Gelebter Glaube

Dietmar Röttger: „Wir sollten mutiger sein“

Dietmar Röttger

Dietmar Röttger

Foto: Schwarz

Hüsten.   Früherer Hüstener Pfarrer Dietmar Röttger schreibt ein Buch über sein pastorales Kundschafter-Jahr in Frankreich und den USA

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Dietmar Röttger, früher Pfarrer in St. Petri Hüsten und bald Propst in Soest, hat seine zwischenzeitlichen Erfahrungen als pastoraler Kundschafter in den USA und in Frankreich in einem Buch niedergeschrieben. Es ist ein gleichermaßen informatives wie unterhaltsames Buch entstanden, das durch die anschauliche Schilderung von gelebtem Glauben in anderen Ländern den Menschen in den heimischen Pfarrgemeinden manche Anregungen für ihren Glaubensalltag geben kann. Nachfolgend stellt unsere Zeitung Dietmar Röttgers Buch „Es geht auch anders!“.vor.

Röttger hat kein dröges Protokoll einer insgesamt zehnmonatigen Reise von Sommer 2016 bis Frühsommer 2017 verfasst, sondern beschreibt sehr anschaulich einzelne Erlebnisse beim zunächst siebenmonatigen Aufenthalt in Chicago und während des sich anschließenden dreimonatigen Besuchs im westfranzösischen Parthenay /Poitiers.

Freies Beten imponiert Röttger

In den USA imponierte Röttger das frei formulierte Gebet bei zahlreichen Anlässen. So war es durchaus üblich nach einer Chorprobe, gemeinsam für einen erkrankten und auch für einen plötzlich arbeitslos gewordenen Mitsänger zu beten und nicht nur „Gute Besserung!“ zu wünschen. Diese besondere Glaubensnähe spürte Röttger auch bei einem religiösen Besinnungstag für Jugendliche aus einer Highschool, als eine Jugendliche aus einem Leitungsteam abschließend einen religiösen Impuls geben sollte, doch plötzlich jedes Teammitglied für die Jugendliche betete. „Dabei legte ihr jeder die Hand auf die Schulter und sprach mit eigenen Worten ein kurzes Gebet. Ich habe selten eine so dichte und persönliche Atmosphäre in einem Leitungsteam erlebt“, schreibt Röttger in seinem Buch. Die Einordnung solcher Situationen brachte sein in Chicago gastgebender Pfarrer, Father Jason Malave, so auf den Punkt: „Gebet ist für uns in Amerika persönlich, aber nicht privat.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung konnte Röttger diese Einschätzung des US-Geistlichen vollends teilen und bedauerte gleichzeitig, dass der katholische Glaube in Deutschland vielfach als reine Privatangelegenheit betrachtet wird. „Wir sollten aber mutiger sein und es zumindest öfters versuchen, auch in privaten Kreisen oder in katholischen Vereinen wie Kirchenchor, KAB oder kfd namentlich auch für andere Menschen frei formuliert und somit ganz persönlich zu beten“, beschreibt Röttger ein Ziel, das er selbst künftig auch stärker verfolgen will. So könne das übliche Totengedenken in einer Jahreshauptversammlung durchaus mit persönlichen Worten für einzelne Verstorbene und dann mit einem frei formulierten kurzen Gebet für alle Verstorbenen verbunden sein. Dies könne ein kleiner Schritt auf dem Weg sein, Glaube stärker persönlich zu zeigen und ihn nicht als Privatsache zu empfinden. Röttger weiß natürlich, dass sich die deutsche Mentalität erheblich von der amerikanischen unterscheidet, „doch dies sollte kein unüberwindbares Hindernis für uns sein“, so Röttger.

Im Vergleich zu den USA könne katholische Kirche im heimischen öffentlichen Raum deutlich erlebbarer werden. Die schon vorhandene, große Bandbreite liturgischer Formen könne stärker genutzt werden und es sollte auch nicht vorschnell Berührungsängste geben. Mit Wohlwollen sah Röttger die katholische Kirche in Chicago, die die Nähe zum Sport suche. Kardinal Cupich habe dafür gebetet, dass die Chicago Cubs US-Basketballmeister werden.

Mögliche Blaupause für Neheim

Röttgers Erfahrungen in Frankreich sind insbesondere für die derzeitige Neustrukturierung von ehrenamtlichem Engagement in heimischen Gemeinden interessant. In Frankreich gibt es die „Equipe d’Animation Pastorale“, die man wie eine Blaupause für künftige Gemeindeteams in der Neheimer Pfarrei St. Johannes lesen könnte. Dort gibt es klare Zuordnungen für ehrenamtliche Tätigkeiten. Es gibt jeweils einen Verantwortlichen für Gebet/Liturgie, Katechese / Glaubensweitergabe, caritatives Wirken sowie für materielle Dinge.

Neue berufliche Aufgabe in Soest

Dietmar Röttgers Buch „Es geht auch anders! - Inspirationen aus der Kirche in Frankreich und den USA“ ist im Bonifatius-Verlag erschienen. Es ist im Buchhandel für 9,90 Euro erhältlich;
ISBN: 978-3-89710-764-9.

Dietmar Röttger, der von 2003 bis 2016 Pfarrer von St. Petri Hüsten war, leistete im Auftrag des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker ein pastorales Kundschafter-Jahr von Sommer 2016 bis Frühsommer 2017 in Chicago und anschließend im westfranzösischen Parthenay / Poitiers. Erfahrungen aus Röttgers Reise können Impulse für die Arbeit in den Pfarreien des Erzbistums setzen.

Der 50-jährige Priester Dietmar Röttger steht kurz vor der Übernahme einer neuen beruflichen Aufgabe: Er wird Propst in Soest. Röttger wird am Sonntag, 18. Februar, um 15 Uhr in einer Festmesse im Soester St.-Patrokli-Dom ins Amt eingeführt.

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