Klangfülle begeistert Besucher

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Neheim.  Bei der Aufführung der „Großen Messe c-Moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der St. Michael Kirche Neheim trug ein musikalisches Lehrer–Schüler-Verhältnis erneut schöne Früchte. Dekanatskantor Hartwig Diehl legte mit der musikalischen Grundausbildung das Fundament zum beruflichen Werdegang des gebürtigen Hüsteners Dr. Marc Mönig. Als Musikpädagoge und Lehrbeauftragter an der Folkwang Universität Essen bereichert er seit langem mit seinem „Vokalensemble Kontrapunkt Bonn“ die großen Aufführungen des „Neuen Chor Neheim“, so Bachs h-Moll Messe, Brahms-Requiem oder Orffs Carmina Burana. Diesmal können sich die Freunde Mozarts in der voll besetzten Michael-Kirche - gute Akustik - zwei Stunden an seiner herrlichen Musik erfreuen. Zu Beginn singt Sopranistin Jana Stehr mit großer Stimme die Solo-Motette „Exultate jubilate.“ Der 16-jährige Mozart schrieb das Bravourstück während seiner dritten Italienreise für die Kehle eines berühmten Kastraten. Entsprechend glänzt die Sängerin mit halsbrecherischen Koloraturen.

Die Komposition der c-Moll-Messe geht auf ein Gelöbnis Mozarts als Dank für die Genesung seiner Verlobten Konstanze zurück. Nach der Aufführung bereits fertiger Messteile kam es jedoch nicht zu einer Weiterkomposition, da die ungewöhnlich umfangreiche Werkanlage für die Liturgie nicht in Frage kam – es gab damals diesbezügliche Vorschriften der Kirche. Vor einigen Jahren machten Ergänzungen des amerikanischen Mozartforschers Robert D. Levin Furore.

Er greift auf wieder entdeckte Mozartfragmente und weitere Originalmusik zurück. Hartwig Diehl und Marc Mönig entschieden sich für eine Aufführung dieser Novität und damit 25 Minuten mehr Musik.

Sänger mit voller Anteilnahme

Unter dem spannungsreichen, zugleich auf Deutlichkeit bedachten Dirigat Hartwig Diehls bewältigen die vereinigten Chöre aus Neheim und Bonn höchst eindrucksvoll die nicht nur wegen der Dauer hohen Anforderungen des Werkes. Der voller Anteilnahme und Begeisterung singende Chor reißt in der dynamischen Breite von klanglicher Fülle bis zu plötzlichen Zurücknahmen ins Piano die Hörer mit: Im feierlichen c-Moll des Kyrie, im machtvollen C-Dur des Gloria, im schmerzlichen doppelchörigen Qui tollis, im gravitätischen Sanctus und wirbelnden 8stimmigen Hosanna.

Lyrischer Wohllaut der Sopranistin

Mit lyrischem Wohllaut und voller Innerlichkeit singt Nadja Wuchinger die unvergleichliche Sopranarie von der Menschwerdung Christi „Et incarnatus est“ im Dialog mit himmlischen Klängen von Flöte, Oboe und Fagott - hervorragend gespielt. Der Tenor Nikolaus Borchert interpretiert die Arie Et in spiritum sanctum mit einer schlanken, beweglichen Evangelistenstimme und Bassist Johannes Wedeking grundiert das Benedictus zu einem stimmlich ausgewogenen Soloquartett. Das Sinfonieorchester Ruhr wird auch in diesem Konzert seinem Ruf gerecht, bei Chorkonzerten ein zuverlässiger und engagierter Partner zu sein.

Die zuletzt mit freudiger Gewissheit gesungene Friedensbitte Dona nobis pacem mündet in spontanem Applaus des begeisterten Publikums. Mozarts Spätwerk, das Ave verum corpus wird zu einem mit viel Emotionen gesungenen Dankeschön .

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik