Tierquälerei

Kaninchen getötet: „Wie in einem schlechten Horrorfilm“

Den Kaninchen wurde erst das Genick gebrochen, dann die Augen entfernt.

Den Kaninchen wurde erst das Genick gebrochen, dann die Augen entfernt.

Foto: Kerstin Fingerhut-Pluskat

Marsberg.  Wer bricht Kaninchen das Genick und sticht ihnen die Augen aus? In Marsberg steht eine Familie unter Schock. Offenbar gibt es weitere Fälle.

„Es ist wie in einem schlechten Horrorfilm.“ Kerstin Fingerhut-Pluskat steht immer noch unter Schock. Auch Tage nach der Tat kann sie nicht verstehen, „warum vermutlich Menschen so etwas machen“. Am vergangenen Mittwochmorgen hatte sie auf ihrem Tierschutzhof vier Kaninchen getötet aufgefunden. Ihnen wurde das Genick gebrochen und die Augen ausgestochen. Dazu sind vier Hühner gestohlen worden. Die Polizei geht davon aus, dass Menschen am Werk waren und die Tat im Zusammenhang mit der Arbeit auf dem Hof steht.

Damit so etwas nicht noch einmal passieren kann, hat das Betreiber-Ehepaar der Kolsberg Ranch, so haben sie ihren Hof vor Westheim genannt, drei Überwachungskameras rund um den Hof installiert und die Einfahrt durch ein Tor geschützt.

Kaninchen das Genick gebrochen und die Augen ausgestochen

Anfang des Jahres hat das Ehepaar den Hof übernommen und ausgebaut. Sie bieten in Not geratenen Tieren und Menschen einen Zufluchtsort. „So schrecklich diese Tat auch ist“, sagt Kerstin Fingerhut-Pluskat, so möchte sie sich „auf keinen Fall davon entmutigen lassen“.

Auf der Kolsberg Ranch gibt sie ungeliebten Tieren eine neue Heimat. Frauen und Kinder, die Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden und Menschen, die eine schwere Krankheit zu bewältigen haben, lädt sie ein, einen Tag auf der Ranch mit den

Tieren zu verbringen und zur Ruhe zu kommen. Alles ehrenamtlich.

Fall schlägt hohe Wellen in sozialen Medien

In den sozialen Medien hat der Fall hohe Wellen geschlagen. „Ich habe viel Zuspruch erhalten“, sagt sie im Gespräch mit der WP. Viele hätten sich aber auch gemeldet, die ähnliches erleben mussten.

Wie eine Familie aus Essentho. Tierquälerei muss auch sie erdulden. Die Familie möchte ihren Namen nicht öffentlich nennen, weil sie befürchtet, dass die Vorfälle auf ihrem Bauernhof noch zunehmen könnten. Vor 13 Jahren hat die Familie ein altes Bauernhaus gekauft und umgebaut. Sie halten Hühner, Gänse und Puten. Pferde und Katzen und ein Wachhund gehören zur Familie.

Immer wieder kommt zu Anschlägen auf ihre Haustiere. „Die Hühner wurden im Freilauf vergiftet“, so die 52-Jährige gegenüber der WP. Im Kükenstall sind Rattenfallen im Stroh versteckt. „Ständig finde ich im Hühnerstall Glas- und Porzellanscherben.“ Jeden Tag durchsucht sie den Stall und sammelt die Scherben ein. Inzwischen glaubt sie, dass die Scherben nicht den Hühner gelten, sondern ihr. „Wahrscheinlich will derjenige, dass ich hineintrete.“ Ist sie auch schon des öfteren und hat sich blutige Füße geholt.

In Essentho: Hühner vergiftet, Hähne erschossen

Besonders grausam: Ein Hahn wurde vor ihren Augen erschossen. „Er stand zwischen den Kindern und mir“, erzählt sie, „auf einmal machte es Pitsch. Und der Hahn fiel tot um.“ Als er später gerupft wurde, „sahen wir das Einschussloch.“ Ihr Dobermann wurde vor rund sieben Jahren vergiftet. „Er blutete plötzlich aus allen Körperöffnungen.“ Der Tierarzt bestätigte, dass er wohl mit Rattengift vergiftet wurde. Täglich untersuchen sie das Heu für die Pferde und sehr oft finden sie Stacheldrahtstücke, die darunter gemischt worden sind. „Vor drei Tagen erst habe ich eine Drahtschlinge mit Hölzspänen daran gewickelt, gefunden.“

Ihre Katze lag vor drei Monaten mit zertretenem Gesicht vor der Haustür.

Gerade überwunden hatte sie die grausigen Verletzungen, die sie sich durch eine Schlagfalle zugezogen hatte. „Anfangs haben wir die Taten noch angezeigt“, sagt die fünffache Mutter resigniert.

Polizei kann keine Häufung der Fälle erkennen

Eine Häufung von Tierquälerei im Raum Marsberg und Brilon kann die Polizei im HSK derzeit nicht erkennen. Polizeisprecher Holger Glaremin: „Grundsätzlich sollten solche Vorfälle der Polizei gemeldet werden – auch wenn jemand gesehen wird, der etwas Verdächtiges zu tun scheint. Die Polizei nimmt auf jeden Fall die Ermittlungen auf.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben