Prozess vor Landgericht

Illegaler Waffenhandel: Von Neheim über Menden nach Hagen

Zu Beginn im Prozess gegen einen langjährigen Ex-Mitarbeiter des Arnsberger Sportwaffenherstellers Umarex sitzt der Hauptangeklagte (M) neben seiner Anwältin Silke Ossendoth im Landgericht, während ihm die Handschellen von einem Justizbeamten abgenommen werden.

Zu Beginn im Prozess gegen einen langjährigen Ex-Mitarbeiter des Arnsberger Sportwaffenherstellers Umarex sitzt der Hauptangeklagte (M) neben seiner Anwältin Silke Ossendoth im Landgericht, während ihm die Handschellen von einem Justizbeamten abgenommen werden.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Arnsberg.  Von Umarex-Mitarbeiter gestohlene und montierte Waffenteile stehen am Anfang eines vor Landgericht Arnsberg verhandelten illegalen Waffenhandels.

Schon der Prozessauftakt gestern vor dem Landgericht Arnsberg zeigt klar auf, worum es im Kern geht. Nämlich um ein kriminelles Geschäft mit hohen Gewinnerwartungen. Die von Staatsanwalt Thomas Schmelzer vorgelesene Anklageschrift setzt den 47-jährigen Deutsch-Portugiesen aus Neheim an den Anfang eines sich ausbreitenden illegalen Waffenhandelsgeschäfts. Er war es, der die Waffenteile aus der Produktion seines damaligen Arbeitgebers Umarex aus Arnsberg zwischen 2015 und 2019 entwendete, zusammenbaute und später an den Mendener Dimitri H. (27) verkaufte.

Nach einem ersten Treffen der beiden Männer auf dem Parkplatz vor der Gaststätte „Alte Poststation“ in Wickede-Wimbern kam es in den folgenden Jahren an dieser Stelle zu diversen Waffen- und Geldübergaben. 250 Euro kassierte der Portugiese jeweils für die Walther P 22, Kaliber 22, später erhöhte er den Preis auf 350 Euro pro Stück. Die selbstladende Walther PK 380 soll Manuel V. nach Angaben des Staatsanwaltes für 500 Euro in Umlauf gebracht haben.

Zwischenhändler macht Gewinn

Laut Anklage machte die richtig großen Gewinn aber erst der Mendener Zwischenhändler. Er verkaufte die Ware an die drei Angeklagten aus Hagen und auch an einen Briten aus Dortmund, der in Unna eine Waffenwerkstatt betrieb. Im Vergleich zu den dann gezahlten Summen aber hatte der deutsch-portugiesische Umarex-Mitarbeiter allerdings „Schnäppchenpreise“ verlangt. Offenbar gingen nämlich im Weiterverkauf 750 bis 800 Euro für die Walther P 22 und sogar 1200 Euro und mehr für die PK 380 über den Tisch. Die Schauplätze des Handels hier waren weitgehend in Menden – mal auf dem Parkplatz einer Spielhalle, mal auf dem Parkplatz einer Fastfood-Kette.

Lange Anklageschrift

Allein eine Stunde dauerte vor dem Landgericht Arnsberg das Verlesen der Anklageschriften – gespickt mit Paragrafen aus dem Waffengesetz und Fachbegriffen aus der Welt der Waffen. Insgesamt listet die Anklage etwa 70 Waffen mit Teilen aus der Umarex-Fertigung auf. Dass es sich um Waffenhandel im großen Stil handelte, war schnell klar.

Und da saßen die überführten Beteiligten dann auf der Anklagebank: Der Deutsch-Portugiese, eher unscheinbar und etwas untersetzt mit angegrautem Haar, ganz vorne. Neben ihm in der Reihe eine Kante an Kerl aus Hagen mit kräftigen, tätowierten Armen. Ganz hinten der Mendener Dimitri H., ein in Kasachstan geborener Deutscher, mit kurzem Haar und skeptisch-scharfem Blick sowie ein seriös erscheinender Hagener, der optisch als Wunsch-Schwiegersohn Marke Maschinenbau-Student durchgehen könnte. Sie alle waren laut Anklage mehr oder weniger am Waffenhandel beteiligt.

Geständnisse denkbar

Nach dem Verlesen der Anklageschrift erhalten die Verteidiger Akteneinsicht. „Der Aktenumfang ist relativ groß“, sagt der Vorsitzende Richter Daniel Langesberg. Kurz werden Zuhörer, Angeklagte, Anwälte und Medienvertreter erneut in den Saal gebeten, um zu erfahren, dass es ein Rechtsgespräch geben wird. Dabei stimmen Verteidiger, Staatsanwalt und Gericht das weitere Verfahren ab. Denkbar ist, dass etwa Geständnisse bei den Einlassungen angekündigt worden sind. Staatsanwalt Schmelzer bestätigt, dass sich die Angeklagten auch im Vorfeld schon geständig gezeigt hätten. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir jetzt noch über jeden Anklagepunkt werden streiten müssen.“

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