Preisgerichts, Architekt Heiner Farwick. Der Entwurf sieht zwischen Rathaus und Autobahn keinen Eingang mehr vor, es gibt nur noch einen Eingang vorn, dort, wo er auch heute ist, aber dann barrierefrei.

Die energetische Sanierung des Rathaus-Turms setzen die Kölner Architekten durch einen so genannten Glaszellenbau um. Zwei Glasscheiben sorgen für eine Isolierung sowie für Schutz vor Autobahnlärm, ferner gibt es Lüftungselemente im Bodenaufbau. Begrünte Flachdachflächen des Flachtrakts sind für Photovoltaik-Module vorgesehen. Auf dem Turmdach könnte es eine Dachterrasse geben. Das neue Rathaus-Foyer wirkt viel transparenter und offener und bietet gesellschaftlichen Gruppen auch Begegnungsräume an. Denn das Rathaus will sich im Quartier den Bürgern öffnen.

Im Rathaus-Umfeld werden viele neue Bäume gepflanzt. Die Landschaftsarchitekten regen auch die Aufstellung von Fitnessgeräten, ein Volleyballfeld, einen Kletterparcours und anderes mehr an. Am Ruhrufer vor dem Rathaus könnten Terrassen entstehen.

15 Architekturbüros an Wettbewerb beteiligt

Insgesamt nahmen 15 Architekturbüros bzw. -Gemeinschaften am Wettbewerb teil. Die Entscheidung fiel knapp aus. Der 1. Preis ging an v-achitekten“; 2. Preis für Gerber-Architekten; 3. Preis für Baumschlager/Eberle; 4: Preis für SSP. Alle Entwürfe können sich interessierte Bürger ab sofort bis 28.September im Rathaus-Foyer zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses anschauen.

KOMMENTAR

Gut angelegtes Geld

Für die bauliche Sanierung und Neugestaltung des Rathauses sind 21,3 Millionen Euro veranschlagt, von denen das Land 70 Prozent (rund 15 Millionen Euro) übernehmen könnte. Nachdem das Land bereits im Vorfeld zur Erstellung von Gutachten und für die Auslobung eines Architektenwettbewerbs Fördermittel bewilligte, ist es wahrscheinlich, dass demnächst auch Millionenbeträge fließen. Es ist gut angelegtes Geld. Der Sanierungsstau im 50 Jahre alten Gebäude ist offensichtlich. Über Einzelheiten kann man sicherlich streiten. Im Siegerentwurf sieht man die in der Kommunalpolitik heiß umstrittene „Pizza-Brücke“ über die Ruhr.

Dass unterirdische Parkplätze mehr kosten als Pkw-Stellplätze auf Rasengitterflächen, war jedem Preisgerichtsmitglied klar, als es um die Prämierung ging. Hier sollte man konsequent bleiben. Denn wenn ersatzweise überirdische Pkw-Stellplätze hinten am Waldesrand zum Müggenberg geschaffen würden, müssten auch Straßen gebaut werden, auf die der neu konzipierte Park aber verzichten konnte. Baubeginn im Rathaus soll Ende 2018 sein. Die Stadt kann Geld sparen, weil nicht mehr ein Containerdorf für die provisorische Unterbringung von 300 Mitarbeitern nötig ist. Räume der Realschule Neheim und Theodor-Heuß-Schule können genutzt werden.

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