Gastronomie

Zum Rauchen aus dem Hochsauerland lieber nach Hessen

Die Wirte im HSK klagen sich weiterhin über das strenge Rauchverbot in NRW.

Foto: Lutz von Staegmann

Die Wirte im HSK klagen sich weiterhin über das strenge Rauchverbot in NRW. Foto: Lutz von Staegmann

Brilon.   Wirte im HSK beklagen ausbleibende Gäste wegen des Nichtraucherschutzgesetzes. Nachtschwärmer fahren nach Willingen, wo das Verbot nicht greift.

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In Zelten, Häuschen oder im Gartenpavillon: Die Briloner Wirte lassen sich einiges einfallen, um es ihren rauchenden Gästen bequem zu machen. Trotzdem: Manchmal bleiben sie im Regen stehen. Vor gut zehn Jahren trat das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft, seit Mai 2013 darf gar nicht mehr in Gaststätten geraucht werden. Für viele Gastronomen ein Grund zur Sorge über ausbleibende Gäste. Bei manchen tauchten allerdings ganz andere Probleme auf.

Die Dorf Alm: In der ersten Zeit hat das Verbot abgeschreckt

In einem kleinen Verschlag rauchen die Gäste von Carmen Brinkmann. Ein Heizstrahler spendet im Winter Wärme, wenn die Raucher draußen vor der Dorf Alm in Winterberg zittern. „Natürlich sorgt das für weniger Geselligkeit“, sagt Carmen Brinkmann. Nichtraucher würden allein an der Theke zurückbleiben. Allerdings sei sonst immer etwas los. „In der ersten Zeit hat das Verbot natürlich abgeschreckt. Aber die meisten haben sich daran gewöhnt“, sagt die Gastronomin. Die Feierlustigen bleiben also nicht weg und für Carmen Brinkmann ist das Verbot nicht allzu schlimm.

F „Von mir aus können die Gäste ruhig an der Theke oder in Kneipen rauchen. Nur im Restaurant muss das nicht sein.“

Der Kump: Das schadet der Biergastronomie

„Draußen vor der Tür“, entgegnet Gisbert Kemmerling, Betreiber der Musikkneipe Kump in Brilon lapidar auf die Frage, wo seine Gäste nach dem Verbot rauchen. Das Nichtraucherschutzgesetz ist kein Thema, über das er gerne redet. „Das Verrückte ist ja, am Ende steht der Wirt allein da. Wenn die Gäste draußen rauchen, weil ein Gesetz es regelt, beschweren sich die Nachbarn über den Lärm und rufen die Polizei. Aber: Was soll der Wirt dagegen machen?“ Oft würden Nachbarn massiven Druck ausüben. Die Folge: die gelbe, dann die dunkelgelbe, dann die rote Karte. „Dann machen die Leute zu“, sagt Gisbert Kemmerling. Die Gäste würden nicht mehr kommen, besonders, wenn es im Winter minus 15 Grad sei. „Das schadet der Biergastronomie, denn die bleiben gleich zu Hause, weil sie keine Lust haben rauszugehen“, so Gisbert Kemmerling. Eine Lösung sieht er nicht, denn die Politik verbietet geschlossene Räumlichkeiten wie Zelte oder Ähnliches vor der Tür. Ämter und Behörden würden ebenfalls keine Antwort auf diese Probleme geben. „Das größte Problem hier ist aber der Standort. Wir sind hier in Brilon. Wer will, fährt zehn Kilometer weiter nach Willingen, das ist schon Hessen. Dort gilt das Rauchverbot nicht. Ist ja keine bundesweite Sache und somit für manche Wirte sehr unfair“, erklärt Gisbert Kemmerling.

G „In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich bin selbst Nichtraucher und froh, dass man im Restaurant nicht mehr rauchen darf. Auf der anderen Seite werden wir dazu erzogen, mündige Bürger zu sein, da kann man doch selbst entscheiden, was man in der Kneipe macht.“

Der Blackwater Irish Pub: Stadt verbietet Zelt aufzubauen

Daniel Corcoran errichtete ein Zelt für seine Raucher. Top Qualität, wasserdicht, warm, besonders praktisch im Winter. In diesem Jahr blieb das Zelt im Keller. „Die Stadt hat mir nicht erlaubt, das Zelt aufzubauen“, sagt der Betreiber des Blackwater Irish Pub in Winterberg. Die Gäste kommen trotzdem, das gute Essen und die Live-Musik seien wichtiger als das Qualmen. „Klar, es kommen weniger Gäste seit dem Verbot. Es hat sich aber nicht dramatisch verändert, ich verkaufe bloß mehr Essen, seitdem das Rauchen in der Kneipe verboten ist“, sagt Daniel Corcoran. Trotzdem will der die Raucher unter seinen Gästen nicht ausschließen und versucht im nächsten Jahr wieder, sein Zelt durchzusetzen.

F „Das Verbot ist schon okay in Gaststätten, wo man isst. Eine Aufhebung wünsche ich mir nicht, die Gäste haben sich ja ohnehin schon daran gewöhnt.“

Das Celtic Corner: Im Winter leide das Thekengeschäft

Vor dem Briloner Irish Pub Celtic Corner steht ein kleines Holzhäuschen, wie ein Gartenpavillon. Darin ein Aschenbecher für die Raucher. „Im Sommer ist das mit dem Biergarten ja alles kein Problem“, sagt Carolin Becker vom Irish Pub. Aber besonders im Winter leide das Thekengeschäft unter dem Rauchverbot. „Schon am Anfang sind unter der Woche viele Menschen zu Hause geblieben“, sagt sie. Mittlerweile habe sich das mit dem Verbot eingependelt. „Es ist keiner mehr motzig.“ Für die Mitarbeiter sei das Rauchverbot sogar positiv, denn der Rauch habe die Augen angegriffen.

F „Das ist kein großes Thema mehr...“

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