Gewalt

Autofahrer soll Feuerwehrmann beleidigt und angefahren haben

#IMMERDA macht auf Gewalt gegen Einsatzkräfte aufmerksam. In Marsberg wird jetzt ein mutmaßliches Fall verhandelt.

#IMMERDA macht auf Gewalt gegen Einsatzkräfte aufmerksam. In Marsberg wird jetzt ein mutmaßliches Fall verhandelt.

Marsberg.  Die Feuerwehr sperrt in Marsberg eine Straße wegen eines Umzugs. Ein Autofahrer soll deswegen ausgerastet sein. Der Fall landet vor Gericht.

Der Angeklagte muss sich wegen versuchter Nötigung vor dem Amtsgericht verantworten. Er soll den Feuerwehrmann beleidigt („Du Wichser“) und mit Schlägen gedroht haben, weil der Ehrenamtliche mit Kollegen die Straße wegen eines Oldtimer-Umzugs zeitweise gesperrt hatte. Außerdem steht der Angeklagte unter Verdacht, den Feuerwehrmann angefahren zu haben. Das Verfahren wäre aus einem Grund fast eingestellt worden. Doch die Oberstaatsanwältin legte ein Veto ein.

Amtsrichter Eberhard Fisch hätte sich vorstellen können, die Hauptverhandlung am Dienstag gegen eine Geldauflage vorläufig einzustellen. Verteidiger Peter Prümper hatte sogar dafür plädiert, weil sich der Sachverhalt seiner Ansicht nach nicht ganz klar darstellen ließ. Dem Angeklagten war die Erleichterung ob dieser Aussicht schon ins Gesicht geschrieben. Aber die Oberstaatsanwältin ließ das nicht zu. Sie wollte erst noch den Hauptzeugen hören.

Ende Juli/Anfang August geht der Prozess weiter

Der Hauptzeuge konnte aber krankheitsbedingt nicht zur Verhandlung am Dienstag erscheinen. Amtsrichter Fisch vertagte deshalb die Verhandlung. Nach Genesung des Zeugen, vermutlich Ende Juli/Anfang August, wird sie fortgesetzt.

Feuerwehrmann soll Prügel angedroht worden sein

Denn der erkrankte Zeuge hatte den Vorfall wohl genau beobachtet, wie er bei der Polizei direkt danach angegeben hatte. Auch zu dem Feuerwehrmann habe er gesagt: „Der hat Sie aber genau aufs Korn genommen“, wie dieser im Zeugenstand aussagte.

Am Sonntag, 7. Oktober, hatte die freiwillige Feuerwehr nachmittags einen Oldtimer-Umzug im Stadtgebiet Marsberg abgesperrt. Die Wegstrecke verlief über die B 7. Deshalb hatte sich eine längere Autoschlange vor der Absperrung gebildet.

Wie die Oberstaatsanwältin aus der Anklageschrift verlas, soll sich der Angeklagte mit einem gemieteten Audi A5 der Absperrung genähert haben. Ein Feuerwehrmann habe ihm an der Durchfahrt gehindert. Daraufhin soll er zu ihm gesagt haben „Du Wichser, das wollen wir doch mal sehen.“ Er habe ihm auch Prügel angedroht. Dann sei er wieder angefahren, direkt auf den Feuerwehrmann zu, der auf der Motorhaube gestürzt sei mit der Anhaltekelle in der Hand. Daraufhin sei der Angeklagte ausgestiegen und habe ihn nochmals beschimpft. Dann soll er sein Auto gewendet haben und zurückgefahren sein. Wegen versuchter Nötigung musste sich der 36-jährige Angeklagte deshalb vor dem Amtsgericht Marsberg verantworten.

Beleidigung eingeräumt – Angeklagter bereut Wortwahl

„Der Feuerwehrmann stand vor dem Kotflügel, mit dem Gesicht zu mir, ich habe den Blinker gesetzt und wollte wenden, machte den Motor an, da haut der mir voll auf die Motorhaube“, so die Version des Angeklagten. „Ja“, gab er zu, er habe ihn „massiv beleidigt. Das tut mir auch leid, ehrlich.“ Dann habe der Feuerwehrmann gesagt, dass er die Polizei rufen wolle. Da habe er drauf geantwortet, dass das ja, auch in seinem Interesse sei. Die Polizei hätte aber nicht sofort kommen können. Der Feuerwehrmann habe dann noch gesagt, dass er die Anzeige auch später noch machen könnte. „Ich wollte einfach nur wenden und die Sache vergessen. Ich hatte nie vor, durch die Absperrung zu fahren. So dämlich kann man ja nicht sein, einen Feuerwehrmann umzufahren oder an die Seite zu drängen.“

Wurde der Feuerwehrmann angefahren oder nicht?

Der Angeklagte hätte sein Auto einfach nur abstellen brauchen und zu Fuß die wenigen Meter zu seinem eigentlichen Zielort an diesem Tag gehen können, so der Feuerwehrmann im Zeugenstand, der ehrenamtlich an dem Sonntag im Einsatz war und auch bei der Berufsfeuerwehr ist. Weil der Angeklagte sich aber nicht hätte aufhalten lassen wollen, habe er Kollegen und die Polizei angefunkt. Dazu habe er sich von dem Auto abgewendet und etwa zwei Meter davor gestanden. Dann habe er gehört, wie das Auto angefahren sei. Er habe sich erschrocken umgedreht und sei mit beiden Armen, in der rechten Hand die Kelle, auf die Motorhaube gestürzt. Die Stoßstange habe ihn am Knie berührt. Aber verletzt habe er sich nicht. Dann sei der Angeklagte ausgestiegen und habe gedroht: „Ihr bekommt 500 Euro extra, wenn Ihr dem schwachsinnigen Wichser von der Feuerwehr eins auf die Schnauze haut.“

Einen Tag nach dem Vorfall hatte der Angeklagte durch eine Annonce in einem Anzeigenblatt nach einem Zeugen gesucht. Daraufhin hatte sich sein ehemaliger Chef gemeldet, der hinter dem ersten Zeugen in der Autoschlange stand. Wie sich herausstellte, hatte er ihm auch den Audi geliehen. „Ich würde sagen, der Angeklagte wollte sein Auto wenden. Da springt ihm der Feuerwehrmann vor das Auto.“

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