Holzkonservierung

Im Arnsberger Wald lagert Holz luftdicht in Folie verpackt

Holzkonservierung im Arnsberger Wald: Die „Holz-Christos“ – hier Forstwirt Lars Bittis – spannen zwei Folienlagen über den Holzstapel und verschweißen diese mit zuvor auf dem Boden ausgelegten Folien.Foto:Torsten Koch

Holzkonservierung im Arnsberger Wald: Die „Holz-Christos“ – hier Forstwirt Lars Bittis – spannen zwei Folienlagen über den Holzstapel und verschweißen diese mit zuvor auf dem Boden ausgelegten Folien.Foto:Torsten Koch

Foto: Torsten Koch

Arnsberg.   „Holzkonservierung in Folienlagern“ heißt ein Projekt, das Wald und Holz NRW am Donnerstag in Arnsberg, im Revier Breitenbruch, erläutert hat.

Es hat ein bisschen was von „Sous-vide“ – allerdings wird im Arnsberger Wald derzeit kein Fleisch luftdicht mit Folie umschlossen, sondern hochwertiges Holz. Dieses wiederum wird weder erhitzt noch verzehrt – es lagert bis zu fünf Jahre, um es dann auszupacken und z.B. zu einem schicken Stuhl zu verarbeiten. „Holzkonservierung in Folienlagern“ heißt das Projekt, welches Wald und Holz NRW am Donnerstagvormittag im Revier Breitenbruch erläutert hat.

3000 Festmeter Holz zum „Ausprobieren“

Dort – und in einem weiteren Revier auf Soester Kreisgebiet – landen Baumstämme – unter Sauerstoffausschluss – in zwei Schichten Plastik, die miteinander verschweißt und von einem netzartigen Überwurf geschützt werden. 3000 Festmeter Holz sind es im Raum Breitenbruch – „zum Ausprobieren“, wie Dr. Bertram Leder vor Ort erläutert. Doch warum betätigen sich Forstleute als „Christo im Wald“?

Nicht, um dem Verpackungskünstler nachzueifern, sondern aus einer Stresssituation heraus, so Dr. Leder, kommissarischer Leiter des Lehr- und Versuchsforstamtes Arnsberger Wald: Man wisse momentan nicht mehr wohin mit dem Holz – zu viele Bäume haben die jüngsten Stürme geworfen, zu viele Borkenkäfer treiben ihr Unwesen; der Holzpreis ist als Folge dessen tief im Keller...

Lagern die Stämme zu lange ungeschützt im Wald, verrotten sie und werden Beute der Borkenkäfer. Das Vorhalten auf Nasslagerplätzen könnte zum Problem werden, falls dieser Sommer ähnlich trocken wird wie sein Vorgänger.

Schon kommt die Folienlagerung ins Spiel, mit der schon nach dem Orkan „Kyrill“ (2007) erste Erfahrungen gesammelt wurden. Damals fehlte allerdings der Aspekt „luftdicht“, die Ergebnisse fielen dementsprechend „suboptimal“ aus. 70 Prozent des „verpackten“ Holzes war nach etwa zwei Jahren noch ok, die restlichen 30 Prozent von Pilzbefall betroffen.

„Baden-Württembergisches Verfahren“

Zwölf Jahre später soll das Ergebnis optimiert werden – mit dem „Baden-Württembergischen Verfahren“ (weil dort schon teilweise erprobt) wollen die Forstleute bis zu fünf Jahre Lagerung und 100 Prozent intaktes Holz ermöglichen. Nicht nur der Landesbetrieb profitiert davon: „Wir möchten dieses Verfahren auch für kommunale und private Waldbesitzer nutzbar machen“, wie Andreas Wiebe, Leiter Wald und Holz NRW, betont.

Doch ist das Verfahren nicht zu teuer? „Zwölf bis 15 Euro pro Festmeter kostet es in der Anlage“, sagt Dr. Thomas Maier, Inhaber der ausführenden Firma „Wood-Packer“ aus Freiburg im Breisgau.Nasslagerung sei keineswegs ­kostengünstiger, so der Fachmann aus dem Schwarzwald weiter.

Das neue Verfahren sei eine Ergänzung zur Nasslagerung, helfe, die großen Mengen Holz zu „händeln“ und – mit Blick auf spätere Verarbeitung – den Wert des Holzes zu erhalten. Vorteile: der relativ geringe Aufwand – das Holz wird direkt im Wald, quasi in „Rück-Entfernung“, eingeschweißt und gelagert; außerdem bedarf es keiner besonderen Genehmigung.

Andreas Wiebe macht auf einen weiteren, wichtigen Aspekt aufmerksam: „Die Folienlagerung kann ein weiterer Baustein sein, um der Borkenkäfer-Katastrophe zu begegnen. Auf den alten Fichtenflächen arbeiten unsere Forstleute mit Herzblut daran, die neue Waldgeneration widerstandsfähig und klimafit zu machen.“
18 Frauen und Männer sind es im Wald bei Breitenbruch – ein gutes Team, sagt Lorenz Lüke-Sellhorst (Fachgebietsleiter Landeseigener Forstbetrieb), während seine Kollegin Lisa Stange das Prozedere erläutert:

So funktioniert’s

Zunächst legen die Forstwirte ein feines Gitter zum Schutz vor Nagetieren aus und breiten zwei Lagen Folie aus. Darauf werden fünf Meter lange Stammstücke gelagert – „gepoltert“, wie die Forstleute es nennen. „Wer den Ladekran führt, muss besonders präzise arbeiten – was über steht, könnte die Folie zerpieksen“, meint die Waldschutz-Fachfrau. Anschließend ziehen die „Holz-Christos“ zwei Folienlagen über den Holzstapel und verschweißen diese mit den zuvor ausgelegten Folien. So entstehen eine innere und eine äußere Hülle. Über ein Ventil lässt sich beobachten, wie viel Sauerstoff im Inneren ist, beziehungsweise, ob die Folie intakt ist.

Und das Ergebnis? „Wir untersuchen das Verfahren vor allem mit Blick auf Borkenkäfer und Holzqualität. Wie viele Käfer haben wir am Ausschwärmen gehindert?, Wie frisch bleibt das Holz?“, so Dr. Leder.

Die Polter werden ab 2020 bis 2025 nach und nach geöffnet – dann wird man sehen: „Schau’n mer mal“, wie der Kaiser sagt, aber der ist bekanntlich Fußballer, kein Forstwirt...

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