Jubiläum

Pfarrer hielt Technisches Hilfswerk Hesborn für eine Sekte

Abschlussprüfung zur Helfergrundausbildung beim THW Hesborn

Abschlussprüfung zur Helfergrundausbildung beim THW Hesborn

Foto: Rita Maurer

Hesborn.   Das Technische Hilfswerk in Hesborn wird 50 Jahre alt. Was hatte Gustav Heinemann damit zu tun und wieso hielt der Pfarrer das THW für dubios?

Was hat der ehemalige Bundesinnenminister Gustav Heinemann mit Hesborn zu tun? Er regte 1950 die Gründung des Technischen Hilfswerks (THW) mit der Idee an, dass sich Ehrenamtliche für den Schutz der Bevölkerung und notleidende Menschen engagieren.

Mitgliederwerbung vor der Kirche

Vor 50 Jahren entstand auch in Hesborn ein THW-Ortsverband. Die Planungen begannen schon fünf Jahre vorher. Im Gasthof Niggemann - bis heute Stammlokal - trafen sich 13 Männer (siehe Infobox) und überlegten, ob und wie man eine THW-Gruppe ins Leben rufen könnte, die dem Ortsverband Meschede angeschlossen werden sollte. Dort fanden auch die ersten Ausbildungen statt. Als Unterkunft in Hesborn dienten für 50 Mark monatlich zwei Räume in der ehemaligen Schule. Mitgliederwerbung wurde sonntags nach dem Hochamt vor der St.-Goar-Kirche betrieben, wodurch der erste Ärger gleich vorprogrammiert war: Der damalige Pastor Dicke vermutete, dass Mitglieder für eine Sekte rekrutiert werden sollten!

Weltweit humanitäre Einsätze

Am 11. Februar 1969 war die Gruppe organisatorisch und personell so gut aufgestellt, dass ein eigener, selbstständiger Ortsverband unter Leitung von Josef Körner gegründet werden konnte. Als erste Übung wurde damals ein Steg im „Degenhagen“ zwischen Hesborn und Medelon gebaut. Zwischendurch wurde es sogar musikalisch: Von 1978 bis 1991 schloss sich die heutige Jägerkapelle Hesborn dem THW an und trat in dieser Zeit bei allen Terminen in den typischen blauen Uniformen auf.

Zivil- und Katastrophenschutz

Der eigentliche Kern der THW-Arbeit ist jedoch nach wie vor der Zivil- und Katastrophenschutz. Kommen solche Fähigkeiten im eher beschaulichen Sauerland überhaupt zum Einsatz? Das THW ist nicht nur bei Katastrophen in der näheren Umgebung, sondern weltweit gefordert. So haben die Hesborner schon humanitäre Hilfe in Ruanda, Weißrussland, der Ukraine oder Rumänien geleistet, Hilfstransporte nach Russland gebracht oder bei den Hochwassern an der Elbe 2002 und 2013 mitgeholfen, die Deiche zu schützen. Auch beim Jahrhundertsturm Kyrill sind sie zur Unterstützung der örtlichen Feuerwehren mit ausgerückt.

Neben Gebäude-Einstürzen, Stürmen, Erdbeben oder Unfällen kümmern sich THW-Einsatzkräfte um das Bewegen von schweren Fahrzeugen, Bäumen oder sonstigen Lasten mit mechanischen und hydraulischen Geräten, bauen Behelfsbrücken, bereiten Trinkwasser auf oder erzeugen Notstrom.

Ausbildung künftig auch digital

Das THW Hesborn kann somit auf 50 ereignisreiche Jahre zurückblickenden, hat jedoch auch spannende Zeiten vor sich. Denn der demografische Wandel macht vor dem THW nicht Halt. Besonders weh getan hat dem Ortsverband die Abschaffung der Wehrpflicht im Juli 2011. Bis dahin nutzten viele junge Männer aus dem Raum Hallenberg, Medebach und Winterberg die Möglichkeit, sich für mehrere Jahre zum Wehrersatzdienst beim THW zu verpflichten, anstatt zur Bundeswehr zu gehen.

Oft blieben diese Männer dem THW auch anschließend treu. Dieser Nachwuchs fehlt seit Jahren, deshalb sollen nun neue Wege beschritten werden. So ist u.a. die Anschaffung von Tablets geplant, um einen Teil der Ausbildung digital durchzuführen.

Geburtstagsfeier an Fronleichnam

Am Donnerstag, 20. Juni (Fronleichnam), wird erst einmal Geburtstag gefeiert. An der Alten Schule wartet ab 10 Uhr ein buntes Programm aus Mitmachaktionen, Vorführungen und Ausstellungen neuer und alter Gerätschaften auf die Besucher. Um 12.30 Uhr gibt es die offizielle Eröffnung mit Grußworten und einer anschließenden Andacht, bei der auch die frisch renovierten Übungsräume eingesegnet werden. Um 13.45 Uhr werden die Einzelsieger und Schulklassen ausgezeichnet, die am Malwettbewerb der Grundschule Hallenberg teilgenommen und Szenen aus dem THW-Alltag gemalt haben.

Insgesamt 64 Bilder sind dafür von einer mehrköpfigen Jury bewertet worden. Besonders erfreulich: Unter den Einsendern sind mehrere Kinder, die Interesse an der Mitarbeit beim THW haben. Momentan ist schon eine Jugendgruppe mit 12 Jungen und Mädchen in der Ausbildung. Die nächsten 50 Jahre können also kommen!

Und Gustav Heinemann wäre sicher stolz, wenn er sehen könnte, wie seine damalige Idee auch in Hesborn umgesetzt wird!

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