Straßenbau

Woher soll B7n zwischen Nuttlar und Brilon führen?

B7n: Infoveranstaltung zu Varianten der Streckenführung in der Schützenhalle Altenbüren am Donnerstag, 13. Juni 2019, Straßen NRW stellt die Pläne vor.

B7n: Infoveranstaltung zu Varianten der Streckenführung in der Schützenhalle Altenbüren am Donnerstag, 13. Juni 2019, Straßen NRW stellt die Pläne vor.

Foto: Sonja Funke

Altenbüren.   Die einen wollen zurück an den Anfang, die anderen neue Wege: Warum Bürger und Planer bei der B7n ganz unterschiedliche Varianten bevorzugen.

Der B7n-Prozess ist wieder ins Rollen gekommen, am Donnerstag in der Schützenhalle Altenbüren. Und eins wird schon hier, zum Start des Dialogs, deutlich: Die Bürger möchten Variante 1, also jene, die auch hinter Antfeld einfach weiter hinaus entlang der Hochspannungstrasse, weit weg von Wohngebieten in Altenbüren und Brilon, führt. Jene, deren Planung vor drei Jahren durch Raubwürger und Feldlerche gestoppt wurde, die dort leben sollen - vom Aussterben bedrohte Vogelarten. In ganz NRW gibt es noch 20 Raubwürger-Paare.

Was zählt der Mensch, was zählt der Vogel? Was zählt der Verkehr, was meint die Öffentlichkeit? Wie rechtssicher kann geplant werden? Um diese drei Fragen-Blöcke dreht sich die erste Info-Veranstaltung hin zu einem Ziel, das Straßen NRW, so wird klar, gesetzlich verfolgen muss: eine Straße zu bauen.

Planungsauftrag

Wenn Straßen NRW mit 15 Mitarbeitern zu einer ersten Bürgerinfo-Veranstaltung kommt und die Reihen bis auf den letzten der 250 Stühle gefüllt sind, dann kann es nur um eins gehen, die B7n. Und ihr Bau drängt: Er drängt die Bürger zwischen Nuttlar und Brilon, denen - ebenfalls in der Veranstaltung - 50 Prozent mehr Schwerlastverkehr in den nächsten 20 Jahren avisiert wurde. Er drängt die Straßen-NRW-Mitarbeiter, die beim Bund in der Pflicht stehen und zwar von ganz oben über das Bundeswegegesetz, endlich eine Straße nicht mehr nur zu planen, sondern auch zu bauen. „Wir werden eine Vorzugsvariante festlegen“, machte Projektleiter Lars Voigtländer die Grundregel des Ablaufs klar. Ein Prozess, der aber wohl noch nicht in diesem Jahr den nächsten Schritt, die Einreichung der Unterlagen zum Linienbestimmungsverfahren beim Bund, erleben wird.

Dafür braucht es im Finale, nach aller letztlich auch offizieller Bürgerbeteiligung, Ratsbeschlüsse für eine Vorzugsvariante. Die Bürgermeister jedenfalls sprechen sich am Donnerstag ebenfalls für eine erneute Prüfung von Variante 1 aus, die so viele Vorteile bündelt.

Umwelt und Natur

Nur beim Artenschutz schneidet sie schlechter als andere ab. Eine Lösung könnte auch lauten, den Raubwürger umzusiedeln, wofür 100 Hektar und damit 142 Fußballfelder freier Raum nötig wären. Und noch dazu der Nachweis, dass Alternativvarianten nicht einfacher umsetzbar sind. Dann wären da immer noch Feldlerche oder Neuntöter. Wenn all diese Arten denn überhaupt noch da sind, etwa nach dem Bau der benachbarten Windkraftanlagen nebst Infrastruktur. „Bitte klären Sie dies jetzt“, bat Winfried Rampe, VUNH (Verein für Umwelt- und Naturschutz Hochsauerland), das Podium. Auch die anderen Varianten sind allerdings naturschutzrechtlich nicht unproblematisch.

Die Öffentlichkeit

Bund und Land wollen unbedingt und schnell diese Fernstraße als wichtige Netzverbindung des unteren Sauerlandes von der A445 zur A33. Wie nah aber dürfen Varianten an die Wohngebiete? Wie lange halten andererseits die Anwohner der B7, die seit über 35 Jahren warten, noch aus? Jene, die sich nicht mehr trauen, ihre Kinder über die Straße laufen zu lassen, weil ein Lkw dem nächsten folgt. Und jene, denen am Donnerstag prognostiziert wird, dass es, sobald in Nuttlar offen ist, noch mehr werden. Eben weil der Fernverkehr dann noch schneller ein Stück weiter kommt.

Start für Bürgerdialog und Bürgerbeteiligung

„Was, wenn man einen Deckel über die Straße baut, damit die Vögel nicht gestört werden?“, lautete ein besonderer Vorschlag, über den auch die Ingenieure erstmal nachdenken müssten. Er würde wohl, ebenso wie die auch existierende Brücken-Variante-8, die Kosten-Nutzen-Abwägung nicht überstehen. Will heißen: zu teuer!

Nach zweieinhalb Stunden ist auch klar, warum sich die Straßen-NRW-Ingenieure von der IFOK-GmbH im Bürgerdialog unterstützen lassen. „Glauben Sie mir, Sie wollten hier vorne nicht stehen“, wirft der Moderator zu Gunsten der Experten ein. Und zu Gunsten der Bürger: „Prüfen und Reden ist ein gutes Schlusswort für heute, das kann nur unterschrieben werden.“ Viele Bürger nutzen danach unmittelbar ihre Chance, stellen weitere Fragen und füllen Bögen mit Ideen, Kritik und der Kontaktadresse aus.

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