Kegeln

„auffe Maua“ ist Arnsbergs älteste Kegelgaststätte

Ein Postkarte, geschrieben am 31. Dezember 1906, zeigt die damals noch offene, aber überdachte Kegelbahn des Hotel Helmert. Hier zwischen Groten Turm und Sauerland-Museum.

Ein Postkarte, geschrieben am 31. Dezember 1906, zeigt die damals noch offene, aber überdachte Kegelbahn des Hotel Helmert. Hier zwischen Groten Turm und Sauerland-Museum.

Foto: Archiv Wolfgang Becker

Arnsberg.  Am Alten Markt purzelten schon vor fast 140 Jahren die Kegel. Und auch heute fallen in dem beliebten Kegler-Treff noch immer „alle Neune“.

Die Kegelgaststätte „auffe Maua“ hinter dem Hotel „Zum Landsberger Hof“ hat eine bewegte Geschichte und spielt seit kurzem eine bedeutende Rolle in der Historie der Stadt. Nach jetzt gefundenen Unterlagen ist die urige Kneipe, die auf der alten Stadtmauer gebaut wurde, die älteste noch in Betrieb befindliche Kegelgaststätte im Stadtgebiet Arnsberg.

Ein Blick in die wechselhafte Geschichte der kleinen Gaststätte mit der Hausnummer 9 an der ehemaligen „Marktstraße“: 1881 übertrug laut Grundbuchauszug der Besitzer des damaligen „Hotel Helmert“ das Hotel mit Gartenwirtschaft und Kegelbahn an seine drei Töchter und einen Schwiegersohn. Somit ist die Kegelbahn eindeutig älter als 1881.

1933 wollte ein Gerber die Kegelbahn sogar als Färberei nutzen

Ende der 1920 Jahre reichte schließlich der damalige Besitzer Heinrich Frachter einen Bauantrag bei der Stadt Arnsberg ein, um die inzwischen baufällige Kegelbahn renovieren und erweitern zu können.

1933 wollte dann ein Gerber die Kegelbahn als Färberei nutzen, dieses Vorhaben verlief - aus heutiger Sicht der Kegelfreunde - glücklicherweise im Sande.

Doch Hotel und Kegelbahn kamen 1938 unter den Hammer, bei der Zwangsversteigerung erhielt die Arnsberger Löwenbrauerei der Familie Höynck den Zuschlag.

Amerikanische Streitkräfte nutzen Hofgarten als Lager

Nach dem Zweiten Weltkrieg war im Hofgarten auf dem Dach der Gaststätte (heute Parkplatz) über mehrere Monate das Lager der Amerikanischen Streitkräfte untergebracht.

Im Jahre 1953 erwarb der Wirt der „Krim“, Hans Willmes sen., die Gaststätte, 1988 wurde das Gebäude an die Familie Josef „Jupp“ Wiegelmann verpachtet. Nach dem Tod von „Jupp“ führten seine Frau Lucia mit Hilfe von Tochter Teresa die Gaststätte bis Anfang 2012 weiter.

2018 machte sich der neue Pächter Uwe Schmidtke auf Spurensuche

Seit Januar 2018 nun ist die Kegelgaststätte an Uwe Schmidtke verpachtet und wird unter dem Namen „auffe Maua“ geführt. Und der neue Pächter machte sich auf Geschichtssuche. Denn Klaus Willmes vom benachbarten Hotel meinte, dass dies wohl die älteste Kegelbahn der Stadt sei.

„Diese Nachricht hat mich natürlich sofort interessiert, aber in den Anfangsmonaten nach der Übernahme hatte ich einfach keine Zeit, zu recherchieren“, erzählt Uwe Schmidtke beim Gang über die Kegelbahn.

Wichtige Informationen im Stadtarchiv und Katasteramt gefunden

Dann habe ihn der Gedanke aber doch nicht losgelassen und er habe als erstes beim Bauamt der Stadt Arnsberg nachgefragt.

„Hier gab es aber nur Unterlagen ab 1926, allerdings fand ich einige Zeit später im Stadtarchiv und beim Katasteramt einige wichtige Informationen“, erzählt Schmidtke.

Seine Aktivitäten seien dann erstmal wieder ein wenig eingeschlafen, bis Anfang dieses Jahres der neue Denkmalpflegeplan für den Stadtteil Arnsberg vorgestellt wurde, in dem in einer Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert die Kegelgaststätte skizziert ist.

Grundbuchauszug bringt Auflösung

Und auch bei der Durchsicht einer alten Postkartensammlung wurde Uwe Schmidtke fündig, auf einer versendeten Ansichtskarte von 1906 erkennt man links neben dem Sauerlandmuseum deutlich die gemauerte Anlage mit den Fenstern der Kegelbahn.

Die endgültige Auflösung des Rätsels um das Alter der Kegelgaststätte erbrachte dann der Grundbuchauszug des Amtsgerichts aus dem Jahre 1881.

Von den „Gebückten Püppchen“ bis zu den „Kellerludern“

Die älteste Kegelbahn Arnsbergs ist mit derzeit 31 gebuchten Kegelclubs gut ausgelastet. Clubs wie „Lokomotive Brüllwitz“, „Die Monkeys“ aber auch „Gebückte Püppchen“ oder „Die Kellerluder“ treffen sich regelmäßig bei Uwe Schmidtke „auffe Maua“.

Und wenn die Kugel bei dem ein oder anderen mehrmals an diesen Abenden in die Rinne geht und er später zum „Pumpenkönig“ gekrönt wird, hat der Wirt schon die Biere für die gespendete Runde angezapft – wie vor fast 140 Jahren.

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