Mobile Retter

Mobile Retter im HSK: Verstärkung für den Rettungsdienst

Mehr als 20 Freiwillige haben sich zum Start der Ausbildung im HSK beim Malteser Hilfsdienst in Arnsberg zu Mobilen Rettern qualifiziert.

Mehr als 20 Freiwillige haben sich zum Start der Ausbildung im HSK beim Malteser Hilfsdienst in Arnsberg zu Mobilen Rettern qualifiziert.

Foto: Frank Albrecht / WP

Arnsberg.  Mobile Retter: Ausbildungsstaffel hat in Arnsberg beim Malteser Hilfsdienst begonnen. Teilnehmer müssen medizinische Vorkenntnisse haben.

Mit mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat am Samstag die erste öffentliche Ausbildungsstaffel für die sogenannten Mobilen Retter im Hochsauerlandkreis begonnen. In den Räumen des Malteser Hilfsdienstes (MHD) an der Ruhrstraße drückten viele Männer und wenige Frauen sozusagen die Schulbank, um sich von zwei Moderatoren die als Mobile Retter notwendigen Kenntnisse beibringen zu lassen.

Die Mobilen Retter sind in einigen Kreisen bereits in das Rettungs­system eingebunden und sollen auch im HSK später einmal eine wirksame Ergänzung zum Rettungsdienst darstellen. Sie werden nicht bei Verkehrsunfällen gerufen, sollen aber bei Herz-Kreislauf-Stillstand schnelle und effektive Hilfe leisten.

Viele Feuerwehrleute in Dienstkleidung, Rettungssanitäter von Hilfsorganisation, eine hauptberufliche Notärztin – Julia Ajazi aus Arnsberg scheint da so gar nicht ins Bild zu passen. Die 33-Jährige ist im dritten Lehrjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am Klinikum Arnsberg, eine Ausbildung, die sie wegen der beiden Kinder in Teilzeit verrichten kann. Warum sie neben der normalen Arbeit freiwillig auf einen Teil ihres freien Samstags verzichtet, so wie die anderen Teilnehmer am Kursus auch? „Ich möchte mehr Routine bei Notfalleinsätzen bekommen“, schilderte die Auszubildende. Eigenes Training für mehr Sicherheit im Beruf und – das ist bei allen Mobilen Rettern ganz wichtig – auch für die private Zeit. Denn dort werden die Mobilen Retter künftig vor allem eingesetzt.„Das System ist ausgebaut, jetzt geht es darum, die Freiwilligen zu schulen“, erklärten die Moderatoren, Michael Schürmann aus Meschede und Stefan Schandelle aus Sundern-Hachen, beides Mitglieder beim MHD.

Und mit Beispielen aus dem Kreis Gütersloh, wo die Mobilen Retter schon seit 2013 mithelfen, können sie Motivation und Ansporn unter den Teilnehmern noch verstärken. Mobile Retter, das sind Freiwillige mit medizinischen Vorkenntnissen, wie sie Rettungssanitäter, Krankenschwestern oder Ärzte besitzen. Sie erfahren in dem Kursus, wie das System im HSK aufgebaut ist, wie sie zu ihren Einsätzen gerufen werden und alles, was sie sonst noch wissen sollten: die rechtliche Situation, Eigenschutz oder den Umgang mit schwierigen Einsätzen. Mit der Teilnahme an der Schulung, die einen theoretischen und einen praktischen Teil enthält, gibt es eine Bescheinigung und die Registrierung bei der „Mobile Retter-App“ für das Smartphone.

Denn auf diesem Weg sollen die Helferinnen und Helfer künftig alarmiert werden, wenn es in ihrer Nähe einen Notfall gibt. „Das Ziel ist, die Hilfsfristen deutlich zu verkürzen“, erklärt Stefan Schandelle. Gibt es im Bundesdurchschnitt eine Hilfsfrist von rund neun Minuten vom Anruf unter 112 bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, so liegt die Zahl in Arnsberg schon aufgrund der städtischen Lage höher. Ebenso soll auch an anderen Stellen im Kreis die Beschleunigung des Hilfseinsatzes durch Mobile Retter einen deutlichen Zeitgewinn bringen.

Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt

Wie wichtig das ist, wissen die meisten Teilnehmer aus ihrer Arbeit und erfahren es noch mal deutlich: Pro Minute sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Herz-Kreislauf- Stillstand um zehn Prozent. Ausrechnen mag sich das niemand.

Die ausgebildeten Mobilen Retter sind über die App mit ihrer Fachkunde bei der Kreisleitstelle registriert. Geht ein Notruf ein, werden gleich mehrere, die in der Nähe des Einsatzortes sind, per App alarmiert und müssen sich sofort entscheiden:

Helfen oder ablehnen, es kann ja auch mal ein Helfer verhindert sein. „Im Idealfall können wir dann schon bald zwei Helfer in die Häuser schicken“, so Michael Schürmann. Sie leisten Erste Hilfe und Wiederbelebung, bis der Rettungsdienst eintrifft. Das geht oft deutlich schneller als in der normalen Hilfsfrist, in knapp unter fünf Minuten könne bei ihnen schon mit Hilfe im Notfall gerechnet werden. Bundesweit hat es schon 13.000 Einsätze Mobiler Retter gegeben, die diese Zahl belegen.

Für die hauptberufliche Notärztin Judith Siekmann, die bei der Arbeitsgemeinschaft Intensivmedizin (AIM) im städtischen Rettungsdienst arbeitet, ist die Motivation klar. „Die Sache ist so wichtig“, sagt die 37-jährige Ärztin, es gelte das Potenzial an fachkundigen Ersthelfern verfügbar zu machen. Für sie persönlich sei es moralische Verpflichtung, aus beruflicher Sicht ist es für sie wichtig, die „therapiefreie Zeit“ im Notfall möglichst gering zu halten. Und um vorhandene Ressourcen nutzen zu können, sei eines ganz wichtig: „Man muss von einem Ernstfall in der Nachbarschaft auch etwas wissen“, so Siekmann.

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