Stadtentwicklung

Wie geht es nach „Stadthotel“-Aus in Brilon weiter?

Fast vier Jahre lang befanden sich hier die bei archäologischen Schürfungen aufgeschobenen Erdhügel, jetzt ist das "Stadthotel"-Gelände in der Springstraße planiert. Das Hotel ist ad acta gelegt, offen bleibt, was jetzt aus dem Grundstück wird.

Fast vier Jahre lang befanden sich hier die bei archäologischen Schürfungen aufgeschobenen Erdhügel, jetzt ist das "Stadthotel"-Gelände in der Springstraße planiert. Das Hotel ist ad acta gelegt, offen bleibt, was jetzt aus dem Grundstück wird.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.   Nach dem gerichtlichen Baustopp für das Stadthotel gibt es in Brilon Sorgen über eine „Verengung“ der Innenstadtentwicklung.

Vor genau fünf Jahren, Anfang 2014, war der Bagger erstmals in der Springstraße im Einsatz. Damals riss er die alte Häuserzeile ein und schuf Platz für das dort geplante „Stadthotel“. In der vergangenen Woche packte der Löffel wieder zu. Aber nur für einen Tag. Um das Gelände zu planieren und die Ansicht aufzuhübschen.

Das Projekt „Stadthotel“ ist nach dem massiven Protest der Anlieger gestorben. Investor Bernhard Penno hegt andere Pläne: „Mit dem letzten Schritt will ich aber noch warten.“

Verkauf des Geländes „letzter Schritt“

Der letzte Schritt, das wäre der Verkauf der Geländes an einen potentiellen Investor. Von denen, sagt Penno, hätten bereits mehrere Kontakt aufgenommen. Keine Frage: Handelt es sich bei dem 3465 qm großen, ebenen Areal in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz um eine Filetstück höchster Qualität.

Nach intensiven Vorplanungen und Gesprächen mit Anliegern hatte das Oberverwaltungsgericht Münster im Juni 2017 per Eilentscheidung den Baustopp für das Hotel-Projekt zementiert, die Stadtverwaltung zog daraufhin die Baugenehmigung für das Hotel zurück und das Verwaltungsgericht Arnsberg stellte daraufhin auch das Hauptsacheverfahren ein.

„Gebietsgewährleistungsanspruch“

Grund: Für die Gerichte hatte der Wohngebiets-Charakter des von Scharfenberger Hof, Oberer Mauer und Springstraße umgrenzten Bereichs Vorrang vor den in Steinwurfweite entfernten Marktcentrum oder der Sparkasse. Die hatten Stadtverwaltung, Politik und Investor als Referenzobjekte für das Obere Quartal angeführt. Dort, so Beigeordneter Reinhold Huxoll, habe es schon immer „Handwerk und Dienstleister“ gegeben. Das Gericht allerdings hatte den enger gefassten „Gebietsgewährleistungsanspruch“ der Anlieger betont.

Was nun? „Potentielle Investoren machen sich sicher schon Gedanken“, so der Beigeordnete weiter. Laut Baunutzungsverordnung seien in einem „Allgemeinen Wohngebiet“ wie hier beispielsweise ein Arzthaus, Physio-Praxen, Alten- und Pflegeeinrichtungen, aber auch ein verdichteter reiner Wohnkomplex möglich. Damit aber werde die Belastung der Anlieger nicht geringer, sonder eher im Gegenteil - „Das ist ja der Irrsinn bei der Sache“, kann sich SPD-Sprecher Hubertus Weber noch immer über die Entwicklung echauffieren.

Und auch Karin Bange (CDU) stellt die Frage in den Raum, ob sich die Anlieger „da nicht in den eigenen Finger geschnitten“ haben. Denn zu glauben, dass die nach dem Abriss der früheren Häuserzeile entstandene Freifläche mit dem Blick auf die Propsteikirche auf Dauer so bleiben würde, sei „naiv“.

Wie sollen Quartale für Zukunft aufgestellt werden?

Einen reinen Wohn-Komplex möchten weder die Verwaltung noch die Politik dort haben - eben wegen der von den Verwaltungsgerichten vorgenommenen Rechtsgüterabwägung. Hubertus Weber: „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Quartale städtebaulich aufstellen.“ Eine weiter zunehmende Wohnbebauung könnte im Stadtkern zu weiteren „Verengungen“ für Dienstleister, Handel und Handwerk führen, so Beigeordneter Huxoll.

Für Unternehmer Bernhard Penno selbst ist das keine Option: „Wohnungen gehören nicht zu meinem Geschäftsmodell.“ Ihm liege eine Belebung der Innenstadt am Herzen - „mehr Traffic“, wie er sagt. Das ist allerdings nicht wörtlich als Straßenverkehr zu verstehen, sondern im Sinne von Frequentierung durch Menschen. Er stelle sich darunter Geschäftsreisende und Erholungssuchende vor, die hier hinkommen, tagsüber etwas unternehmen und sich abends in einem der Restaurants und Lokale in der Kernstadt einkehren - „Das ist das ruhigste Klientel, das ich mir vorstellen kann.“ Bus-Tourismus habe das Marketing-Konzept nicht vorgesehen.

Anfrage für Hotel im Kreishauspark

Was immer nun bei der weiteren Nutzung des Geländes herauskomme sei deshalb „nicht die ideale Lösung“. Was er denn konkret mit dem Grundstück in bester Lage vorhat, mag er nicht verraten: „An allen Gerüchten ist etwas dran“, lässt er den Fragesteller zappeln.

Ein Hotel-Anfrage hat es auch für einen weiteren Innenstadt-Standort, den Kreishauspark, gegeben. Dort wollte ein Investor ein Business-Hotel bauen. Ohne Schnickschnack, ein reines Nachtquartiert. Dafür, so CDU-Stadträtin Karin Bange, sei die Lage am Rothaarsteig zu schade.

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