Raser-Prozess

Panne im Raser-Prozess: Audi wurde in Einzelteile zerlegt

Vor fast einem Jahr passierte an dieser Stelle der B 229 zwischen Hövel und Beckum ein folgenschwerer Unfall, der jetzt vor dem Landgericht verhandelt wird.

Vor fast einem Jahr passierte an dieser Stelle der B 229 zwischen Hövel und Beckum ein folgenschwerer Unfall, der jetzt vor dem Landgericht verhandelt wird.

Foto: Matthias Schäfer

Arnsberg/Hövel.  Einige Überraschungen gab es beim achten Verhandlungstag des Raserprozesses von Hövel: Der Unfall-Audi ist zerlegt bei einem Autoverwerter.

Mit einem Hammer begann am Mittwoch der achte Verhandlungstag im Raserprozess vor dem Schwurgericht des Landgerichts: Der gelbe Audi Q5, den der angeklagte Arzt aus Hemer (42) beim Unfall gefahren haben soll, ist nicht mehr am erwarteten Ort. Das stellte sich heraus, als der Verkehrsgutachter am vergangenen Donnerstag nach Prozessende die Sicherstellungshalle in Sundern aufsuchte.

Inzwischen ist das Auto aber gefunden: „Es befindet sich in Wuppertal“, konnte am Mittwochmorgen Staatsanwalt Klaus Neulken berichten. Er war vom Gericht mit Recherchen beauftragt worden.

Dann der nächste Hammer: „Das Auto steht bei einem Verwerter und ist in seine Einzelteile zerlegt. Aber schon am Dienstag wurden diese komplett beschlagnahmt“, so Klaus Neulken weiter. Wie es zu dieser Panne gekommen ist, immerhin ist vor dem Schwurgericht ein Verbrechen angeklagt, konnte er noch nicht in Erfahrung bringen: „Es gab wohl den Antrag des Besitzers auf Verwertung. Ich habe aber diesem Antrag nicht zugestimmt. Wer es letztlich freigegeben hat, ist noch unklar“, so der Ankläger.

Gibt es Videoaufnahmen?

Abwarten muss man nun, ob sich in dem Auto irgendwelche Aufzeichnungsgeräte oder eine Kamera befinden. „Die erste Antwort des Verwerters war, dass da nichts war“, so Neulken. Somit hat sich zunächst auch die Absicht von Verteidiger Cornelius Kirschbaum zerschlagen, auf einem möglichen Speichergerät entlastendes Material oder sogar den Überholvorgang zu sehen, der den Unfall am 1. August 2018 auf der B 229 verursacht haben soll. Auch Gutachter Maximilian Runkel konnte nichts berichten. Der am vorherigen Prozesstag überraschend aufgetauchte Monitor sei eigentlich, so der Hersteller gegenüber Runkel, ein Gerät, das man im Doppelpack für das Sehen von Videofilmen auf den Rücksitzen verkaufe. Ein Speichermedium gebe es darin nicht.

Belastend für Gericht, Angeklagte, Verteidiger und die Unfallopfer sowie alle Zuschauer sind derzeit die Verhältnisse im Gerichtssaal 3 des Landgerichts. Nachdem schon seit Wochen die Klimaanlage nicht funktioniert, ist nun auch die Umluftanlage ausgefallen. Deshalb plädierte Rechtsanwalt Kirschbaum mittags auf Beendigung. Dem gab die Kammer nicht nach, hob aber den Kleiderzwang für alle Beteiligten auf.

Temperaturen um 35 Grad

Bei Temperaturen um 35 Grad ging es dann in die weiteren Vernehmungen. Auch hier gab es eine Überraschung: Ein Ehepaar aus Menden hatte sich nach der Berichterstattung unserer Zeitung am vergangenen Freitag beim Gericht gemeldet. Dabei kam heraus: Die Polizei hatte damals ihre Personalien nicht aufgenommen. Die Frau half vor Ort, der Mann blieb am Auto und stoppte den Verkehr vor der Unfallstelle. Später fragte ihn dort der Audi-Fahrer, ob er telefonieren könne, er müsse weg. Der Zeuge fragte nach, ob er am Unfall beteiligt und ob er verletzt sei. Wenig später übergab er den Arzt an einen Feuerwehrmann. Dieser signalisierte dem Zeugen im Vorbeigehen, er habe Alkohol bei dem Mann gerochen. Der 51-jährige Zeuge erklärte auch, dass ihn ein sehr schnelles Auto kurz vor der Unfallstelle passiert habe, Typ unbekannt.

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