Reportertausch

Nicht nur im Sauerland gibt es Probleme mit der Bahn

Einer der neuen, dreiteiligen Pesa-Züge am Briloner Bahnhof

Einer der neuen, dreiteiligen Pesa-Züge am Briloner Bahnhof

Foto: jsw

Brilon.  Journalistin Julia Schweizer aus Ludwigsburg arbeitet eine Woche lang bei der WP Brilon. Ihr Spezialgebiet sind Verkehrsthemen. Ein Vergleich.

Nicht nur Pesa, auch Bombardier schafft es nicht, rechtzeitig Fahrzeuge zu liefern. Probleme im Bahnverkehr gibt es also nicht nur im Sauerland sondern auch in Baden-Württemberg, weiß Reporterin Julia Schweizer, die von der Ludwigsburger Kreiszeitung kommt und für eine Woche in der WP-Redaktion Brilon arbeitet – und zwar im Rahmen des Projekts Reportertausch.

Die Bahn kommt. Und zwar pünktlich. Viertel nach eins fährt sie ein, im Bahnhof Brilon-Stadt – und zwar auf Gleis zwei, wie das Laufband unablässig mitteilt. Klar, wo denn auch sonst, schließlich gibt es nur ein Gleis mit Bahnsteig.

Die Probleme mit Pesa im Hochsauerlandkreis

Doch ganz so selbstverständlich ist der Halt eines Zuges hier offenbar nicht. Nicht nur, weil die Zahl der Verbindungen überschaubar ist: Je vier oder fünf stehen zwischen den dunklen Balken auf dem Fahrplan – nein, nicht in einer Stunde, sondern in zwei oder drei. Sondern auch, weil es bis vor einigen Wochen noch große Probleme mit den neuen Pesa-Zügen gab. Die hätten wie berichtet eigentlich zum Dezember 2016 von dem polnischen Hersteller geliefert sein sollen, kamen dann aber erst Ende Oktober 2018 auf die Schiene, zumindest die zweiteiligen Fahrzeuge für die kürzeren Linien. Die Nutzer auf den längeren Strecken – unter anderem nach Brilon – hingegen mussten weiter warten.

Seit Ablauf der Frist Ende März sind zwölf dreiteilige Fahrzeuge zwar im Einsatz, allerdings kommt es offenbar immer wieder zu Problemen in der Software zur Antriebssteuerung und bei der elektrischen Kupplung, sowie an den Schnittstellen der zusammenwirkenden Systeme. „Beides kann zu unvorhergesehen und plötzlich auftretenden Fehlern führen, die teils zum Ausfall von Zügen auf freier Strecke führen können“, heißt es beim Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe. Dort ist man aber „relativ optimistisch“, so Sprecher Uli Beele auf Anfrage, dass die Probleme wie von der Bahn angekündigt bis Ende August dieses Jahres behoben sind. Stattdessen fahren wieder Züge aus dem Ersatzpool, wie seit 2016.

Die Probleme mit Bombardier im Schwäbischen

Aber doch nicht etwa jene, die derzeit im Kreis Ludwigsburg fehlen? Dort werden seit einigen Monaten immer mehr Strecken von anderen betrieben als von der Deutschen Bahn, die Ausschreibungen verloren hatte. Zum 9. Juni startet nun unter anderem Abellio auf der von Verspätungen geplagten Frankenbahnlinie nach Würzburg, muss dabei aber auf Züge der Deutschen Bahn zurückgreifen. Hintergrund sind Lieferengpässe bei Bombardier für die Talent-2-Züge – nur zwei sind fertig geworden. Bis ebenfalls Ende August sollen deshalb, um den Fahrplan fast wie geplant anbieten zu können, alternativ die roten der „großen Bahn“ wie auch gelbe Stadtbahnen aus Karlsruhe fahren.

Beides wäre dann der Ersatz des Ersatzes. Denn vor allem auf der Frankenbahn sollten schon seit Monaten, auf Druck des Verkehrsministeriums, die alten „Silberlinge“ abgeschafft sein, deren Türen sich oft nur schwer öffnen lassen und die als wenig barrierefrei gelten. Doch immer wieder sind nicht etwa Doppelstockwagen, sondern die Vorvorgängermodelle im Einsatz. Frühere Presseanfragen, wann neue Züge kommen, oder ob es nicht genügend Ersatz gibt, wurden ignoriert.

Klopfgeräusche an den Türen

Auskunftsfreudiger ist dagegen die Bahn in Düsseldorf. Nein: „Die Ersatzzüge stammen alle aus dem Pool in Nordrhein-Westfalen.“ Und, abseits der Fragen nach Schadensersatzforderungen: „Uns ist wichtig, dass der Kunde ankommt.“

Und dass er leichter bezahlen kann. Ungewohnt ist der Anblick eines Ticketautomaten in dem Pesa-Zug, der an jenem Tag bis kurz nach halb zwei am Briloner Bahnsteig steht und munter Klopfgeräusche von sich gibt. Nicht immer aber funktionieren diese Automaten offenbar, war vergangene Woche in einer Kolumne zu lesen. „Zeitweise Störungen sind zwar möglich, aber das ist kein grundsätzliches Pesa-Problem“, so die Bahnsprecherin, auch beim NWL geht man, entgegen der Info des Schaffners über noch nicht angeschlossene Geräte, von einer Einzelfallstörung aus.

Ob dazu auch die Klopfgeräusche zählen, von denen man bei der Bahn ebenfalls zum ersten Mal hört, bleibt offen. Verschiedene Hinweise zu einer „anderen Geräuschentwicklung“ habe man insgesamt aber schon bekommen, so Beele, was sich aber vor allem auf das Anfahren und Bremsen aufgrund der stärkeren Motoren bezogen habe.

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