Wort zum Sonntag

Böttcher: „Machen, lieben und loslassen“ in Corona-Zeit

Propst Hubertus Böttcher aus Arnsberg

Propst Hubertus Böttcher aus Arnsberg

Foto: Martin Haselhorst / WP

Das Wort zum Sonntag von Propst Hubertus Böttcher aus Arnsberg.

Diese Tage sind durch eine seltsame, manchmal quälende, manchmal geheimnisvolle Ruhe gekennzeichnet. „Shut down“ – alles herunter gefahren. Diese seltsame Stille schlägt vielen aufs Gemüt. Was kann man da tun?

Der Coach Otmar Pichler, der Menschen in prekären Situationen begleitet, empfiehlt als eine Art Selbstmanagement, wenn nichts mehr geht, drei Alternativen: Change it – love it – leave it. Was kann das heute und hier bedeuten?

1. „Change it“ – mach etwas! Das heißt: Pack an, erkennen Deinen Auftrag! Verändere die Situation, kremple die Ärmel auf und packe es an: handle, führe ein Gespräch, kläre eine Situation, triff eine Entscheidung. Vieles wird zu unserer Hoffnung und zu unserem Heil auch getan, von Krankenschwestern, Ärzten, Forschern, Politikern, Senioren, Jugendlichen, …Wir dürfen uns dankbar mit all denen verbinden, die nach Veränderung und Lösungen suchen nicht nach einem primär egoistischen Motiv sondern zum Wohle des größeren Ganzen, zum Wohle der Gesellschaft, zum Wohle des Lebens.

2.„Love it“: stell dich darauf ein!Der zweite Weg ist genauso wichtig. Wenn du die Situation nicht ändern kannst, Andere nicht ändern kannst, dann ändere dich selbst, diese Möglichkeit steht dir immer offen. Ändere deine Einstellung nach dem Grundsatz: „Ich akzeptiere, was nicht zu ändern ist und mache das Beste daraus.“ Anstatt sich zu ärgern oder Schuldige zu suchen und Versicherungstheorien zu entwickeln und zu suchen, wer der Schuldige ist, ist es sinnvoller, sich auf das „Wetter“ (= die Gegebenheiten) einzustellen und entsprechend zu handeln. Schwierige Situationen können so beispielsweise zu unserer persönlichen Entwicklung beitragen. Sie bewirken, dass wir die Komfortzone verlassen und unsere inneren Potenziale aktivieren und weiterentwickeln.

3. Leave it – lass es los. Der dritte Schritt ist vielleicht der Schwerste. Anstatt gegen Windmühlen zu kämpfen, sich den negativen Gefühlen der Angst oder des Ärger oder der Wut hinzugeben, den Raum zu wechseln, In die Gegenwart des Augenblicks einzusteigen. Glücklich sein in der Ohnmacht. Die kleine Liebe des Alltags zu schenken. Einen Apfelbaum pflanzen, wenn morgen die Welt untergeht.

Viktor Frankl hat das im Konzentrationslager praktiziert und daraus seine sinnorientierte Logotherapie entwickelt. Die Kraft, die mit dieser Einstellungsänderung verbunden ist nannte er die „Trotzmacht des Geistes“ und er beschrieb sie unter anderem in seinem lesenswerten Buch: „Trotzdem ja zum Leben sagen“ Eine gute Zusammenfassung dieser Gedanken findet sich im Gelassenheitsgebet, das (unter anderem) dem Hl. Franz von Assisi zugeschrieben wird:

„Gott schenke mir den Mut zu ändern, was zu ändern ist. Gott schenke mir die Demut, das hinzunehmen, was nicht zu ändern ist. Und Gott schenke mir die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.“

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