Mittwochsinterview

Hirschbrunft: Das große Kraftspiel im Wildwald Voßwinkel

Michael Schoppe: Oberheger im Wildwald Voßwinkel.

Michael Schoppe: Oberheger im Wildwald Voßwinkel.

Foto: Martin Haselhorst

Voßwinkel.  Die Hirschbrunft im Wildwald Voßwinkel nimmt Fahrt auf. Wildwaldheger und -jäger Michael Schoppe (47) erzählt vom Naturschauspiel.

Die Hirschbrunft im Wildwald Voßwinkel nimmt Fahrt auf. Wildwaldheger und -jäger Michael Schoppe (47) erzählt vom beeindruckenden Naturschauspiel.

Warum ist die Hirschbrunft für uns Menschen so faszinierend?

Es ist ein in freier Natur selten zu erlebendes Naturschauspiel. Es ist ziemlich einzigartig, dass man so nah drankommt wie bei uns im Wildwald. Wir bieten Hirschbrunft in 4D - sie ist zu sehen, spüren, riechen und hören. Es ist einfach beeindruckend, wenn ein 200 Kilo schweres Tier in der Dämmerung aus dem Wald kommt und dampfend auf die Hirschwiese schreitet. Das ist für mich auch nach 25 Jahren als Jäger noch ein absolutes Gänsehaut-Feeling. Und die Schiebekämpfe sind dann ein richtiges Spektakel.

Was passiert genau bei der Hirschbrunft?

Die Hirsche vergleichen sich. Brunft ist Selektion - das beste Erbmaterial setzt sich durch. Zunächst gibt es die Rufduelle. Wer Masse hat, kann auch tief röhren. Bei den Parallelläufen laufen die Hirsche nebeneinander her und schauen sich an. Dann sind die Kräfteverhältnisse oft schon geklärt. Wenn dann aber immer noch nicht eindeutig geworden ist, wer der Stärkere ist, kommt es zu den Schiebekämpfen. Das ist ein reines Kräftemessen der Tiere. Verletzungen gibt es dabei normalerweise nicht. Das sieht die Natur nicht vor. Hier herrscht sogar eine Art Fair Play. Am Ende setzt sich nur ein Hirsch durch, der dann bei der Paarung mit allen Kühen zum Zuge kommt. Die Sieger sind dann irgendwo zwischen 12 und 14 Jahre alt. Unser stärkster Hirsch in diesem Jahr ist wahrscheinlich ein 22-Ender. Es kann aber auch immer anders kommen als man denkt, sonst wäre die Brunft ja langweilig.

Zu welchen Zeiten am Tag und wie lange ist die Brunft im Wildwald zu erleben?

Die Brunft beginnt Ende September und läuft eigentlich ganztägig bis Ende Oktober. Die Morgen- und Abenddämmerungen sind aber die Hauptzeiten - wenn es noch kühl ist. Die Hirschkühe senden mit ihren Düften das Initial, auf das die Hirsche dann mit der Brunft reagieren. Gesteuert wird diese innere Uhr in den Tieren über die Sonnenscheindauer am Tag und die Temperaturen.

Gibt es weitere vergleichbare Naturschauspiele der Tiere im Wildwald Voßwinkel, die weniger prominent sind?

Es gibt noch die Brunft des Dam- und Muffelwildes, die aber nicht so aufregend ist. Spektakulär sind auch die Keiler in ihrer Rauschzeit am Ende des Jahres. Den Keilern sollte man dann wie auch den Hirschen während der Brunft besser aus dem Weg gehen. Liebe macht ja bekanntlich blind.

Wieviel Rotwild gibt es im Wildwald Voßwinkel?

Wir haben derzeit 60 Tiere im 130 Hektar großen Rotwild-Areal. Wir sehen zu, dass wir immer 20 Hirsche, 20 Kühe und 20 Kälber haben. Diesen Bestand versuchen wir in einer angemessenen Altersverteilung so zu halten. Das geschieht auch über Bejagung, weil die Tiere natürlich nicht aus dem Gehege abwandern können. Der gesamte Wildwald ist 650 Hektar groß. Auch die Wildschweine und das Damwild haben bei uns eigene Areale.

Wieviele Besucher werden in diesem Jahr zu der Hirschbrunft in Voßwinkel erwartet?

Da werden auch in diesem Jahr sicherlich zehntausende Besucher zu uns kommen. Die Hirschbrunft ist die Attraktion im Wildwald. Besucher können sich selber auf den Weg machen oder aber familienfreundliche oder auch ganz spezielle Führungen buchen.

Was reizt sie am Beruf des Jägers und Hegers?

Das ist mein Traumjob. Da bin ich familiär vorbelastet. Ich habe meine Berufung zum Beruf machen können. Mich reizt die Natur und jeden Tag draußen zu sein und die Tiere und ihre Entwicklung zu beobachten. Man kennt ja irgendwann sogar den Charakter der Tiere.

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