Bürokratie

Handwerker aus dem Hochsauerlandkreis organisieren Protest

85 Handwerker diskutierten im Zentrum der Kreishandwerkschaft über die zunehmende Bürokratie und die mangelhafte Unterstützung durch Verbände und Politik.

Foto: Ute Tolksdorf

85 Handwerker diskutierten im Zentrum der Kreishandwerkschaft über die zunehmende Bürokratie und die mangelhafte Unterstützung durch Verbände und Politik. Foto: Ute Tolksdorf

Hochsauerlandkreis.   Der Ärger über zunehmende Bürokratie treibt die Handwerker ins Zentrum der Kreishandwerkerschaft. 85 Männer und Frauen machen ihrem Unmut Luft.

Überprüfung von Leitern, die Gefährdungsbeurteilung für des Arbeitsplatzes für Schwangere – auch wenn es keine Frau im Betrieb gibt – oder die EU-Datenschutz-Grundverordnung: Der Frust sitzt tief. 85 Handwerker waren Montagabend ins Zentrum der Kreishandwerkerschaft in Enste gekommen: Sie kritisierten überbordende Bürokratie, mangelhafte Unterstützung durch Verbandsvertreter und Politiker. „Die haben den Draht zu uns verloren! Wir sind keine Menschen mehr, wir sind Getretene!“

Die Ziele

Zeitweise ging es hitzig zu. Dabei war es den Organisatoren Bäckermeister Gerhard Frankenstein, Elektromeister Frank Lefarth (beide Medelon), Dachdeckermeister Maik Stöber (Elpe), Gartenbaumeister Markus Biene und Elektromeister Hermann-Josef Kiemen (beide Siedlinghausen) vor allem darum gegangen zu informieren, ein Meinungsbild einzuholen und weitere Aktionen zu planen.

Die Unterstützer

Mit einem ersten Text in unserer Zeitung hatten sie darauf aufmerksam gemacht, wie viel Zeit sie für Bürokratie verschwenden. „Danach ging es richtig los“, sagt Frank Lefarth, der sich sichtlich über den Zuspruch freute. Bei Facebook und über WhatsApp hatten die Handwerker sich zusammengeschlossen. „178 Betriebe habe ich allein in der WhatsApp-Gruppe“, sagte Lefarth. „9600 Klicks innerhalb von vier Tagen bei Facebook.“ Darunter sind vom Kfz-Meister, über Elektriker und Dachdecker die unterschiedlichsten Gewerke.

Schulterschluss

Dieser Schulterschluss ist ungewöhnlich und soll weiter ausgebaut werden. „Wir wollen nicht gegeneinander arbeiten“, betonte Lefarth. „Die Landwirte schaffen das schließlich auch“, ergänzte Thomas Hilgenhaus, Raumausstatter aus Bestwig, „die fahren mit ihren Treckern nach Brüssel und demonstrieren da.“ Auch er machte seinem Ärger - wie viele - Luft: „Ich mach meinen Job gern, aber ich komme kaum noch dazu. Stattdessen sitze ich im Büro.“

Die Verbände

Die Kritik richtete sich auch gegen die Verbandsvertreter. Ingomar Schennen (Kreishandwerkerschaft) und Fabian Bräutigam (Handwerkskammer) widersprachen manch harschem Protest. Immerhin müsse man sich an rechtsstaatliche Prinzipien halten. „Auf vielen Ebenen versuchen wir zusätzliche Auflagen zugunsten der Handwerker zu verhindern“, sagte Fabian Bräutigam. „Doch nicht immer ist die Politik so unternehmerfreundlich, wie wir es uns wünschen.“ Heinz Pütz, Ehrenobermeister der Tischlerinnung aus Berlar, warb engagiert für die Zusammenarbeit mit den Verbänden: „Das sind unsere Gremien.“

Aktionen

Witzig sollten sie sein, effektiv und nachhaltig - mit Aktionen wollen die Handwerker die Öffentlichkeit jetzt informieren und aufmerksam machen. Denn die Kunden wüssten zu wenig, was sie alles leisten müssen und wie sich der Lohn für die Handwerkerstunde überhaupt zusammensetzt. Augenoptikermeisterin Barbara Günster aus Brilon empfahl: „Lasst uns ausrechnen, wie viel Zeit wir mit unsinniger Bürokratie am Tag verbringen. Für die Zeit schließen wir unsere Läden und setzen uns in Brilon an den Kump und heften Papiere von links nach rechts.“ Und Bäckermeister Frankenstein schlug vor: „Konfetti im Finanzamt für jeden Euro, den wir dorthin zahlen. Es muss klar werden: Hier stehen wir und gehen keinen Meter weiter zurück.“

Die nächsten Schritte

Gemeinsam planten die Handwerker die nächsten Schritte: eine öffentliche Diskussionsveranstaltung mit den Politikern aus Berlin und Brüssel, organisiert von der Handwerkskammer. Zuvor steht am heutigen Mittwoch die Delegiertenversammlung der Kreishandwerkschaft an. Da soll diese den Auftrag erhalten den Protest positiv zu begleiten.

Und auch Frank Lefarth fand weitere Unterstützer: Zehn Handwerker haben sich bereiterklärt in einem Arbeitskreis weitere Aktionen zu planen.

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