Kunst

Große Stadtansicht von Brilon als malerische Herausforderung

Zuzanna Witak hat das Stadtbild von Brilon perfekt eingefangen.

Zuzanna Witak hat das Stadtbild von Brilon perfekt eingefangen.

Foto: Zuzanna Witak / WP

Brilon/Aachen.  Zuzanna Witak aus Aachen versuchte sich daran, Brilon auf einer Leinwand entstehen zu lassen. Das Format brachte schnell ein Problem mit sich.

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Der zierliche Körper verschwindet zum Großteil hinter der riesigen zwei Meter langen und 80 Zentimeter hohen Leinwand. Mit einem breiten und zufriedenen Lächeln blickt Zuzanna Witak hinunter auf ihr Werk, das sie in ihren Händen hält. Zwei Wochen Arbeit liegen hinter ihr. Zwei Wochen, in denen sie hartnäckig versucht, mit Acrylfarben ein Abbild von Brilon zu erschaffen. Wie es dazu kam? Dafür ist ein kleiner Schlenker nötig.

Die 22-Jährige ist meistens mit ihrem Studium der Architektur in Aachen beschäftigt, aber ihre große Leidenschaft gilt auch der Kunst. „Das hat mich schon immer interessiert und auf dem Gymnasium wurde mir vor circa acht Jahren klar, dass Kunst auch in meinem Beruf später eine Rolle spielen soll“, sagt die gebürtige Polin. Ihr Werdegang brachte sie an diverse Kunstschulen, wo sie sich mit Hilfe von anderen Künstlern, Architekten und Kunststudenten mehr Wissen über Zeichnen und Malen aneignete. Ihre Wahl fiel schließlich auf ein Studium der Architektur, wo sie ihre gewonnen Fähigkeiten bestens einsetzen kann.

Menschen und Architektur

„Dann habe ich die Kunst ein bisschen links liegen lassen, weil ich mich auf das Deutschlernen konzentrieren wollte, aber vor zwei Jahren begann ich wieder auf Leinwand zu malen“, beschreibt Zuzanna Witak ihre Rückkehr zur Farbpalette. Sie konzentriert sich fortan auf Menschen und - selbstverständlich - Architektur, die sie abstrakt und realistisch umsetzt. Sie ist fasziniert davon, wie Städte funktionieren und aussehen, daher versucht sie immer wieder, deren Vielfalt mit Hilfe von abstrakter Kunst zu zeigen. Dafür malt sie beispielsweise Bilder von New York.

Gesichter lassen die junge Frau aber nicht los. Immer wieder fertigt sie Porträts an. „Emotionen auf einem Bild zu zeigen und zu sehen, wie diese in jedem Betrachter etwas anderes auslösen, ist sehr schön.“ Drei ihrer bunten Bilder hängen in einem asiatischen Restaurant in Aachen, bald sind sie auf den Weg nach Brilon zu ihrem neuen Besitzer. Bis dahin hat sie den Besuch in dem Etablissement immer genossen. „Es ist toll, wenn ich dort sitze und sehe, welchen Einfluss Kunst auf die Atmosphäre in einem Raum haben kann. Das ist auch das Ziel meiner Kunst. Sie soll für sich sprechen“, sagt die 22-Jährige.

Starke Farben

Dabei setzt sie gerne auf ausdrucksvolle und starke Farben und auf Malmesser statt auf Pinsel. Das Malmesser wird benutzt, um Farben auf der Palette zu vermischen oder um zu viel aufgetragene Farbe von der Leinwand zu entfernen. Dabei können direkt beim Auftrag Strukturen und Plastizität erzeugt werden.

Vor zwei Jahren begann Witak im Internet anzubieten, Arbeiten auf Wunsch anzufertigen. Realistische Bilder von Autos, Tieren oder Menschen erstellt sie in der Folge. „Ich war total überrascht von dem vielen Interesse“, erzählt sie. Dann meldet sich ein Freund bei ihr und fragt, ob sie nicht ein Bild von Brilon anfertigen könne. „Er liebt Brilon über alles und wollte gerne ein Bild für sein Wohnzimmer haben. Er mag meine Bilder und meinen Stil, daher fragte er mich. Ich habe etwas in diesem Ausmaß aber noch nie zuvor gemacht“, gesteht die Studentin.

Recherche vor Ort

Zuerst setzt sie sich mit einer Google-Karte auseinander. Ihr Freund gab ihr eine Liste mit Gebäuden, die wichtig sind für das Bild. Dann recherchierte sie vor Ort, wie die Gebäude aussehen und in welchen Größenverhältnissen sie zueinander stehen. Im Anschluss galt es zu überlegen, wie das Bild auf einem Panorama aussehen könnte. Dann geht sie mit Bleistift ans Werk, bevor sie - entgegen ihrer normalen Farbauswahl - zu warmen und kalten Grau- und Gelbtönen greift. Das erste Problem: der Platz. Die Leinwand füllt nahezu die ganze Wohnung. Einen Schritt zurückgehen, um zu sehen, wie das Bild auf den Betrachter wirkt, reicht da nicht. „Ich bin ständig hin und her gelaufen, um alles im Blick zu haben. Es sah aus zwei Metern Entfernung stellenweise ganz anders aus“, sagt Witak und lacht herzlich.

Aber der Vorteil beim Arbeiten mit Acrylfarbe: zur Not lassen sich Fehler übermalen. Nach der harten Arbeit zeigt sich die Wahl-Aachenerin zufrieden mit ihrer Arbeit. „Wenn man zwei Wochen in der Wohnung ist, weiß man irgendwann nicht mehr, was man von der Arbeit halten soll vor lauter Veränderungen. Man gewöhnt sich einfach an das bild und sieht nicht mehr alles“, erklärt Witak. Doch nach ein bisschen gewonnenem Abstand war das Urteil für sie klar. Und auch der Kunde zeigte sich zufrieden.

Derzeit arbeitet die Studentin fleißig an drei neuen Porträts, um jene im asiatischen Restaurant ersetzen zu können, die sich bald auf den Weg nach Brilon machen. Damit die Gäste nicht auf den ganz eigenen Charme verzichten müssen, die sie verbreiten. Zumindest bis auch diese Bilder einen Käufer finden.

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