Geschichte

Umfangreiches Buch zu Briloner Glocken und Gießereihandwerk

Tausende Arbeitsstunden investierte das Autorenteam in das Buch "Glocken aus Brilon"

Tausende Arbeitsstunden investierte das Autorenteam in das Buch "Glocken aus Brilon"

Foto: Monika Wiegelmann

Brilon.  Der Heimatbund Semper Idem stellt das neue Buch „Glocken aus Brilon“ vor. Die Recherchen stellen deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal heraus.

Es ist ein Werk, das in seiner Einzigartigkeit nicht nur in Brilon Aufmerksamkeit finden wird. Der Heimatbund Semper Idem e.V. stellte jetzt das neue Buch „Glocken aus Brilon“ der Serie „Vergangene Zeiten. Geschichten aus Brilon“ vor.

Band 7 ist der Briloner Glockengießerei mit seiner Glockengießerschule aus regional-, heimat- und familiengeschichtlicher Perspektive gewidmet. Den Anstoß für das Buch gab Prof. Dr. Winfried Humpert aus der Briloner Glockengießerdynastie.

Klangproben im Internet

Als Besonderheit zum Buch gibt es über die Homepage des Hauses Hövener Internetlinks mit umfangreichen Infos wie Klangbeispiele von Geläuten. Ein Werksverzeichnis von 1918 bis 1958 zeigt, dass Briloner Glocken in die ganze Welt geliefert wurden, wie 1920 nach Niigata/Japan, 1923 nach Prieka/Lettland, 1926 wurde ein 5.784 schweres Exemplar (vermutlich erhalten) nach Chicago verschifft und 1954 oder 1955 nach Jacoubie/ Syrien.

Vorsitzender Winfried Dickel dankte den vielen Menschen, welche die Arbeit an dem Band in unterschiedlichster Weise unterstützten. Vor allem den Hauptautoren des Buches: Gerhard Best und Dipl.-Theologe Theo Halekotte (beide Glockensachverständige Erzb. Paderborn), dem Psychologie Prof. Dr. Winfried Humpert, Dr. phil. Claus Peter (Sachverständiger für Glocken, Glockenstühle und mechanische Turmuhren für die ev. Kirche von Westfalen), Heinz-Walter Schmitz (Diözesandirektor, Domkantor und Glockensachverständiger Bistum Passau) und Gunter Kotthoff (Regierungsvermessungsdirektor a.D.) haben ein Buch mit 256 Seiten zusammengestellt.

Erfindungen aus Brilon

Ein wichtiger Teil der Glockenforschung wurde in die Cloud hochgeladen. „Sonst wäre das Buch noch 70 Seiten dicker geworden und in eine andere Preisklasse gekommen“, erklärt Winfried Dickel. Prof. Dr. Winfried Humpert lebt seit 40 Jahren in Konstanz. „Im Glockenmuseum in Apolda kam mir der Gedanke: Man könnte ja mal ein Buch über Glocken schreiben.“ Aber der Verlag in Konstanz zeigte kein Interesse. Da ging er mit einem Konzept zu Dickel und der entschied kurzerhand: „Das machen wir. Wieviel Seiten willst Du schreiben?“ Er habe dann 18 Monate sechs Tage in der Woche vier Stunden mit Recherchen und Lesen verbracht. „200 Jahre Briloner Glockengeschichte. Das ist gigantisch.“

Als er einmal völlig am PC verzweifelte, sei Gunter Kotthoff seine Rettung gewesen. „In den letzten 18 Monaten war ich öfter hier als in den letzten 20 Jahren. Brilon liegt mir am Herzen.“

1500 Glocken in Brilon gegossen

Theo Halekotte berichtete: „Von 3.500 Glocken im Erzbistum wurden etwa 1.500 in Brilon gegossen. Im Erzbistum gab es keinerlei Unterlagen, woher sind die Glocken und was im Laufe der Zeit mit ihnen passierte.“ Er fand heraus, dass die Briloner Glockengießerei in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal hatte, weil hier immer wieder Erfindungen gemacht wurden. „Seit 1977 bin ich mit Pastor Best herumgefahren und wir haben rund 1.000 Glocken aus Brilon angeschaut und inventarisiert.“

Konzept über die Glockenschule

Dipl.-Ing. Gunter Kotthoff: „Mein Kollege beim Landesstraßenbauamt Reinhold Humpert hat alles gesammelt, was mit Glocken zu tun hat“. Kotthoff zog vor sechs Jahren nach Brilon und wohnte im Haus neben Heinz Humpert. Professor Humpert hörte, dass er gerne fotografiert und gute Kenntnisse in grafischer Daten- und Bildverarbeitung hat. So schloss sich der Kreis und er stieß zum Glockenteam. Dann stießen auch Dr. phil Claus Peter und Heinz-Walter Schmitz hinzu.

„Die Glockenschule, die es sonst nirgendwo gab, war ein Konzept von moderner Lernschule, es gab Lernbriefe“, so Prof. Humpert. Schmitz erarbeitete ein Konzept über die Glockenschule, die auch angefeindet wurde, weil Glockengießer ihre Handwerkskunst eigentlich mit ins Grab nahmen. „Das Buch ist eine hervorragende Arbeit“, betonte Carsten Schlömer (Wissenschaftl. Mitarbeiter Haus Hövener). Und es habe einen wunderbaren Zusatz mit dem Internetlink. Wer kein Internet hat, kann im Museum Online gehen.

Kurzinterview

Regierungsvermessungsdirektor Der Gunter Kotthoff arbeitete ebenfalls an dem 256 Seiten umfassenden Werk über Brilons Glocken mit.

Herr Kotthoff, wann haben Sie begonnen, sich im Autorenteam einzubringen?

„Ich bin seit einem Jahr dabei. Seit Professor Humpert die Brocken hinwerfen wollte. Er hatte von meinem Nachbarn Heinrich Humpert gehört, dass ich gerne fotografiere“.

Haben Sie sich früher schon für Glocken interessieren können?

„Nein, ich habe mich früher gar nicht mit Glocken befasst. Und bin da so reingeschlittert. Aber wenn ich danach im Urlaub war, hatte ich dann nur noch Augen für Kirchtürme und Glocken. Bis meiner Frau der Kragen geplatzt ist und sie sagte: Jetzt lass mal die Glocken in Brilon.“

Wie viele Stunden haben Sie bisher bereits in die Arbeit für das Buch über Brilons Glocken investiert?

Sicher etwa 300 Stunden, und ich bin noch lange nicht fertig.

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