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App soll Entscheidungen im Bundestag transparenter machen

Was im Bundestag passiert, liegt nicht nur für Jugendliche oft im Dunkeln. Mit der App „Democracy“ wird das Geschehen verständlicher.

Was im Bundestag passiert, liegt nicht nur für Jugendliche oft im Dunkeln. Mit der App „Democracy“ wird das Geschehen verständlicher.

Foto: Kay Nietfeld

Informationen zu Abstimmungen im Bundestag sind oft schwer zu finden und zu verstehen. Die App eines Göttinger Studenten will das ändern.

Dass im Bundestag über Gesetze entschieden wird, ist wohl klar. Regelmäßig wählen wir schließlich die Abgeordneten, die dort sitzen und unsere Interessen vertreten. Um welche Gesetzesvorschläge es bei den nächsten Abstimmungen geht, das ist dann schon schwieriger. Das fand auch der Göttinger Student Marius Krüger, als ihm die Idee für eine App kam: Mit „Democracy“ wollte er all das, was im Bundestag passiert, für Bürger nachvollziehbar machen.

Gesagt, getan: Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne, also einer Kampagne, bei der jeder für das Projekt spenden kann, sammelte er 35.000 Euro als Startkapitel. Zusammen mit zwei Entwicklern gründete er daraufhin den Verein Democracy e.V. und wurde zusätzlich von der Hertie-Stiftung gefördert. Inzwischen ist die App in den App Stores von Apple und Android sowie im Internet erhältlich.

Druck auf Politiker

Der Meinungsabgleich geht bei der App in beide Richtungen: Noch bevor im Bundestag abgestimmt wird, können App-Nutzer einsehen, worum es bei Abstimmungen gehen wird. Nachdem sie sich darüber informiert haben, können sie selbst eine Stimme abgeben: So erhalten Politiker vorab ein Meinungsbild bezüglich dessen, wie die Nutzer der App zu den Vorhaben stehen.

Zugleich zeigt die App aber auch, wie Abgeordnete abgestimmt haben. Für Nutzer der App wird es damit einfach, einzusehen, ob Wahlversprechen gehalten werden: Für etwas werben, für das man dann nicht stimmt, wird für Abgeordnete somit schwierig. Dadurch soll die App für mehr Transparenz sorgen, aber zugleich auch eine Möglichkeit für Nutzer bieten, Druck auf Politiker auszuüben.

In dem Zusammenspiel aus dem Nachvollziehen der Meinungen von Abgeordneten und dem eigenen Abstimmen liegt der Kerngedanke der App: Es soll nicht nur ums Beobachten gehen, die Nutzer sollen stattdessen auch selbst mitmachen können. Der Ausbau der dritten Start- und Landebahn des Flughafens München und Entscheidungen rund um den Friedensprozess zwischen Äthiopien und Eritrea – das sind nur zwei der Themen, die in nächster Zeit fällig werden. Selbst darüber abzustimmen, macht definitiv neugierig auf das Ergebnis der Abstimmung im Bundestag.

Für ihr Engagement haben die Gründer viel Lob geerntet, aber auch Kritik erhalten. Politik sei kompliziert und sie einfach darzustellen führe oftmals dazu, dass wichtige Informationen verloren gingen. Alles, was im Bundestag vor Abstimmungen passiert, die Beratungen, die Streits, auch die Einwirkungen von Lobbyisten, das kann die App noch nicht abbilden und das lässt sie den Nutzer auch noch nicht spüren.

Verfehlt sie damit ihr Ziel, Politik verständlich zu machen? Bisher blicken die Gründer nach vorne: Dass die Beta-Phase vorbei und die App nun erhältlich ist, bedeute für sie noch lange nicht das Ende der Testphase. Sie wissen, dass sie schon viel geschafft haben, und wollen weiter an der App feilen.

Und was sagen Bundestagsabgeordnete zu der App? Wir haben mal Dirk Wiese gefragt, was er von „Democracy“ hält. Dirk Wiese, MdB aus Brilon: „Ich finde, die App ist eine gute, vor allem schnelle und einfache Möglichkeit, sich zu informieren. Sie macht meine Arbeit in Berlin transparent, nachvollziehbar und belebt die Diskussion. Das ist zum immer noch sehr wichtigen persönlichen Gespräch eine gute Ergänzung. Daumen hoch!“

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