Neuer Roman

„Das Freu“ von Karl Olsberg holt uns zurück in die Realität

Karl Olsberg alias Karl-Ludwig von Wendt.

Karl Olsberg alias Karl-Ludwig von Wendt.

Foto: Privat

Olsberg/Hamburg.  Wie können wir so in der digitalen Welt leben, dass wir real glücklich bleiben? Das neue Buch „Das Freu“ von Karl Olsberg regt zum Nachdenken an.

Er kommt aus Olsberg, lebt schon lange in Hamburg, aber liefert seiner Heimat über seine Romane beständig neue Denkansätze. Wie jetzt wieder. Karl Olsbergs Roman „Das Freu“ ist erschienen - ausdrücklich für Kinder und Erwachsene. Es ist ein Jugendbuch und so viel mehr: eine Geschichte um den Raum, dem wir dem Virtuellen geben (wollen) und dabei den Blick auf die Realität verlieren.

Über „Künstliche Intelligenz“ promovierte Karl Ludwig von Wendt alias Karl Olsberg, das Thema zieht sich durch seine Bücher vom Thriller zum Jugendroman. So auch beim „Freu“. Es liegt ihm sehr am Herzen, wie Menschen in der digitalen Welt auch real glücklich bleiben. Und immer mischt er auch mit: schreibt etwa Minecraft-Bücher, die in der Welt des Computerspiels handeln.

Schon sein letztes Jugendbuch „Boy in a white room“ setzte sich intensiv mit der virtuellen Welt auseinander. In „Das Freu“ beleuchtet er das Thema nun nochmal intensiver.

Zum Inhalt: Das Mädchen Mafalda (11) fühlt sich oft einsam, ihre Stiefmutter mag sie nicht, ihr Vater ist viel unterwegs und schenkt ihr eines Tages eine Augmented Reality-Brille. Sie fügt der Realität Dinge hinzu, die gar nicht existieren. Sie lässt ihr eine Katze erscheinen, die aber eben nur dann real erscheint, wenn sie die Brille aufsetzt, und die ständig gefüttert werden will...

Es ist genau dieses Fordernde der Spiele, der Instagram-Posts und von vielem mehr, das Karl Olsberg beschreibt. Es bringt heute nicht nur die Kinder in akute Suchtgefahr. Das nächste Level lockt oder aber im Buch das Kätzchen, das glücklich gemacht werden will. Und so fantastisch es ist, mit der Brille auf der Nase durch z.B. eine Herr-der-Ringe-Welt zu laufen. So real es wirkt, es ist und bleibt die „Augmented-Reality-Brillen-Welt“. Aber, so Karl Olsberg in einem Essay über das „Glück in realen Zeiten“: Habgier, Maßlosigkeit, Neid, Angst vor Ablehnung, dies alles sei so alt wie die Menschheit selbst. „Darum sind auch die Rezepte, die wir brauchen, um unserer zerstörerischen Motive zu überwinden, keine neuen Rezepte.“ Kurz: weg vom ständigen Vergleichen, hin zu Achtsamkeit gegenüber sich selbst, Wertschätzung gegenüber den anderen. Einfach mal ein echtes Lächeln auf deren Gesicht zaubern!


Mafalda verfällt dem Einfluss der Brille kurz, dann aber entdeckt sie im verwilderten Nachbargarten eine geheimnisvolle Eidechse, ein Freu. Es zeigt ihr, was wirkliche, reelle Freude ist und dass diese sich verdoppelt, wenn man sie teilt.

Der Roman erzählt auch, wie schnell wir wieder auf der echten Welt sind, wenn wir mit unserem eigenen „Freu“ konfrontiert werden. Bei dem einen ist es eine Eidechse, beim nächsten ein Kaninchen, das an das Haustier von früher erinnert. Bei dem anderen ist es die nach langer Zeit wiedergefundene Ritterfigur. Immer ist Soziales im Spiel. Denn genau das können Spiele uns nicht geben: Empathie, echtes Gefühl, jemanden real auf den Arm zu nehmen, ihn zum Lachen zu bringen - und die Erinnerungen daran.

Nur so viel zum Ende: Es wird gemeinsam mit den Machern der Maschine geschaut, wie Menschen im Zwiespalt glücklich bleiben können - es gibt Hoffnung!

„Wenn wir die digitalen Medien nicht nutzen, um uns selbst zu überhöhen und andere zu erniedrigen, sondern um anderen Menschen zu helfen und ihnen Freude zu bereiten, dann werden sie zu wahrhaft sozialen Medien und die Freude der anderen zu unserer eigenen“, betont Karl Olsberg.

Und so gibt das Buch eine gute Anweisung: Machen wir uns doch die technischen Möglichkeiten untertan und nicht anders herum. Oder, wie einst ein inzwischen verstorbener Blogger sagte: „Das Internet ist ein guter Ort, wenn wir es dazu machen.“ In China etwa, so zeigte es kürzlich eine ZDF-Reportage, legen junge Erwachsene, die sich treffen, alle ihr Handy auf den Tisch. Wer zwischendurch hingreift, der zahlt die Rechnung, und zwar für alle.

„Das Freu steht für die Jahrtausende alte Tradition der Achtsamkeit, der Konzentration auf die Wirklichkeit sowohl der äußeren Natur als auch des inneren Selbst“, so Karl Olsberg. „Es gibt ein Sowohl-als-auch aus maßvoller Nutzung der Technik und Leben im Hier und Jetzt. Genau dieser Mittelweg kann auch die Lösung für unser sehr reales digitales Glücksproblem sein.“

Weil es sich von seiner Sprache her zwar explizit an so genannte „digital natives“, also die Kinder, richtet, der Inhalt aber an alle, die sich heute durch die beschleunigte, digitale Welt wuseln, deswegen ist dieses Buch mehr als lesenswert - für alle.

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