Tierschutz

„Kitzretter-Marsberg" wollen Bambis vor dem Mähwerk retten

Achtung, Rehkitz! Die kleinen Tiere sind oft nicht größer als eine Katze. Die Kitzretter kennen die Gefahren, die gerade jetzt in der Erntezeit auf die Tiere lauern. Der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer ist übrigens kostenlos - Spenden werden aber gerne angenommen. Foto:Matthias Balk/dpa

Achtung, Rehkitz! Die kleinen Tiere sind oft nicht größer als eine Katze. Die Kitzretter kennen die Gefahren, die gerade jetzt in der Erntezeit auf die Tiere lauern. Der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer ist übrigens kostenlos - Spenden werden aber gerne angenommen. Foto:Matthias Balk/dpa

Obermarsberg.   Bambi braucht Hilfe: In Marsberg hat sich ein Verein gegründet, der Rehkitze vor dem Mähwerk retten möchte - in Absprache mit Jägern und Bauern.

Riesige Kulleraugen, schwarze Nase, rot-braunes Fell mit weißen Tarnflecken und noch wackelig auf den staksigen Beinen: Rehkitze haben Hochsaison. Doch nicht alle schaffen es vom Baby zum erwachsenen Tier. Die Deutsche Wildtierstiftung hat hochgerechnet, dass bundesweit jährlich 100.000 Kitze beim Mähen der Wiesen zu Tode kommen. In Marsberg wurde daher ein Verein gegründet. Die „Kitzretter-Marsberg“ wollen ihren Beitrag dazu leisten, diese Todesrate zu minimieren.

Von einer Idee infiziert

Andrea Köhne hat sich von einer Idee anstecken lassen. „Ich war vergangenes Jahr mit einer Freundin und den Kitzrettern Waldeck-Frankenberg unterwegs. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht und ich finde es sinnvoll, einen Beitrag zur Rettung der Tiere zu leisten“, sagt die 48-Jährige. Sie arbeitet als Trainerin für Pferde und Menschen und lebt auf einem idyllischen Hof in Obermarsberg. Dort trafen sich acht Gleichgesinnte - sieben müssen es mindestens sein – um den Verein ins Leben zu rufen. Der Antrag auf Gemeinnützigkeit liegt beim Finanzamt; danach gehen die Unterlagen zum Notar und dann kann der e.V. bald durchstarten.

Auf Spenden angewiesen

Constanze Schöttler ist da schon einen Schritt weiter. Sie steht im Landkreis Waldeck-Frankenberg den „Kitzrettern“ vor. Der Verein wurde 2016 gegründet und hat bereits viele Unterstützer. „Wir brauchten vor allem Spenden, um zunächst einmal die technische Ausrüstung anzuschaffen“, sagt Schöttler. Das sind zahlreiche sogenannte Vergrämer, die ein blaues Licht und einen Signalton entsenden, der die Rehe stört und im günstigsten Fall veranlasst, das Kitz aus der betreffenden Wiese zu führen. Außerdem gibt es eine Drohne mit Wärmebildkamera. „So ein Vergrämer deckt drei Hektar Fläche ab. Allein wir haben im vergangenen Jahr 1600 Hektar Mahd begleitet und dadurch 800 Kitzen das Leben gerettet.“

Constanze Schöttler legt Wert auf die Feststellung, „dass wir keine Tierschutz-Fuzzis sind“. Und sie bricht eine Lanze für Landwirte und Jäger. „Die stehen vor einem Kampf gegen Windmühlen und können das alleine gar nicht schaffen; wir bieten unsere Hilfe an. Und wir arbeiten auch nur zusammen mit den Landwirten, die uns angefragt haben.“ Anfangs haben die Kitzretter mit Flatterband gearbeitet, das am Vorabend der Mahd an Pfosten über das Gelände verteilt wurde. Zum Teil wurden die Wiesen auch von den Helfern abgelaufen. Aber Vergrämer und Drohne scheinen effektiver zu sein. Wobei die Wärmebildkamera – temperaturbedingt - nur in den Morgen- oder Abendstunden optimal einsetzbar ist.

„Wir haben uns gerade erst gegründet und können daher im ersten Jahr noch nicht viel helfen. Bis wir hoffentlich genug Spenden bekommen haben, um Geräte anzuschaffen, wird die Mahd vorüber sein. Aber irgendwann muss man ja anfangen“, sagt Andrea Köhne. Die 48-Jährige und der Verein bieten aber jetzt schon Unterstützung an. „Es geht nur in gegenseitigem Einvernehmen. Landwirte und Jagdpächter kennen ihre Flächen; sie wissen, wo die Rehe ihre Kitze ablegen. Wir wollen nur Unterstützer sein, die in einer langen Kette eine Lücke schließen.“

Kein Mensch-Tier-Kontakt

Landwirte können die „Kitzretter-Marsberg“ gern kontaktieren. „Auf Dauer stellen wir uns vor, dass man sich lange vor der Ernte trifft, um das Gelände kennenzulernen. Und dann halt kurz vor dem Einsatz.“ Drohne und Vergrämer haben übrigens den Vorteil, dass die jungen Tiere nicht mit dem Menschen in Kontakt kommen. Denn das kann dazu führen, dass die Ricke das Kitz nicht mehr annimmt. Solang der Verein noch ohne technische Ausrüstung ist, wollen die Helfer aber bei Bedarf die Flächen abschreiten und die Tiere zur Not mit Handschuhen und jeder Menge Gras aus der Gefahrenzone tragen.

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